Psychische Erkrankungen sollten von Arbeitgebern ernster genommen werden als bisher – so der Tenor der neuen Fehlzeitenanalyse der Krankenkasse DAK Gesundheit. Denn mentale Krankheiten seien aktuell mehr in der Gesellschaft verbreitet als in den Jahren zuvor. Im Sommer 2023 hatten sich ungewöhnlich viele Beschäftigte krankschreiben lassen. Dabei stiegen vor allem die Fehlzeiten aufgrund von Muskel-Skelett- und psychischen Erkrankungen.
Laut DAK-Analyse, für die die Krankenkasse die Daten von 2,35 Millionen bei ihr versicherten Beschäftigten ausgewertet hat, gab es rund ein Viertel (+ 24,3 Prozent) mehr Fehltage wegen Depressionen oder Angststörungen im dritten Quartal 2023 verglichen mit demselben Zeitraum im Vorjahr. Ein höherer Anstieg der Fehltage wurde nur infolge von Muskel-Skelett-Erkrankungen verzeichnet (+ 25,2 Prozent). Hier gehen Expertinnen und Experten allerdings davon aus, dass ein Teil dieser Muskel-Skelett-Erkrankungen durch psychische Belastungen entstanden ist.
Die Zahlen im Detail: Von Juli bis September lag der Krankenstand bei rund 5 Prozent – womit rechnerisch fast jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin fünf Tage wegen Krankheit die Arbeit niederlegte. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Krankenstand damit um 0,3 Prozentpunkte. 101 Fehltage je 100 Beschäftigte wurden durch Muskel-Skelett-Erkrankungen verursacht, 87 durch psychische Belastungen.
Mögliche Ursachen für den Anstieg
In der ersten Jahreshälfte 2023 wurde der Krankenstand noch größtenteils durch einen Anstieg bei Atemwegserkrankungen in die Höhe getrieben. Damals erklärten die DAK-Expertinnen und -Experten diese Zunahme damit, dass Infekte nach der Corona-Pandemie nachgeholt wurden. Parallel dazu verzeichneten die Fachleute der Krankenkasse allerdings auch für das erste Halbjahr 2023einen Anstieg an Muskel-Skelett- und psychischen Erkrankungen im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr. Diesen führten sie damals unter anderem auf den zunehmenden Personalmangel und damit verbundenen Stress beziehungsweise die Mehrarbeit für gesunde Mitarbeitende zurück.
Aktuell nennen sie weitere Gründe für die schlechter werdende mentale Gesundheit vieler Mitarbeitender: „Die Nachwirkungen der Pandemie, die Unsicherheit in Deutschland durch die vielen Krisen in der Welt: Das alles belastet die Psyche der Menschen zunehmend“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK Gesundheit.
Professor Volker Nürnberg, Experte für Betriebliches Gesundheitsmanagement, verwendet drastische Worte, um den aktuellen und zukünftigen Stand hinsichtlich mentaler Erkrankungen in der Gesellschaft zu beschreiben: „Burnout ist die neue Pandemie. Bei vielen Mitarbeitern ist nicht nur der Akku leer, sondern das Ladekabel defekt.“ Den Gesundheitsschutz an diese Herausforderungen anzupassen, sei für Arbeitgeber deshalb essenziell.
Wege, wie dies geschehen kann, gibt es viele und sie sollten laut zahlreichen Expertinnen und Experten individuell gestaltet werden. So können Unternehmen mentale Gesundheit thematisieren, über psychische Krankheiten und erste Symptome davon aufklären sowie Führungskräfte und HR in der Kommunikation mit Betroffenen schulen. Des Weiteren kann es hilfreich sein, Workshops durchzuführen und Übungen anzubieten, mit denen Mitarbeitende lernen, ihre eigene mentale Gesundheit zu fördern. Für Notfälle bietet es sich auch an, eine Anlaufstelle – etwa in Form eines Notfalltelefons zu haben. Darüber hinaus sind auch Coachings vorstellbar, die Beschäftigte in Anspruch nehmen können.
Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch Themen aus den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit.

