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Corona-Pandemie: Sorgearbeit bleibt hauptsächlich Frauensache

Dass Kinderbetreuung, Hausarbeit und die Pflege Angehöriger in Deutschland
überwiegend von Frauen übernommen werden, ist bekannt. Aber verändert die andauernde
Corona-Pandemie die geschlechtliche Verteilung der Sorgearbeit? Eine Studie des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gibt Aufschluss.

Frau stehend mit gesenktem Kopf
Die Corona-Pandemie verstärkt die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit in vielen Familien. Foto: © 1STunningART/AdobeStock

Der Anteil der Familien, in denen Mütter die
Kinderbetreuung fast vollständig alleine tragen, hat sich während der
Corona-Krise verdoppelt. Laut einer Analyse des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) stieg er von acht Prozent auf 16 Prozent an. Somit
ist das Ungleichgewicht in Familien, in denen sich Frauen schon zuvor deutlich
mehr um ihre Kinder gekümmert haben, noch größer geworden.

Das hängt nicht alleine mit geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktbeteiligung zusammen,
wie das Deutsche Zentrum für Altersfragen unlängst festgestellt hat. Frauen
übernehmen auch dann mit hoher Wahrscheinlichkeit hauptsächlich die Sorgearbeit,
wenn sie im Vergleich zu den Männern in gleichem Umfang erwerbstätig sind und
einen ähnlichen beruflichen Status aufweisen.

Bei Paaren, die sich die Sorgearbeit gleichmäßig aufgeteilt haben,
verzeichnet das DIW infolge der Pandemie keine signifikanten Änderungen: Dass
der Mann Kinderbetreuung und Hausarbeit fast vollständig oder überwiegend
übernimmt, ist in etwa fünf Prozent der Familien gegeben.

Um Eltern die Kinderbetreuung zu erleichtern, hat der Gesetzgeber
familienpolitische Leistungen an einigen Stellen angepasst und die Zahl der sogenannten
Kinderkrankentage auf 20 Tage erhöht. Laut DIW-Studienleiterin Katharina
Wrohlich ist diese Erhöhung zwar grundsätzlich gut, womöglich aber zu knapp
bemessen. Um die Verteilung der Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern
anzugleichen, schlägt das DIW vor, das Elterngeld auf vier Partnermonate
auszudehnen. Aber nicht nur dem Staat kommt bei diesem Angleichen eine tragende Rolle
zu. Auch Unternehmen stehen in der Pflicht, wie Sie in diesem HR-Werkstattbeitrag
lesen können
.