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Freelancer – Vorbild für die neue Arbeitswelt?

Freelancer arbeitet am Laptop und telefoniert in Café
Flexibel und digital – so soll die Arbeitswelt einer Studie zufolge künftig nicht nur für Freiberufler aussehen. Foto: © Jacob Lund-stock.adobe.com

Hierzulande sind 1 300 000 Menschen als Freelancer tätig, davon fast die Hälfte (600 000) im digitalen Sektor. Das Durchschnittsalter der Freiberufler liegt bei 45 Jahren. Mehr als die Hälfte verfügt bereits über acht oder mehr Jahre Erfahrung. In den letzten 15 Jahren sind Freelancer laut > BCG mit mehr als 61 Prozent Wachstum die am schnellsten wachsende Arbeitsmarktgruppe in Europa. Das Beratungsunternehmen hat kürzlich auf dem europäischen digitalen Freelancer-Marktplatz > Malt Freiberufler dazu befragt, wie sich die Corona-Krise auf ihre Arbeit und Einstellung ausgewirkt hat.

Auftragseinbrüche in Film & Design am größten

Fast alle Befragten gaben an, dass sie Auftragseinbrüche hatten, wobei es Unterschiede je nach Berufszweig gibt. Der Anteil der Freelancer, bei denen mindestens ein Projekt abgesagt wurde, war mit 86 Prozent am höchsten im Bereich Film & Design, dicht gefolgt von Kommunikation & Marketing mit 86 Prozent. Aber auch in der Unternehmensberatung verloren mehr als drei Viertel (78 Prozent) mindestens einen Auftrag, in It & Data waren es mit 75 Prozent kaum weniger und bei Projektmanagern & Agile Coaches immerhin noch 61 Prozent. In anderen Berufszweigen liegt der Anteil zusammen bei 73 Prozent.

84 Prozent wollen nicht (wieder) als Festangestellte arbeiten

92 Prozent der Befragten haben früher schon einmal als Festangestellte gearbeitet. Die meisten digitalen Freelancer (84 Prozent) sagen, dass sie trotz der Auftragseinbußen nicht (wieder) in eine Festanstellung wechseln wollen. Bei Freiberuflern im Bereich Tech & Data (92 Prozent) und bei Projektmanagern & Agile Coaches (86 Prozent) wollen noch mehr ihre Freiberuflichkeit beibehalten. Jeder Zweite gibt an, auch während der Ausgangssperre produktiv gearbeitet zu haben und knapp zwei Drittel (64 Prozent) sagen, dass die Kommunikation mit ihren Kunden gut oder sehr gut funktioniert hat.

Obwohl Freelancer in den letzten Monaten eine Verlangsamung ihrer Tätigkeit erlebt haben, haben wir eine Wiederaufnahme der Aufträge vor dem Ende der Sperrfrist erlebt, insbesondere durch Unternehmen, die ihre digitalen Transformationsprojekte beschleunigen wollen,

sagt Vincent Huguet, CEO und Mitbegründer von Malt.

Freelancer als Vorreiter der Digitalisierung

“Freelancer sind das Material, aus dem die digitale Transformation gemacht wird. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für den Einsatz von Freelancern als jetzt”, um die Transformation voranzutreiben, heißt es in der Studie. Trotz Budgetkürzungen und Einstellungsstopps müssten Projekte kurzfristig wieder aufgenommen werden. Gleichzeitig gewöhnten sich viele Festangestellten immer noch an die Fernarbeit. Hier könnten Unternehmen von einem hochqualifizierten und erfahrenen Freelancer profitieren, der Hand in Hand mit den Mitarbeitern arbeite, ihnen einen Teil seiner Kompetenzen vermittle und die oft benötigte Außenperspektive einbringe. Freiberufler brächten aufgrund ihrer Berufserfahrung bei verschiedenen Kunden Weitblick, Neutralität und Flexibilität mit.

Hybride Arbeitsmodelle sind für Freiberufler normal

Auch lebten Freelancer die Veränderungen, in die viele Unternehmen durch die Krise gezwungen würden, bereits seit Jahren. 68 Prozent nutzen agile Arbeitsmethoden. 45 Prozent haben bereits vor der Krise remote gearbeitet, 41 Prozent vor Ort beim Kunden und die restlichen 14 Prozent an sonstigen Orten, etwa in Coworking Spaces. Hybride Modelle von Homeoffice und Einsätzen vor Ort, die in den kommenden Monaten für eine große Zahl von Unternehmen die Norm würden, seien für sie nichts Neues.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.