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Blue-Card-Reform: Neue Regeln für hochqualifizierte Einwanderer

EU-Flagge
Für hochqualifizierte Arbeitnehmer soll der Zugang zum EU-Arbeitsmarkt leichter werden. Foto: © Andrey Kuzmin-stock.adobe.com

Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich darauf geeinigt, die Voraussetzungen für den Erhalt einer Blue Card abzusenken und somit die Einwanderung ausländischer Fachkräfte zu erleichtern. Mit der Blue Card können Fachkräfte mit einem Hochschulabschluss aus Nicht-EU-Ländern in die EU einreisen und erhalten Zugang zum hiesigen Arbeitsmarkt. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass nach wie vor ein großer Bedarf an solchen Fachkräften besteht, wurden die Einreiseregeln nun gelockert.

Mindestvertragsdauer und Gehaltsgrenze werden gesenkt

Aufgrund der beschlossenen Reform reichen in Zukunft neben dem Nachweis der beruflichen Qualifikation ein gültiger Arbeitsvertrag oder ein verbindliches sechsmonatiges Jobangebot aus, um eine Blue Card zu bekommen. Bislang ist dafür die Vorlage eines Arbeitsvertrags oder ein zwölfmonatiges Arbeitsplatzangebot notwendig. Außerdem wird es in Zukunft möglich sein, bestimmte
beruflichen Qualifikationen, zum Beispiel im IT-Bereich, anstatt durch einen
Hochschulabschluss durch den Nachweis
einschlägiger Berufserfahrung nachzuweisen.

Darüber hinaus wird die Gehaltsgrenze für Blue-Card-Kandidaten gesenkt.
Sie beträgt künftig mindestens 100 Prozent und höchstens 160 Prozent des
durchschnittlichen
Bruttojahresgehalts in dem EU-Mitgliedstaat, in dem der Antragsteller
beschäftigt ist. Bislang lag die Gehaltsschwelle bei mindestens 150 Prozent
ohne Obergrenze.  

Umzug und Familienzusammenführung soll leichter werden

Eine weitere Lockerung: Ausländische Fachkräfte dürfen in Zukunft nach einem zwölfmonatigen Aufenthalt in dem Land, das ihnen
die Blue Card zuerst erteilt hat, in ein anderes EU-Land umziehen. Außerdem sollen die Verfahren zur
Familienzusammenführung beschleunigt werden. Auch Familienangehörige von Blue-Card-Inhabern sollen Zugang zum Arbeitsmarkt in der EU bekommen.

Die Blue-Card-Reform muss, bevor sie in Kraft treten kann, noch vom EU-Rat gebilligt werden. Nach dem Inkrafttreten haben die EU-Mitgliedsstaaten zwei Jahre Zeit, um ihre nationale Gesetzgebung mit der Richtlinie in Einklang zu bringen. Deutschland hat bislang EU-weit mit Abstand die meisten Blue Cards ausgestellt, im Jahr 2017 war Deutschland für knapp 85 Prozent aller Ausstellungen verantwortlich.

ist freier Journalist aus Biberach/Baden und schreibt regelmäßig News und Artikel aus dem Bereich Arbeitsrecht.