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Deutsche finden KI okay, legen aber Wert auf Sicherheit

Homeoffice-Arbeitsplatz, an der Wand Monitor mit Augen
Drei Viertel der Deutschen befürchten, durch KI im Arbeitsalltag stärker kontrolliert zu werden. Foto: © Tatjana Balzer-stock.adobe.com

Nur noch fünf Prozent der Deutschen sagen, dass sie noch nie etwas von Künstlicher Intelligenz gehört oder gelesen haben. 2018 waren es noch zwölf Prozent und 2017 sogar 22 Prozent. Rund jeder Zweite (52 Prozent gegenüber 40 Prozent vor zwei Jahren) ist überzeugt, mindestens gut erklären zu können, was KI bedeutet. Etwas mehr als die Hälfte der Bundesbürger (53 Prozent) geht davon aus, dass KI bereits in den kommenden fünf Jahren die Gesellschaft spürbar verändern wird. Jeder Vierte (24 Prozent) glaubt, dass KI dies bereits heute tut. Das zeigt eine repräsentative Befragung von 1004 Personen ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Die große Mehrheit der Bundesbürger verlangt sichere KI-Systeme

Insgesamt geben circa zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) an, dass sie KI vor allem als Chance sehen. Fast ebenso viele (66 Prozent) denken, dass Künstliche Intelligenz die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärken wird. Drei Viertel (75 Prozent) wünschen sich, dass Deutschland bei der Entwicklung und der Vermarktung von KI-Anwendungen eine weltweite Führungsrolle einnehmen soll. Zugleich erwartet eine große Mehrheit (85 Prozent) eine sichere KI und verlangt, dass KI-Systeme hierzulande besonders gründlich geprüft und erst nach Zulassung in Geräten genutzt werden können. 44 Prozent wären auch dafür, in Deutschland bestimmte KI-Anwendungen zu verbieten.

Die derzeit am häufigsten genutzten Einsatzbereiche

Was die aktuelle Nutzung von KI-Anwendungen im Alltag betrifft, liegen mit 68 Prozent Textvorschläge beim Nachrichtenschreiben vorn, gefolgt von Routenvorschlägen bei der Navigation (62 Prozent) und Sprachassistenten auf dem Smartphone (60 Prozent). Weitere Anwendungsbereiche sind Titelempfehlungen beim Streaming (44 Prozent), automatische Übersetzungen (42 Prozent), Fahrassistenzsysteme im Auto (39 Prozent), Kaufempfehlungen in Online-Shops (34 Prozent), Gesichtserkennung zur Entsperrung des Smartphones (20 Prozent) sowie Gesichtserkennung für Fotos, um Menschen leichter zu finden (zwölf Prozent).

Deutsche können sich KI in fast allen Lebensbereichen vorstellen

Gefragt danach, in welchen Lebensbereichen sich die Studienteilnehmer den KI-Einsatz wünschen, steht die Pflege an der Spitze; drei Viertel (75 Prozent) wollen KI-Anwendungen zum Beispiel, um den Gesundheitszustand älterer Menschen zu überwachen. Häufig genannt wurden außerdem Ämter und Behörden (73 Prozent), die Medizin (67 Prozent), der Sicherheitsbereich (66 Prozent) und der Sport (61 Prozent), etwa bei Schiedsrichterentscheidungen. Noch mehr als die Hälfte hätte gern den KI-Einsatz beim Transport (58 Prozent), in der Bildung (55 Prozent), in Personalabteilungen und im Kundenservice (je 54 Prozent) sowie im Verkehr (52 Prozent), etwa bei autonomen Fahrzeugen. Die KI-Nutzung bei politischen Entscheidungen findet jeder Zweite (50 Prozent) erstrebenswert, beim Militär sind 48 Prozent dafür und selbst bei der Betreuung von Kleinkindern noch 38 Prozent.

KI-Einsatz im Arbeitsleben: Angst vor mehr Kontrolle und Jobverlust

Bezüglich des Einsatzes von KI im Arbeitsalltag haben viele Deutsche Vorbehalte; 44 Prozent sehen hier vor allem Gefahren. Konkret haben etwa drei Viertel (73 Prozent) Angst vor einer stärkeren Kontrolle der Mitarbeiter und zwei Drittel (65 Prozent) sorgen sich darum, dass Arbeitsplätze verlorengehen. Als positive Aspekte gaben 45 Prozent der Befragten an, KI helfe dabei, im Job Fehler zu vermeiden, langweilige Routinetätigkeiten zu reduzieren und mehr Freiraum für interessantere Aufgaben zu schaffen.

Sind KI-Systeme oder Personaler die objektiveren Recruiter?

Geht es um die Nutzung Künstlicher Intelligenz bei der Personalauswahl, so befürchtet knapp die Hälfte (49 Prozent) der Bundesbürger, eine KI könne Bewerber ohne sachlichen Grund ablehnen, etwa weil der Algorithmus bestimmte Personen diskriminiert. Andererseits haben nicht viel weniger der Befragten (44 Prozent) Bedenken, ein menschlicher Personalverantwortlicher könne Bewerber ohne sachlichen Grund ablehnen beispielsweise aufgrund von Vorurteilen hinsichtlich Alter, Geschlecht oder Herkunft.

Die intensive öffentliche Diskussion um diskriminierende Algorithmen spiegelt sich eins zu eins in den Befragungsergebnissen wider. Dabei ist KI in Personalabteilungen so gut wie nicht zu finden. Weniger als ein Prozent der Unternehmen setzen derzeit KI bei der Bewerberauswahl ein,

kommentiert Bitkom-Präsident Achim Berg die Einschätzung der Studienteilnehmer.

Eine Online-Präsentation mit allen Studienergebnissen gibt es zum > Download.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.