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Weniger Homeoffice im April

Nach Schätzungen des Ifo Instituts könnte gut jeder zweite Beschäftigte hierzulande zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten. Tatsächlich liegt der Anteil der Teleworker aktuell trotz Corona-Krise jedoch bei knapp einem Drittel. Im letzten Monat war sogar ein leichter Rückgang zu beobachten.

Baugewerbe
Im April ist ist die Prozentzahl der Mitarbeiter, die wenigstens teilweise im Homeoffice waren, nur im Baugewerbe gestiegen. Foto: © godshutter-stock.adobe.com

Das Ifo Institut hat anhand einer Umfrage ermittelt, wie viele Arbeitnehmer im April auch oder ganz von zuhause aus ihren Beruf ausübten. Die Ergebnisse zeigen, dass weniger Menschen in diesem Zeitraum die Möglichkeit genutzt haben als im März.

Rund drei von zehn Mitarbeitern arbeiteten im April von zuhause aus

Aus der aktuellen Ifo-Konjunkturumfage geht hervor, dass im April dieses Jahres 30,8 Prozent der Deutschen wenigstens zum Teil im Homeoffice gearbeitet haben. Im März betrug dieser Anteil noch 31,7 Prozent und war damit etwas höher, während er im Februar mit 30,3 Prozent noch etwas niedriger ausfiel als im April. Die Entwicklung zu weniger Remote Work war in vielen Branchen sichtbar. So nahm der Anteil der Heimarbeiter in der Industrie von 23,4 auf 22,4 Prozent ab, im Dienstleistungsbereich sank er von 42,6 auf 41,1 Prozent und im Handel von 19 auf 18,9 Prozent. Lediglich im Baugewerbe wurde ein Anstieg von 8,3 auf 11,3 Prozent registriert, was erstaunt, weil die Branche ohnehin wenig Möglichkeiten für Homeoffice bietet und wenn dies angeboten wird, würde man eher das erste kalte Quartal des Jahres dafür vermuten. Über alle Branchen hinweg wurde im April entweder die Bereitschaft der Mitarbeiter für Remote Work wieder geringer oder die Arbeitgeber machten entsprechend weniger Vorgaben – eine Erklärung geht aus der Umfrage nicht hervor.

Die verschärfte Pflicht zum Heimbüro in Corona-Zeiten scheint zu verpuffen,

vermutet Jean-Victor Alipour, Experte für Homeoffice beim Ifo Institut.

Zum Teil große Kluft zwischen tatsächlicher Homeoffice-Nutzung und Potenzial

Laut einer Schätzung des Instituts könnten branchenübergreifend 56 Prozent der Mitarbeiter ihrem Job wenigstens teilweise auch vom heimischen Schreibtisch aus nachgehen. Naturgemäß hängen Nutzung und das entsprechende Potenzial jedoch in großem Maß von den jeweiligen Wirtschaftszweigen und dazugehörigen Tätigkeiten ab. Bei der tatsächlichen Nutzung von Remote Work liegen die Erbringer von Dienstleistungen der Informationstechnik mit 79,8 Prozent vorn; laut Ifo Institut liegt das geschätzte Potenzial jedoch bei 87,4 Prozent und damit weit höher. Was die reale Nutzung betrifft, so folgen die Informationsdienstleistungen mit 73,2 Prozent bei einem Gesamtpotenzial von 82,2 Prozent und Unternehmensberatungen mit 70,2 Prozent sowie einem Potenzial von 76,5 Prozent. Größere Differenzen zwischen Nutzung (51,5 Prozent) und Möglichkeiten (83,8 Prozent) ergeben sich im Verlagswesen, außerdem in Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsberatung: 49,1 versus 87,6 Prozent. Aber auch in der Pharmabranche bestünde noch Spielraum: Die tatsächliche Nutzung liegt bei 39,4 Prozent und laut Ifo-Schätzung wären 62,6 Prozent möglich.

Sehr große ungenutzte Potenziale gibt es im Bereich Landverkehr und Rohrleitungen; dort arbeiten lediglich 11,4 Prozent auch von zuhause aus, obwohl es für 50,2 Prozent machbar wäre. Ähnlich sieht es bei Herstellern von Holz-, Flecht- und Korbwaren aus: Nur 9,7 Prozent nutzen das Homeoffice, während die Möglichkeit potenziell für 42,8 Prozent der Beschäftigten bestünde. All die Berechnungen berücksichtigen jedoch noch nicht die Affinität der jeweiligen Beschäftigten zum Arbeiten von zuhause aus.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.