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Männlich, Partnerin an der Seite, zwei Kinder

Unter der Woche kümmern sich Führungskräfte nur wenig um ihre Kinder.
Zeit für die Kinder haben Manager zumeist nur am Wochenende.
Foto: © JenkoAtaman/Fotolia.de

Hierzulande sind 91 Prozent der Führungskräfte männlich. Rund zwei Drittel aller Manager (64 Prozent) sind 40 bis 49 Jahre alt, fast alle (96 Prozent) haben einen Hochschulabschluss oder weiterführendem Abschluss und knapp jeder zweite (48 Prozent) arbeitet 50 bis 59 Stunden pro Woche. Der Großteil der Führungskräfte (93 Prozent) ist verheiratet oder lebt ohne Trauschein mit dem Partner/der Partnerin zusammen. In knapp drei Viertel der Fälle (73 Prozent) sind die Partner auch berufstätig. Außerdem hat rund jeder zweite typische Manager (52 Prozent) zwei Kinder.

Zeit für die Kinder vor allem am Wochenende

47 Prozent der Führungskräfte verbringen unter der Woche fünf bis zehn Stunden mit ihren Kindern, unter fünf Stunden sind es bei 42 Prozent und über zehn Stunden bei lediglich elf Prozent. Die Partner oder Partnerinnen der Führungskräfte verbringen von Montag bis Freitag mehr Zeit mit den Kindern als die Manager selbst. Am Wochenende verbringen immerhin 76 Prozent der Führungskräfte mehr als zehn Stunden mit ihren Kindern, 28 Prozent sogar mehr als 20 Stunden. Das sind Ergebnisse der Studie “Arbeit und Familie – Lebensmuster von Führungskräften” von Prof. Dr. Regine Graml, Professorin für Betriebswirtschaft, Personalmanagement und Organisation am Fachbereich Wirtschaft und Recht der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS). Die Untersuchung wurde im Rahmen des Executive Panels von Odgers & Berndtson durchgeführt. Befragt wurden 177 Führungskräfte mit Kindern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. 70 Prozent der Teilnehmer gehören der obersten Leitungsebene oder der Bereichsleitung an.

Die im Rahmen der Studie befragten weiblichen Führungskräfte verbringen unter der Woche knapp drei Stunden mehr Zeit mit ihren Kindern als die befragten Männer, unabhängig von Alter, Qualifikation und Position. Da jedoch weniger Frauen befragt wurden, sei die Aussagekraft dieses Ergebnisses begrenzt, so Prof. Graml. Dennoch könne das zeitliche Engagement der weiblichen Führungskräfte für ihre Kinder ein Hinweis auf die typische Doppelbelastung der Frauen sein.

Familienorganisation und Kindererziehung meist Sache der Partnerin

Die Betreuung der Kinder außerhalb der Zeit, in der sie Kinder von Kitas, Schulen oder anderen Dienstleistern beaufsichtigt werden, übernehmen bei den befragten Führungskräften überwiegend die Partner/Partnerinnen, die meist ebenfalls sehr gut qualifiziert ist. Arbeiten die Partner/Partnerinnen in Vollzeit, übernehmen häufiger auch die Führungskräfte die Kinderbetreuung. 69 Prozent der arbeitenden Partner/Partnerinnen haben allerdings einen Teilzeitjob. Die Familienorganisation übernehmen in der Mehrheit (79 Prozent) überwiegend oder ausschließlich die Partner/Partnerinnen. Nur 17 Prozent teilen sich die Arbeit und lediglich vier Prozent der Führungskräfte gaben an, dass sie allein dafür zuständig sind. Haus- und Gartenpflege dagegen wird überwiegend von den Befragten selbst (64 Prozent) wahrgenommen. Die Kindererziehung führen 59 Prozent zu gleichen Teilen durch, in 40 Prozent ist jedoch ausschließlich der Partner/die Partnerin zuständig.

Manager mit Kindern im Job beflügelt, in Work Life Balance aber eingeschränkt

Die Befragung zeigt, dass zwei Drittel der Befragten mit ihrer Lebensbalance hinsichtlich Beruf und Familie zufrieden oder sehr zufrieden sind. Fast drei Viertel (73 Prozent) fühlen sich durch ihr Familienleben in ihrer Arbeit beflügelt. Begünstigende Faktoren dafür sind Selbstbestimmung und die Flexibilität des Partners/der Partnerin. Dennoch empfinden drei von vier Führungskräften, dass die Arbeit das Privatleben beeinträchtigt: Besonders negativ für die Work Life Balance werden ein hohes Arbeitspensum und Geschäftsreisen wahrgenommen.

Mitarbeiterinnen mit Kindern gelten als leistungsstark, aber weniger karriereorientiert

Obwohl die befragten Führungskräfte selbst durch die Familie im Hintergrund für die Arbeit gestärkt und beflügelt werden, gestehen sie ihren Mitarbeitern mit Kindern, vor allem Frauen, dies nicht zu. 46 Prozent halten das Karrierestreben von Müttern für geringer als das von anderen Mitarbeitern. Nur 37 Prozent sehen keinen Unterschied. Dabei bewerten die Befragten die Arbeitsleistung (82 Prozent) von Müttern, ihr Commitment (79 Prozent) und ihre Zuverlässigkeit (81 Prozent) mindestens genauso hoch wie bei anderen Beschäftigten. Zehn Prozent der Führungskräfte schätzen die Arbeitsleistung berufstätiger Frauen sogar höher ein.

Führungskräfte in Teilzeit kaum vorstellbar

Mitarbeitern in Teilzeit – ob mit oder oder Kinder – schreiben 67 Prozent der Führungskräfte ein geringeres Karrierestreben im Vergleich zu anderen Mitarbeitern zu. Dabei bewerten 83 Prozent die Arbeitsleistung von Teilzeitmitarbeitern mindestens genauso hoch wie bei Vollzeitbeschäftigten. Ähnliches gilt für das Commitment (84 Prozent) und die Zuverlässigkeit (87 Prozent). 30 Prozent der Führungskräfte schätzen die Arbeitsleistung von Teilzeitmitarbeitern sogar höher ein. Diese widersprüchlichen Aussagen weisen laut Graml darauf hin, dass für Führungskräfte Karriere in Teilzeit nicht oder kaum vorstellbar ist.