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Teambuilding: Wie Zusammenarbeit Spaß macht und zum Erfolg führt

Organisationsentwickler und Olympiasieger Stefan Kermas ist überzeugt: Für ein gutes Zusammenspiel im Team ist die Vorbereitung entscheidend und nicht der Plan. (Foto: Dirk Beichert Business Foto)
Organisationsentwickler und Olympiasieger Stefan Kermas ist überzeugt: Für ein gutes Zusammenspiel im Team ist die Vorbereitung entscheidend und nicht der Plan. (Foto: Dirk Beichert Business Foto)

“Ich lese überall etwas von Unsicherheit. Doch wer bestimmt eigentlich, was ich als unsicher empfinde?” Diese Frage stellte Stefan Kermas, Volljurist, Hockey-Olympiasieger und Trainer, den Zuhörern und Zuhörerinnen in seiner Keynote beim 12. Deutschen HR-Summit. Als Antwort gab er seine Sicht der Dinge preis: “Die Empfindung, was unsicher ist, ist subjektiv.”

Dennoch gab er zu, dass viele Menschen Zeiten wie die derzeitige pandemische Lage als unsicher empfänden. Dieses Gefühl werde dadurch verstärkt, dass wir in Wirtschaftsszenarien leben, die nicht immer planbar sind. Zudem agieren auch die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, nicht immer vorhersehbar. “Wenn ich mit Menschen zu tun habe, ist die Planbarkeit vorbei”, stellt Kermas fest. Als Beispiel für Nichtplanbarkeit nannte er die Erkrankung von fünf Mitarbeitern gleichzeitig.

Vorbereitung statt Plan

Für derartige Situationen brauchten Führungskräfte keinen Plan, da dieser ohnehin durcheinander geworfen werde. Vielmehr rät Kermas: “Der gute Coach hat einen Plan, ist aber auf jede Veränderung vorbereitet.” Ein Fußballspiel sei, so Kermas, für Nichtplanbarkeit ein gutes Beispiel. “Ich brauche Vorbereitung oder Training, wenn ich mit Menschen zusammenarbeite. Dafür ist der Sport das beste Beispiel.”

Auch sei es in jedem Szenario, bei jeder Problematik in Unternehmen, wichtig zu prüfen, wo das eigentliche Problem liege und ob es sich um ein kompliziertes Problem, das wir mit Wissen lösen können, oder um ein komplexes Problem, bei dem es um Menschen und deren Können gehe, handele. “Habe ich mit Menschen zu tun, kann ich Probleme nicht ausschließlich mit Wissen lösen. Da ist Können das Entscheidende: Ich brauche die Talente auf der richtigen Position”, so Kermas. Komplexe Probleme ließen sich nicht primär durch Wissen lösen, sondern vielmehr mittels der richtigen Fragen und “Denkwerkzeugen”, wie der Organisationsentwickler es nannte.

Weitere Berichte, eine Bilderstrecke und ein Video vom 12. Deutschen HR-Summit finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Spielregeln beobachten, verstehen und nutzen

Neben der Interaktion der Menschen in einem Unternehmen, muss HR, so rät Kermas, auch verstehen, welche “Spielregeln” im Unternehmen herrschen. In jedem Unternehmen gebe es geschriebene und ungeschriebene Regeln, innerhalb derer sich Menschen bewegen. “Wenn ich die Spielregeln kenne und verstehe, kann ich auch die Dynamik in meinem Team verstehen und womöglich nachvollziehen, warum sich Menschen auf eine bestimmte Art verhalten.”

Umfeld prägt Verhalten von Mitarbeitenden

Das Verhalten von Menschen sei somit der Faktor von Persönlichkeit und Umfeld, wie es einst der Sozialpsychologe Kurt Lewin herausfand. Führungskräften wird es nicht gelingen, die Persönlichkeit von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu verändern. Sie könnten aber das Umfeld, den sogenannten Rahmen ändern. “Wir müssen verstehen, dass das Verhalten von Mitarbeitern stark vom Umfeld abhängt. Wenn ich kein für Zusammenarbeit geeignetes Umfeld anbiete, kann der Mensch im Team nicht funktionieren.” Das Umfeld könne beispielsweise durch klare Kommunikationswege, Richtlinien zu Beförderungen oder durch Gehaltsveränderungen verändert werden.

Auch kann es helfen, Skills zu trainieren: “Qualität, Flexibilität, mentale Fitness – das kann ich alles trainieren”, meinte Kermas. Daher müssten Führungskräfte, nicht nur, wenn es draußen stürmischer wird, sich auf ihre Mitarbeiter und deren Skills fokussieren und sie zu Eigenverantwortlichkeit zu befähigen. Wenn diese Grundlage gelegt sei, könne eine Führungskraft ein Team auch in stürmischen Zeiten begleiten und zum Ziel führen.

Für eine gute Begleitung braucht es keine 1.000 Regeln, vielmehr erfordere sie klare Handlungsziele, an denen sich die Belegschaft orientieren kann. “Wenn es stürmisch wird, brauchen wir nicht 1.000 Regeln, sondern Prinzipien, denn dann brauchen wir Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die kluge Entscheidungen treffen und eigenverantwortlich Probleme lösen können.” Das funktioniere genauso im Mannschaftssport. Dieser sei, so Kermas, von Prinzipien geprägt. Die Entscheidungen trifft der Spieler in den einzelnen Situationen auf dem Platz, angelehnt an einen Handlungsrahmen.

Was bedeutet das für HR?

Für die Entwicklung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bedeutet das, dass HR die Fähigkeiten der einzelnen erkennen und nutzen sollte. “Menschen sind so wunderbar unterschiedlich”, konstatierte Kermas. Gemeinsam mit ihnen kann HR Leistung erzielen, wenn nicht die Personalverantwortlichen vorgeben, in welche Richtung sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entwickeln sollen, sondern wenn diese selbst sagen, in welche Richtung sie sich entwickeln möchten. HR müsse die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen befähigen, selbst herauszufinden, was sie von HR brauchen. “Dann können sie eigeninitiativ, intrinsisch an dem arbeiten, was sie erreichen möchten.”

Kirstin Gründel kümmert sich als Redakteurin um das Portal Total Rewards sowie das F.A.Z.-Personaljournal.

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