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Wie wirkt sich KI auf die Arbeitswelt aus?

Hand hält Smartphone, dort Chatbot-Unterhaltung
Chatbot beantwortet Nutzeranfragen – ein Beispiel des KI-Einsatzes. Foto: © WrightStudio/StockAdobe

Ein Forschungsprojekt, das von IBM und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gemeinsam beauftragt wurde, untersucht in mehreren Fallstudien, wie Beschäftigte die Veränderungen durch KI im Job erleben. Welche neuen Tätigkeiten entstehen, was bleibt, was fällt weg und wie ändern sich Kompetenzprofiele bestehender Jobs? Diesen und anderen Fragen geht das Projekt nach, das vom Research Centre for Education and the Labor Market (ROA) der Maastricht University und Input Consulting in Kooperation mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales durchgeführt wird.

Chatbot im Personalwesen bei Siemens

Die erste Fallstudie, über die das Forschungsteam schon berichten kann, ist ein Chatbot, der in der Personalabteilung bei Siemens im Einsatz ist. Ziel der KI-Anwendung ist es, den Chatbot CARL “in absehbarer Zukunft zu fast allen Themen rund um HR und Personalwesen auskunftsfähig” zu machen. Bislang wurden 290 HR-Themen identifiziert, auf über 40 kann das System jetzt schon – in fünf Sprachen – antworten. Der Chatbot ist noch nicht mit automatisierten Workflows verknüpft, er erteilt aktuell lediglich nicht personalisierte Auskünfte. Menschliche Arbeit wurde bislang durch die KI nicht ersetzt.

Der KI-Einsatz hat positive Effekte auf die Arbeitsqualität von HR-Experten,

konstatiert Marie-Christine Fregin, Input Consulting und Maastricht University, fest und bezieht sich darauf, wie KI derzeit bei Siemens gestaltet ist. Die HR-Experten stellten auch eine Zunahme an Produktivität und Effizienz fest. Sie nähmen den Chatbot als nützliches Assistenzsystem wahr. Die Personaler würden unterstützt und entlastet, weil die KI als sogenannter Single Point of Entry fungiert, das heißt, die Beschäftigten weltweit hätten eine zentrale Anlauf- und Informationsstelle zu Personalfragen.

Übernimmt KI menschliche Arbeit, werden Jobs entfallen

KI sei allerdings oftmals noch nicht Teil eines integrativen Systems, so die Forscher. Es gebe Automatisierungs-Engpässe, die unter anderem darin lägen, dass das Training und die Bereitstellung von Daten für den KI-Aufbau zeitaufwändig sind. Perspektivisch werde die KI aber in der Lage sein, einfache sowie komplexere Aufgaben zu übernehmen, sagt IBM-Personalgeschäftsführer Norbert Janzen. Obwohl bislang keine Substitution menschlicher Arbeit durch KI stattgefunden habe, sei es möglich, dass künftig weniger Menschen gebraucht würden, wenn KI Tätigkeiten tatsächlich übernehme. Die Arbeitsplätze, die bestehen blieben, würden andere Tätigkeiten und Kompetenzprofile umfassen als heute, so Janzen.

Derzeit sind zwei weitere Fallstudien bei einem Telekommunikationsanbieter in Planung. Rückblickend auf drei Jahre Chatbot-Einsatz wird untersucht, welche Jobs und Tätigkeiten durch den Einsatz eines KI-basiertes Assistenzsystems entstanden sind, welche Kompetenzprofile diese Jobs aufweisen und inwiefern Training und Up- bzw. Re-Skilling von Beschäftigten erfolgreich stattgefunden haben.

Weitere Informationen gibt es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.