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Mehr Qualifizierungsbedarf – weniger Angebote

Mann in Rückenansicht steht vor Wand mit gezeichneten Fragezeichen und einer Glühlampe
Die Corona-Krise erfordert bei Mitarbeitern neue Skills. Foto: © denisismagilov-stock.adobe.com

Die aktuelle Krise beschleunigt den Bedarf an neuen Skills. Gleichzeitig bewirkt sie, dass es in Unternehmen weniger Upskilling- und Reskilling-Möglichkeiten gibt. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie “The State of Skills 2021” von Degreed. Für die Untersuchung wurden im Juli und August 2020 weltweit über 5208 Mitarbeiter und Führungskräfte aus acht Ländern befragt, davon 509 in Deutschland.

Veränderte Anforderungen und steigender Weiterbildungsbedarf durch die Krise

Weltweit denken sechs von zehn Befragten, dass sie wegen der durch Corona ausgelösten Wirtschaftskrise schneller neue Skills erwerben sollten. In Deutschland geben dies 41 Prozent der Studienteilnehmer an. Den größten Weiterbildungsbedarf sehen die Befragten der ITK-Branche. Die Befragung nach Berufsgruppen zeigt, dass IT-Spezialisten die größte Notwendigkeit verspüren, neue Kompetenzen zu erwerben: Länderübergreifend geben dies srei Viertel der Befragten (75 Prozent) an. Am zweit- und drittstärksten fühlen sich Berufstätige im Marketing (69 Prozent) und im HR-Bereich (68 Prozent) unter Weiterbildungsdruck.

Vier von zehn Deutschen stellen reduzierte Qualifizierungsmaßnahmen fest

Obwohl die Studienteilnehmer einen erhöhten Qualifizierungsbedarf diagnostizieren, gibt international fast jeder zweite (46 Prozent) an, dass sein Arbeitgeber die Möglichkeiten zur Weiterbildung, Umschulung oder Personalentwicklung im letzten Jahr eingeschränkt hat. Von den Befragten hierzulande stimmten 41 Prozent dieser Aussage zu.

Fortbildungschancen im ITK-Bereich am stärksten eingeschränkt

Dort, wo Mitarbeiter und Manager den größten Weiterbildungsbedarf ausmachen, im ITK-Bereich, ist der Rückgang des Angebots am größten: Sechs von zehn Befragten weltweit (60 Prozent) sagen, ihr Arbeitgeber habe die Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung gegenüber der Zeit vor der Krise reduziert. Es folgen Finanzdienstleistungen (52 Prozent), industrielle Fertigung und Unternehmensdienstleistungen (jeweils 49 Prozent), Konsumgüter und Einzelhandel (42 Prozent) sowie das Gesundheitswesen (41 Prozent).

Personaler mit am meisten von Rückgang der Upskilling-Angebote betroffen

Die Analyse nach Berufsgruppen zeigt ebenfalls, dass Unternehmen die Upskilling-Möglichkeiten für IT-Spezialisten am häufigsten eingeschränkt haben. 59 Prozent der Studienteilnehmer stellen dies fest. Fast genauso reduziert wurden die Weiterbildungsoptionen von Marketing-Fachkräften (58 Prozent) und HR-Experten (56 Prozent), gefolgt von Mitarbeitern aus dem Finanzbereich (50 Prozent), dem operativen Geschäft (47 Prozent) und dem Vertrieb (41 Prozent).

Wann werden aktuelle Skills nicht mehr gefragt sein?

Fast sechs von zehn Studienteilnehmern in Deutschland (56 Prozent) glauben, dass die zentralen Skills für ihren Job in fünf Jahren obsolet sein werden. 42 Prozent erwarten, dass dies in den nächsten drei Jahren der Fall sein wird, und 26 Prozent befürchten dies bereits für die kommenden zwölf Monate (Mehrfachnennungen waren möglich). Gut jeder dritte deutsche Befragte (36 Prozent)sagt, er würde mit größerer Wahrscheinlichkeit kündigen, wenn sein Arbeitgeber nicht in ihn und die Weiterentwicklung seiner Skills investiert – in den anderen Ländern ist diese Bereitschaft noch höher und liegt zwischen 41 und 64 Prozent.

Mitarbeiter rechnen eher mit Entlassungen als Umschulungen

Mit der Reduzierung von Weiterbildungsoptionen schwindet auch das Vertrauen der Mitarbeiter in ihren Arbeitgeber. So glauben weltweit 42 Prozent und hierzulande 31 Prozent, dass ihr Unternehmen eher Mitarbeiter entlassen würde, als sie umzuschulen oder in eine andere Abteilung zu versetzen.

Die Studie kann > hier zum Download angefordert werden.

›› Die wichtigsten Learnings aus der Studie sowie Tipps für die Praxisfinden Sie in unserem Praxistransfer.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.