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Karneval im Büro: Die Narrenfreiheit hat auch Grenzen

Mann mit Clownsnase und abgeschnittener Krawatte
Feiern erlaubt? Viele Arbeitgeber gestatten während der närrischen Tage auch Kostüme im Büro. Doch bestimmte Spielregeln sollten dennoch eingehalten werden. Bild: © bilderstoeckchen/Adobe Stock

Ob Fasching, Fastnacht oder Karneval – vielerorts geht es in diesen Tagen hoch her. Es wird gefeiert, geschunkelt und gelacht. Doch auch zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch sind nicht alle Regeln außer Kraft gesetzt. Das gilt insbesondere auch dann, wenn der Karneval am Arbeitsplatz Einzug hält. Oliver Flesch, DFK-Fachanwalt für Arbeitsrecht, gibt wichtige rechtliche Hinweise für die Karnevalszeit.

Arbeitszeit und Urlaub

Die klassischen Karnevalstage sind ganz normale Arbeitstage und keine gesetzlichen Feiertage. Dies bedeutet: Wer feiern will, muss Urlaub nehmen. Wer dies missachtet und ohne Zustimmung des Arbeitgebers seinen Arbeitsplatz verlässt, zu Hause bleibt oder grundlos krankfeiert, muss mit einer Abmahnung oder sogar mit einer Kündigung rechnen. 

Einige Unternehmen gewähren ihren Arbeitnehmern z.B. am Rosenmontag einen freien Tag. In der Regel handelt es sich dabei um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Wenn jedoch der Arbeitgeber in der Vergangenheit solche Tage regelmäßig von der Arbeitspflicht ausgenommen und nicht klargestellt hat, dass er dies freiwillig tut, kann kraft betrieblicher Übung auch für die Zukunft ein Anspruch auf den freien Tag für die Arbeitnehmer entstehen.

Kostüme am Arbeitsplatz

Auch ein Karneval gibt es für die Arbeitnehmer keinen Rechtsanspruch auf Verkleidung. Das Bundesarbeitsgericht hatte in einer allgemeinen Entscheidung zu Bekleidungsvorschriften (“Kopftuch-Fall”) bereits ausgeführt, dass ein Arbeitgeber von seinen Arbeitnehmern mit Kundenkontakt erwarten kann, sich dem Charakter des Handelsgeschäfts und dessen Kundenstamm entsprechend branchenüblich zu kleiden. Eine solche Pflicht kann durch eine Weisung des Arbeitgebers begründet werden oder sich aus einer vertraglichen Rücksichtnahmepflicht ergeben. Etwaige Verkleidungen sollten vorher zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeitern abgestimmt werden, so der der Arbeitsrechtler Oliver Flesch. Gesetzlich vorgeschriebene Schutzkleidung darf auch während der närrischen Tage nicht gegen ein Karnevalskostüm eingetauscht werden.

Karnevalsbräuche

Vorsicht sei außerdem bei manch typischem Karnevalsbrauch geboten, so der Fachanwalt. So ist etwa das Abschneiden der Krawatte eines Arbeitnehmers durch eine Kollegin nur dann erlaubt, wenn das “Opfer” einverstanden ist. Zwar kann sich ein solches Einverständnis aus den Umständen ergeben. Jedoch existieren bereits gerichtliche Entscheidungen, in denen Karnevalisten wegen des Abschneidens einer Krawatte zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt wurden oder Abmahnungen riskieren. 

Veröffentlichung von Fotos 

Falls man Fotos von verkleideten Arbeitnehmern z.B. auf der Firmenhomepage oder Social Media Plattformen veröffentlichen möchte, ist dies nach dem Kunsturhebergesetz nur erlaubt, soweit eine Zustimmung des bzw. der Abgebildeten vorliegt. Diese Zustimmung kann nach der Datenschutzgrundverordnung vom Abgebildeten neuerdings jederzeit widerrufen werden.

Alkohol am Arbeitsplatz

Hinsichtlich des Alkoholkonsums ist zu beachten, dass alle Arbeitnehmer die Pflicht haben, ihre Leistungsfähigkeit und Sicherheit am Arbeitsplatz nicht durch das Trinken von Alkohol zu beeinträchtigen. Sie unterliegen der arbeitsvertraglichen Nebenpflicht, einen arbeitsfähigen Zustand aufrecht zu erhalten. Ob während der Arbeitszeit Alkohol getrunken werden darf, legt der Arbeitgeber fest. 

“Bützje” nicht fehlinterpretieren 

In Karnevalshochburgen ist ein “Bützje” ein Küsschen von Frauen auf die Wange von Männern. Als Mann sollte man ein solches Bützje aber nicht fehlinterpretieren und sofort als Aufforderung zu “mehr” sehen. Gerade Führungskräfte sollten sich zurückhalten. Denn als sexuelle Belästigung sind nach § 3 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) alle unerwünschten sexuellen Handlungen anzusehen, z.B. Begrabschen, Bemerkungen sexuellen Inhalts, anzügliche Witze, sexuell bestimmte körperliche Berührungen. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass eine sexuelle Belästigung nach § 3 AGG eine Verletzung vertraglicher Pflichten darstellt und als wichtiger Grund für eine außerordentliche Kündigung geeignet sein kann (abhängig von Umfang und Intensität). Außerdem sind Arbeitgeber bzw. Führungskräfte dazu verpflichtet, Verhaltensweisen von Beschäftigten, die einer sexuellen Belästigung gleichkommen, zu unterbinden und zu sanktionieren. 

ist freier Journalist aus Biberach/Baden und schreibt regelmäßig News und Artikel aus dem Bereich Arbeitsrecht.