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Stress macht jeden zweiten Berufstätigen krank

Mann mit Kopf auf Laptop-Tastatur, hat Felsbrocken im Nacken
Stress im Job belastet viele Mitarbeiter und führt unter anderem zu Kopf- und Nackenschmerzen.
Foto: © Sergey Nivens/StockAdobe

Hierzulande berichten 47 Prozent der Arbeitnehmer, regelmäßig unter Beschwerden zu leiden, die durch jobbedingten Stress und Überlastung ausgelöst werden. Das geht aus der Studie “Jobzufriedenheit 2019” hervor, für die im Auftrag der > ManpowerGroup 753 berufstätige Bundesbürger repräsentativ befragt wurden.

Jeder dritte Arbeitnehmer hierzulande ist oft müde und erschöpft

Rund jeder dritte Befragte (30 Prozent) fühlt sich aufgrund des Arbeitsalltags häufig erschöpft und müde. Fast jeder Fünfte (17 Prozent) hat aufgrund seiner Tätigkeit regelmäßig gesundheitliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Nacken- oder Kopfschmerzen. 16 Prozent berichten, dass sie oft Überstunden machen müssen, um ihr Arbeitspensum zu schaffen. Durch permanente Erreichbarkeit fühlen sich 15 Prozent der Beschäftigten gestresst. Ebenso viele geben an, dass sie sogar im Urlaub und am Wochenende nur schwer vom Job abschalten können. Auch die Digitalisierung sorgt für Stress: 14 Prozent der Angestellten haben das Gefühl, auch außerhalb der Arbeitszeit per Handy oder E-Mail erreichbar sein zu müssen. Zwölf Prozent sagen, dass sie von ihrem Vorgesetzten oft unter Druck gesetzt werden. Neun Prozent der Berufstätigen haben manchmal sogar regelrecht Angst vor dem Arbeitstag. Weniger als die Hälfte (43 Prozent) aller Befragten gibt an, von all den Stressfaktoren und Symptomen nichts zu spüren.

Neue Arbeitskultur ist der Gesundheit nicht förderlich

Offenbar ist es vor allem auch die Arbeitskultur – ob eine zu hohe Arbeitsmenge oder Zeitdruck – , die viele Mitarbeiter unter Stress setzt. Psychische Leiden wie Depressionen oder Burn-out können die Folge sein.Tatsächlich fallen immer mehr Arbeitnehmer hierzulande aufgrund seelischer Erkrankungen aus: 2017 wurden laut einem Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) 107 Millionen Krankheitstage registriert, doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor.

Agile und digitale Trends ermöglichen mehr Home Office und verwischen die Grenze zwischen Freizeit und Arbeitszeit,

kommentiert Frits Scholte, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland, die Befragungsergebnisse. Diese Flexibilität sei positiv für die Mitarbeiter, bedeute aber auch eine erhöhte Erreichbarkeit. Klare Regeln wie digitale Auszeiten könnten helfen, dass sich die Arbeitnehmer in Urlaub und Freizeit besser erholen können.

Rund jeder Siebte hat seine Arbeitszeit reduziert, um weniger belastet zu sein

Drei Viertel der Studienteilnehmer (76 Prozent) geben an, dass sie aktiv etwas für eine bessere Work Life Balance tun. Eine aktive Freizeitplanung als Ausgleich zum Job ist dabei der am häufigsten gewählte Weg: Fast jeder Zweite (46 Prozent) treibt Sport oder geht anderen Hobbys nach. Jeder Vierte (25 Prozent) macht zuhause oder im Urlaub bewusst das Handy aus, um nicht erreichbar zu sein. Gut jeder fünfte Berufstätige (22 Prozent) versucht, sich schon während der Arbeitszeit Freiräume zu schaffen. Fast genauso viele (21 Prozent) sagen, dass sie nach Feierabend oft anstrengende und anspruchsvolle Tätigkeiten vermeiden. Um ein ausgeglicheneres Verhältnis zwischen Job und Freizeit zu erzielen und den Stresspegel zu senken, haben 15 Prozent ihre Arbeitszeit reduziert, arbeiten zum Beispiel nur vier Tage die Woche und nehmen dafür Gehaltseinbußen in Kauf. Sieben Prozent machen Anti-Stress-Kurse oder eine Kur, um weniger belastet zu sein oder sich vom Job zu erholen. Circa jeder Vierte (24 Prozent) unternimmt nichts, um für mehr Ausgewogenheit zwischen Beruf und Freizeit zu sorgen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.