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Recruiting erfordert Vertrauen

Ein Vorhängeschloss vor einer Reihe Binärcode
Foto: chainatp/istock

+++Interessante Fakten der Studie finden Sie in unserer › Bilderstrecke.+++

Datenschutz im Karriereumfeld ist ein enorm wichtiges Thema – für alle Stakeholder eines Unternehmens, egal ob Bewerber, Datenschutzbeauftragte oder sogar Betriebsrat. Die aktuelle Viasto-Studie zeigt: Deutsche HR-Software-Anbieter und -Dienstleister genießen ein hohes Vertrauen diesbezüglich. Das kommt nicht von ungefähr, denn der akribische und sensible Umgang mit diesem Thema gehört seit Jahren zu den festen Prinzipien zahlreicher HR-Unternehmen hierzulande. 

Um auch die oftmals noch nicht ausreichend betrachtete Sichtweise potenzieller Bewerber zweifelsfrei zu erfassen, hat Viasto gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Respondi eine umfangreiche Studie zum Thema umgesetzt. Hierfür wurden Ende des vergangenen Jahres (November 2017) mehr als 1000 Personen mit akademischen Hintergrund zu ihrer Perspektive auf Datenschutzthemen im Karriereumfeld befragt. 

1. Vertrauensbonus nutzen

Fakt: Deutsche HR-Dienstleister sind Datenschutz-Primus. HR-Dienstleister, wie etwa Anbieter von Bewerbermanagementsystemen oder Video-RecruitingLösungen aus Deutschland genießen einen deutlichen Vertrauensvorschuss auf Bewerberseite. Hintergrund: Bei US-amerikanischen Dienstleistern gehen gerade einmal 25 Prozent der Befragten davon aus, dass diese korrekt mit ihren Daten umgehen. Bei anderen ausländischen Dienstleistern außerhalb der EU glauben gar nur 16 Prozent daran. Im Vergleich dazu: Bei deutschen HR-Dienstleistern gehen satte 76 Prozent von einem einwandfreien Umgang mit ihren Daten aus. In der Altersklasse der 18 bis 29-Jährigen sind es sogar 84 Prozent, die deutschen HR-Dienstleistern bedenkenlos vertrauen.

Transfer: Die Investitionen vieler deutscher HR-Software-Anbieter scheinen also zu fruchten, während es gegenüber nicht deutschen Unternehmen noch größere Skepsis hinsichtlich des korrekten Umgangs mit den Bewerberdaten gibt. Arbeitgeber sollten daher auf Partner setzen, die viel in die Entwicklung der eigenen Lösung investieren, die die eigentliche Datenverarbeitung nicht an Dritte übertragen und in die eigene Infrastruktur investieren, um so zweifelsfrei sicherzustellen, dass der Umgang mit persönlichen Daten in Deutschland stattfindet. Dieses Vorgehen registriert der Bewerber, der weiß: Hier sind meine Daten sicher. Das spielt vor allem vor dem Hintergrund des zunehmenden Wettbewerbsdrucks im Kampf um die besten Talente eine große Rolle. Unternehmen sollten dies nutzen und sich bewusst für Dienstleister mit profunden Kenntnissen in dem Bereich entscheiden, um potenzielle Mitarbeiter nicht schon vor der Bewerbung abzuschrecken.

2. Datenschutz als Employer-Branding-Kriterium verstehen

Fakt: Die Kardinalfrage in Sachen “Datenschutz im Karriereumfeld” lautet: “Wie wichtig ist den Bewerbern das Thema heutzutage wirklich? Gibt es nicht eine gewisse Müdigkeit auf Bewerberseite, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen?” Das Ergebnis unserer Studie ist eindeutig: Das Gegenteil ist der Fall. Grundsätzlich ist Bewerbern ein gewissenhafter Umgang mit ihren Daten wichtig. Für 86 Prozent aller Bewerber ist Datenschutz im Bewerbungsprozess noch wichtiger als in anderen Bereichen der Internetnutzung.

Transfer: Arbeitgeber, die das Thema ernst nehmen und die ihre Bewerber wirklich verstehen, sind auf dem absolut richtigen Weg. Denn: Verantwortungsvoller Umgang mit Datenschutzthemen zahlt nicht zuletzt auch auf die Employer Brand ein. Personaler, die bei dem Thema ihren Kopf in den Sand stecken und sich der Auswirkungen ihrer Dienstleisterauswahl nicht bewusst sind, könnten bald mit denen auf eine Stufe gestellt werden, die noch 2002 behauptet haben, das Internet setze sich nicht durch.

