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Drastische Veränderungen am Arbeitsmarkt

Foto: © Song_about_summer / Adobe Stock
Foto: © Song_about_summer / Adobe Stock

Die Veränderungen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung sind dramatisch. Experten erwarten, dass durch die Digitalisierung, den Einsatz von KI, Transformationen und globale Innovationsprünge bis 2050 die Hälfte der bisherigen Schlüsselqualifikationen nicht mehr benötigt werden. Zu sehr sind diese noch in den Produktions- und Organisationsstrukturen der sich transformierenden Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft verwurzelt. Mitarbeitende, die sogenannte Future Skills zum Beispiel in Form von digitalen Grundfähigkeiten oder technologischen Fähigkeiten besitzen, sind rar. 80 Prozent der europäischen Unternehmen sehen deshalb Upskilling, also Weiterbildungen, als wichtig an, um diesen Gap aufzulösen. Diese Entwicklung greift auch die neue Trendstudie der IUBH zum Thema “Upskilling – Digitalisierung und neues Lernen” mit mehr als 1200 Teilnehmern auf. Sie zeigt, dass Unternehmen einen massiven Bedarf an digitalen Bildungsformen und Bildungsinhalten haben

Der Fokus der Studie liegt auf folgenden Fragen: Wie genau müssen zeitgemäße und effiziente Weiterbildungskonzepte aussehen? Was sind die größten Herausforderungen für Unternehmen, HR, Mitarbeiter und Führungskräfte in unterschiedlichen Branchen? Welche Hard und Soft Skills brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Führungskräfte heute, um auch in Zukunft ihre Aufgaben erfolgreich zu erfüllen?

Quelle: Trendstudie
Quelle: Trendstudie “Digitalsisierung und neues Lernen” IUHB 2020.
Die Digitalisierung ist einer der Faktoren, die ein Anpassen der Fort- und Weiterbildungen nötig machen.

Bisherige Studien von McKinsey, PWC und anderen Unternehmen verweisen auf einen “digital skills gap”. Der Begriff meint, dass die Fähigkeiten der Mitarbeitenden bereits heute vielfach nicht mehr den Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt entsprechen. Die IUBH-Studie zeigt, dass sich Mitarbeiter wie Führungskräfte dieser Entwicklung bewusst sind. Vor allem Geschäftsführer geben an zu wissen, dass Kompetenzen wie agiles Führen und Arbeiten, Kollaboration sowie digitale Interaktion in den nächsten drei bis fünf Jahren für sie relevant werden. Insgesamt sind es knapp über 60 Prozent der Befragten, die angeben, dass sie sich der benötigten Skills der Zukunft “bewusst” oder “total bewusst” sind.

Quelle: Trendstudie
Quelle: Trendstudie “Digitalsisierung und neues Lernen” IUHB 2020.
Viele Führungskräfte und Mittarbeiter kennen die Kompetenzen, die sie in den nächsten Jahren brauchen.

Fortbildung ist dringend notwendig

Auf die Frage nach dem größten Fortbildungsbedarf antworten 42,6 Prozent der Befragten, dass sie den größten Bedarf im Bereich IT und Technik sehen. Aber auch Marketing und Kommunikation (29,7 Prozent) sowie Management und Wirtschaft (29,6 Prozent) schätzen die Teilnehmer in ihrem Arbeitsalltag als Bereiche ein, in denen ein hoher Weiterbildungsbedarf besteht. Im Vordergrund stehen hierbei Kompetenzen im Umfeld von Online und Social Media Marketing (26,8 Prozent), Digitale Businessmodelle (22 Prozent) und Data Analytics und Big Data (21,5 Prozent).

Insgesamt geben 17,4 Prozent der Befragten an, dass sie keinen Handlungsbedarf im Hinblick auf weitere Qualifikationen für die Zukunft sehen. Diese Angabe variiert in Unternehmen mit 21 bis 500 Mitarbeitern und in Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern. In Unternehmen mit 21 bis 500 Mitarbeitern geben 13,9 Prozent der Befragten an, dass sie Weiterbildungen als nicht notwendig erachten. In Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern geben das 18,5 Prozent der Befragten an.

