Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Was weiblichen Führungskräften derzeit wichtig ist

Nachdenkliche weibliche Führungskraft am Fenster
Jede vierte Managerin möchte einen positiven Fußabdruck in der Welt hinterlassen.
Foto: © luckybusiness/StockAdobe

Für den “Global Female Leaders Outlook” von KPMG wurden weltweit 1100 weibliche Führungskräfte aus 52 Ländern befragt, davon 82 aus Deutschland. Fast drei Viertel (71 Prozent) der Managerinnen hierzulande – im Rest der Welt sind es 80 Prozent – sehen sich persönlich in der Verantwortung, die Wertvorstellungen ihrer Kunden in Bezug auf Umwelt, soziales Engagement und Unternehmensführung in den Unternehmensleitlinien abzubilden. Das bezieht sich auf den Klimawandel, den Umgang mit neuen Technologien und die daraus resultierende geänderte Erwartungshaltung nicht nur von Kunden, sondern auch von Mitarbeitern, der Öffentlichkeit und Investoren.

Dilemma zwischen Anspruch und Erfolgsdruck

Jede vierte Managerin (23 Prozent) motiviert der Gedanke, einen positiven Fußabdruck in der Welt zu hinterlassen. Gleichzeitig betrachten es 40 Prozent der weiblichen Führungskräfte in Deutschland (global 39 Prozent) jedoch als Herausforderung, die Wachstumsziele ihres Unternehmens mit einem breiten gesellschaftlichen Sinn zu verknüpfen. Hier zeigt sich laut Studie eine zunehmende Divergenz zwischen den Erwartungshaltungen der Stakeholder und der Ausrichtung an wirtschaftlichen Zielen, die noch überwiegend das unternehmerische Handeln dominiere.

Managerinnen halten Agilität für die wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft

Angesichts der sich wandelnden Märkte und der technologischen Entwicklung halten 86 Prozent der deutschen Studienteilnehmerinnen Agilität für die wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft; global sind es 81 Prozent. 94 Prozent der befragten Frauen (international 97 Prozent) sehen die Notwendigkeit, Innovationsprozesse zu verbessern. Jede Zweite (51 Prozent) betrachtet die Zusammenarbeit mit innovativen Startups als Hauptwachstumstreiber für die nächsten drei Jahre.

Geschrumpfter Optimismus in Bezug auf Unternehmens- und Wirtschaftswachstum

Im Hinblick auf die Weltwirtschaft erwarten nur noch 41 Prozent der hiesigen Managerinnen (weltweit 38 Prozent) ein Wachstum – im letzten Jahr waren es noch 50 Prozent. Hinsichtlich des Wachstums des eigenen Unternehmens zeigen sich 60 Prozent (international 71 Prozent) optimistisch, allerdings waren es 2018 noch gut drei Viertel (77 Prozent). Zwei Drittel der deutschen Managerinnen (65 Prozent) geben an, dass sie datenbasierten Analyse- und Entscheidungsmodellen vertrauen und positive Ergebnisse durch den Einsatz neuer Technologien erwarten. 42 Prozent gehen für die kommenden drei Jahre von einem Anstieg der Mitarbeiterzahl aus.

Hierzulande sehen Frauen weniger Karrierechancen beim derzeitigen Arbeitgeber

Was die persönliche Karriereentwicklung betrifft, so zeigt die Studie vor allem in Deutschland noch Defizite auf. Hier ist lediglich gut jede vierte befragte Managerin (28 Prozent) davon überzeugt, in ihrem Unternehmen weiter aufsteigen zu können. International glaubt ein Drittel (35 Prozent) der Managerinnen an eine Beförderung beim derzeitigen Arbeitgeber. Jede zweite Deutsche (51 Prozent gegenüber 38 Prozent weltweit) ist der Meinung, dass ein Unternehmenswechsel für den nächsten Karriereschritt notwendig ist.

Mehr als jede zweite weibliche Führungskraft kämpft mit Vorurteilen

Außerdem geben hierzulande fast sechs von zehn weiblichen Führungskräften (58 Prozent) an, dass sie als Frau mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert werden oder diese bereits erlebt haben. Bei jenen, die mit solchen Geschlechterstereotype im Berufsalltag zu tun haben oder hatten, betrafen diese zu 39 Prozent die Kommunikation, zu 37 Prozent den allgemeinen Umgang und zu 27 Prozent ihre fachliche Qualifikation. Zwölf Prozent geben an, sexuell belästigt worden zu sein oder belästigt zu werden. Dass zumindest die Qualifikation immer weniger eine Herausforderung für Frauen im Job sei, bewerten die Studienautoren positiv. International liegt der Anteil der Frauen, die aufgrund dessen Vorurteile erfahren, mit 21 Prozent allerdings etwas niedriger. Angesichts der noch bestehenden Hindernisse sehen 70 Prozent der Managerinnen in Deutschland die Unternehmen in der Pflicht, den Kulturwandel voranzutreiben und die nächsten Schritte in Richtung Gleichberechtigung zu unterstützen.

Global sind drei Viertel der Managerinnen Mütter, hierzulande nur knapp die Hälfte

Es ist offenbar für Frauen in Deutschland generell komplizierter als in anderen Ländern, Karriere und Familie zu vereinbaren. So hat hier weniger als jede zweite Managerin (48 Prozent) Kinder, während es international rund drei Viertel (74 Prozent) sind. Laut der Untersuchung könne das mit unzureichenden Rahmenbedingungen zu tun haben, so schneide Deutschland in Bezug auf die Elternzeit schlecht ab: Nur 51 Prozent (international 81 Prozent) der Befragten geben an, Elternzeit genommen zu haben. 31 Prozent (weltweit nur neun Prozent) sagen sogar, dass sie gar keine Auszeit genommen haben.

Alle Ergebnisse des Global Female Leaders Outlook können > hier zum Download angefordert werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

Themen