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Wie DB Schenker lokale Lösungen zu globalen Stärken macht

 

Katharina Rath beim HR-Summit.
Katharina Rath, Personalvorständin bei DB Schenker, bei ihrer Keynote auf dem HR-Summit. Foto: Dirk-Beichert-Business-Photo

Mit seinen fast 150 Jahren ist DB Schenker ein echtes Traditionsunternehmen und stabiler Arbeitgeber in der heutigen Zeit. Doch genau wie alle anderen Unternehmen steht der global agierende Logistikkonzern vor der Herausforderung, sich den neuen, von der Corona-Pandemie verursachten Umständen anzupassen. Eines wurde dabei besonders deutlich: Die Einführung agiler Arbeitsweisen steigert die in einer Krise benötigte Flexibilität, um schnell und effektiv auf Veränderungen am Markt zu reagieren.

Was dies für DB Schenker bedeutet, erzählte die Personalvorständin Katharina Rath in ihrer Keynote zum Thema “Durch unsichere Zeiten navigieren – lokale Lösungen zu globalen Stärken machen”. Dort stellte sie eine HR-Strategie vor, die den Balanceakt zwischen Eigenverantwortung und Teamorientierung ins Zentrum rückt. Den Führungskräften kommt dabei die Aufgabe zu mittels klar formulierter Werte die Richtung vorzugeben und die Mitarbeitenden dann möglichst selbstständig ihre Aufgaben erledigen und Lösungen auf Herausforderungen finden lassen.

Dieselbe Dynamik benötigt es zwischen dem Konzern als globale Einheit und den lokalen Organisationen, so Rath: “Wir wollen die Ausgestaltung und Umsetzung der Projekte einerseits in lokale Hände geben, gleichzeitig aber unsere weltweiten Standards überall zur Anwendung bringen”. Dadurch entsteht eine gewisse Grundstabilität, mit der das Unternehmen auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig bleibt.

Einen Purpose für die eigene Arbeit finden

“Von oben vorgegebene detaillierte Prozesse, die nicht mehr der Realität entsprechen, sind in unsicheren Zeiten nicht hilfreich”, sagte Rath. Was die Mitarbeitenden stattdessen in einer Krisensituation brauchen, sei ein Purpose. “Wir müssen das Warum hinter der Arbeit unseres Konzerns beantworten”, so die Personalvorständin. “In unserem Fall lautet die Vision: Wir halten eine Gesellschaft am Laufen.” Während der Corona-Pandemie transportierte DB Schenker beispielsweise Schutzmasken und -kleidung sowie medizinisches Material an Orte, wo sie dringend gebraucht wurden.

Weitere Berichte, eine Bilderstrecke und ein Video vom 12. Deutschen HR-Summit finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Der Zusammenhalt, den DB Schenker während der Krise bewies, ist gerade in Zeiten von Remote Work keine Selbstverständlichkeit. Das konnte Rath selbst feststellen, als sie im Dezember 2020 die Personalverantwortung übernahm. Als People Person ist sie eigentlich gerne vor Ort, lernt ihre Kolleginnen und Kollegen persönlich kennen – doch diesmal musste ihr Einstieg virtuell stattfinden.

In ihrer Keynote erzählt Rath davon, wie sie sich im Homeoffice durch KPIs, Präsentationen und viele Schriftstücke durcharbeitete, um sich in die Konzernstrukturen und die HR-Prozesse einzufinden. Parallel dazu habe sie begonnen, mit Mitarbeitenden auf der ganzen Welt ins Gespräch zu kommen. Sie habe angefangen, sich in die Unternehmenseinheiten hineinzudenken und deren Arbeit zu verstehen. “Meine Mitarbeitenden und ich sollen uns als Teil des Ganzen begreifen, als Teil einer großen Mission – wo wir wieder beim Purpose wären – so wird der Beitrag zum Unternehmenserfolg spürbar”, sagt Rath.

Auf dem Weg dorthin habe die Personalvorständin eines festgestellt: “In vielen Fällen gab es Widersprüche zwischen den niedergeschriebenen Prozessen und der Realität.” Doch solche Herausforderungen bedeuten eben auch große Chancen zur Entwicklung. Mit dieser Überzeugung, habe sie selbst klar durchgegriffen, Prozesse in Frage gestellt und die Entwicklung von agileren und mündigeren Teams zu fördern und fordern – allen voran ihr HR-Team. In meinem vorherigen Unternehmen, verstanden wir HR als “the trusted irritator”, sagte sie. “Das finde ich perfekt formuliert.” Und so plädiert sie für ein neues Selbstbewusstsein der Personalerinnen und Personaler: “Die Welt verändert sich. Und so muss sich auch die Rolle von HR verändern. Es beeinflusst nicht nur die Unternehmenskultur, HR ist ursächlich für den geschäftlichen Erfolg!”

Ein guter Draht zu den Mitarbeitenden

Damit sei auch die Verantwortung verbunden, allzu vielstufige HR-Strategien aufzugeben. “Dadurch haben wir am Ende keine richtige Verbindung mehr zu den Mitarbeitenden”, so Rath. Stattdessen solle im HR-Team bei DB Schenker Effektivität im Fokus stehen und überlegt werden, warum genau ein Prozess gemacht wird und ob er überhaupt nötig ist. Als Orientierung dienen dazu jetzt OKRs (Objectives und Key Results), denn sie zwingen die Personalerinnen und Personaler dazu, einen Purpose festzulegen und diesen in kurzen Lernzyklen zu überprüfen. OKRs erlauben HR bei DB Schenker zudem, sich immer wieder zu fragen, inwiefern bestehende Prozesse und Aktionen den bestmöglichen Nutzen für das Unternehmen erzielen.

Rath habe eine umfassende HR Transformation angestoßen, um ihre HR-Teams als agile Teams aufzustellen. “Das gibt unserem gesamten HR-Bereich eine völlig neue Energie “, erklärt sie. Agilität sei besonders in einer Krisensituation wichtig, die von Unsicherheit geprägt ist. Sie erlaube, Fehler schnell zu erkennen und auszumerzen sowie ihnen beim nächsten Mal entgegenzuwirken. Neben der Personalabteilung arbeiten auch IT-Teams im Logistikkonzern agil. Die neue Arbeitsweise kann natürlich nicht in allen Bereichen funktionieren – vor allem nicht in solchen, die durch eine hohe Governance und Compliance geprägt sind. “Payroll oder Audits agil anzugehen, ist wahrscheinlich keine gute Idee”, nannte Rath als Beispiel.

Agilität kennzeichnet auch die Einstellung, die die Personalvorständin den Gästen des HR-Summits empfiehlt: “Fange immer bei dir selbst an, sei mutig und gehe voran.” Das gelte für alle Mitarbeitenden, aber auch für die Führung des Unternehmens. Um in einer Belegschaft Eigenverantwortlichkeit zu fördern, die für agiles Arbeiten unbedingt notwendig ist, müssen Führungskräfte nämlich mutig sein – und dazu gehört, ein Stück weit Kontrolle abzugeben und Mitarbeitenden zu vertrauen. Dies bedeutet über die neue Arbeitsmethode hinaus einen echten Mindshift.

 

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.