Der Großteil der Befragten ist sich also einig: Fortbildungen sind dringend notwendig – allerdings nicht nur in Bezug auf fachliche Qualifikationen, sondern auch bezüglich der Soft Skills und Führungskompetenzen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Miteinander von Hard und Soft Skills

Die Ergebnisse der IUBH-Studie machen deutlich: Neben den Hard Skills spielen Soft Skills in der digitalen Arbeitswelt eine zunehmend wichtige Rolle. Die wertvollsten Fähigkeiten sind solche, die Entwicklungen wie Automatisierung und künstliche Intelligenz ergänzen.

Vor allem große und mittelständische Unternehmen gehen davon aus, dass “weiche” Kompetenzen in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Dazu zählen Fähigkeiten wie Konfliktfähigkeit und -management (43,6 Prozent), Problemlösungskompetenz (42,3 Prozent) und Teamwork (39,2 Prozent). Betrachtet man nur das Segment teilnehmender Führungskräfte, sehen diese einen anderen Schwerpunkt. Sie wollen ihre Fähigkeiten vor allem in den Bereichen Mitarbeiterentwicklung (53,8 Prozent), Stressprävention (33,6 Prozent) und dem Bereich “Delegieren und Loslassen” (32,6 Prozent) weiter ausbauen.

Was hält Unternehmen davon ab, sich der digitalen Transformation in der Aus- und Weiterbildung zu stellen? Bei den Hindernissen steht der Zeitmangel auf dem ersten Platz (40,1 Prozent), dicht gefolgt von Kostenfragen.

Quelle: Trendstudie
Quelle: Trendstudie “Digitalsisierung und neues Lernen” IUHB 2020.
Fehlende Zeit ist einer der Faktoren, wegen dem sich Mitarbeiter und Führungskräfte oft nicht fortbilden.

Die Befragten äußern außerdem den konkreten Wunsch, dass
sich Präsenz- und Online-Lernformate sinnvoll ergänzen sollen: 72,2 Prozent der
Befragten sind der Meinung, dass eine Kombination verschiedener Lernformate den
größten Erfolg als Lernform verspricht.

Fazit: Weiterbildungsformen der Zukunft

Die Ergebnisse der Trendstudie decken sich mit bestehenden Untersuchungen: Der digitale Wandel nimmt an Entwicklungsdynamik und -geschwindigkeit zu. Er verändert massiv die Art und Weise, wie Menschen heute und in Zukunft arbeiten und lernen. Die Digitalisierung der Aus- und Weiterbildung ist neben dem anhaltenden Fachkräftemangel, dem soziodemographischen Wandel und den kaum prognostizierbaren Effekten von Covid-19 eine große Herausforderung für deutsche Unternehmen

Quelle: Trendstudie
Quelle: Trendstudie “Digitalsisierung und neues Lernen” IUHB 2020.
Die Weiterbildungsformate der Zukunft sollten auf Individualität setzen.

Mit dem tiefgreifenden strukturellen Wandel der Arbeitswelt zeigen sich vor allem zwei Entwicklungen: Mitarbeiter brauchen neue Kompetenzen. Ein Weg zum Ausbilden der neuen Kompetenzen können Weiterbildungen sein. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass sich auch die Lernformate den verändernden Arbeitsbedingungen anpassen müssen.

Wer sich auf den Weiterbildungsweg begeben will, braucht zunächst eine Bestandsaufnahme der vorhandenen und eine Analyse der in den nächsten Jahren benötigten Skills. Mit den passenden Trainings- und Weiterbildungsanbietern lassen sich kurzfristig individuelle Trainings und Einzelkurse mit themenspezifischen Inhalten konzipieren. Mittelfristig und strategisch ausgerichtet sollten Unternehmen die strategisch relevanten zukünftigen Kompetenzfelder erheben und beschreiben, für die dann – bei großen Unternehmen gegebenenfalls intern, bei mittleren und kleineren Unternehmen in Kooperation mit passenden Bildungsträgern – umfassende Schulungsprogramme konzipiert und umgesetzt werden.