3. Deutsche Arbeitgeber dürfen selbstbewusst mit Datenschutzthemen für sich werben

Fakt: 48 Prozent aller Bewerber glauben nicht, dass auf Arbeitgeberseite generell korrekt mit ihren Daten umgegangen wird. Vor allem, wenn der zukünftige Arbeitgeber ein aus dem Ausland kommendes Start-up ist, besteht ein großes Misstrauen auf Bewerberseite. Fast drei Viertel (73 Prozent) der Bewerber haben dann datenschutzrechtliche Bedenken. Zum Vergleich: Bei deutschen Konzernen teilen nur 31 Prozent und bei deutschen Start-ups 40 Prozent eine derartige Sorge.

Transfer: Dass Datenschutzbestimmungen in anderen Ländern auch innerhalb der EU deutlich laxer behandelt werden, als dies in Deutschland der Fall ist, scheint auch im Bewerbermarkt mittlerweile bekannt zu sein und entsprechend gewürdigt zu werden. Die Folge ist ein nachdrücklicher Vertrauensvorsprung aufseiten von deutschen Arbeitgebern.

4. Kandidaten die Bedenken bezüglich Datendiebstahl nehmen

Fakt: Bewerber haben Angst vor Hackern, Datenmissbrauch und dem fahrlässigen Umgang mit ihren Daten. Während nur ein geringer Anteil der Bewerber eine diffuse Angst vor einem Missbrauch durch den potenziellen Arbeitgeber selbst oder gar durch ausländische Geheimdienste hat (jeweils acht Prozent), werden konkrete Risiken anders verortet: Satte 32 Prozent der Bewerber sehen den Diebstahl ihrer Daten zum Beispiel durch Hacker als das größte Risiko, dicht gefolgt von Fahrlässigkeit im Umgang (27 Prozent) und Missbrauch für andere Zwecke, zum Beispiel unzulässige Metaanalysen (26 Prozent).

Transfer: Diffuse Ängste (wie beispielsweise vor ausländischen Geheimdiensten) sind deutlich weniger stark ausgeprägt als die Angst vor konkreten Risiken, wie etwa dem Verlust durch Diebstahl oder aufgrund von Fahrlässigkeit sowie Missbrauch.

5. Datenschutzrichtlinien nicht unterschätzen

Fakt: Ein für viele eventuell überraschendes Ergebnis unserer Studie: Immerhin 42 Prozent der Bewerber geben an, dass sie die Datenschutzerklärungen eines Arbeitgebers genau durchlesen, wenn sie sich im Rahmen des Bewerbungsprozesses über einen Arbeitgeber informieren. Das gilt für alle Altersklassen. Selbst bei den jüngsten Befragten (18 bis 29-Jährige) sind es 37 Prozent. Dementgegen stehen 40 Prozent der Bewerber, die sagen, dass ihnen mit solchen Erklärungen unwohl sei, aber sie das Thema insgesamt zu komplex finden, um sich damit auseinanderzusetzen. Komplett egal ist es kaum jemandem. Lediglich 16 Prozent geben an, dass sie gar nichts in diesem Kontext tun, weil es sie schlicht nicht interessiert.

Transfer: Ein großer Teil der Bewerber gibt an, sich intensiv mit dem Thema Datenschutz zu beschäftigen. Folge: Wer hier gut und sicher aufgestellt ist, gewinnt den Mitarbeiter – eine oft noch vernachlässigte Perspektive in der Wahrnehmung von attraktiven Arbeitgebermarken. Auch die Datenschutzrichtlinien – oft als notwendiges administratives Übel verkannt – können dazu beitragen.

Unser Fazit: Bewerbern sind Themen wie Datenschutz und Datensicherheit in Bewerbungsprozessen wichtiger als anderswo im Internet. Skepsis besteht insbesondere gegenüber ausländischen Arbeitgebern und Dienstleistern. Ein stiefmütterlicher Umgang nach dem Motto “Es wird schon gut gehen” kann die mühevoll aufgebaute Arbeitgebermarke nachhaltig schädigen. Andererseits kann ein sensibler Umgang mit Datenflüssen, angefangen bei der Auswahl von Dienstleistern, denen Bewerbern vertrauen, bis hin zu transparenten und verständlichen Datenschutzerklärungen, eine Geheimwaffe im Kampf um die Talente darstellen.

Die Studie
Im November 2017 wurden mehr als 1000 Personen mit akademischem Hintergrund zu ihrer Perspektive auf Datenschutzthemen im Karriereumfeld befragt. Diese Umfrage initierte der Video-Recruiting Anbieter Viasto gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Respondi.