Aktuelle Ausgabe neu

Newsletter

Abonnieren

Restrukturierung: HR spricht selten strategisch mit  

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Zahlreiche Unternehmen befinden sich aktuell in Restrukturierungen. Nun legt eine aktuelle Studie nahe, dass dabei HR-Verantwortliche nur selten strategisch mitsprechen. Vielmehr bleibt es ihnen überlassen, nach einer ohne sie festgelegten Strategie die Restrukturierung operativ umzusetzen. Das zeigt die Benchmark-Studie Restrukturierungen 2026 der DGFP, für die 254 Unternehmen zwischen September und November 2025 anonym befragt wurden. Teilgenommen haben dabei Personen aus dem C-Level, dem mittleren Management und aus der Mitarbeiterebene.  

Die operative Exzellenz und ihre Grenzen 

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 85 Prozent der befragten Unternehmen setzen HR als Umsetzer für die Restrukturierung ein, 72 Prozent für die Konzeption von Trennungsprozessen, 66 Prozent als Verhandlungspartner für Betriebsräte. Doch nur bei 33 Prozent ist die Personalabteilung an der Gestaltung der Zielorganisation beteiligt.  

Diese Rollenverteilung hat System. Kai Helfritz, Leiter Mitglieder und Kooperationen bei der DGFP, erklärt : „In der Praxis werden Restrukturierungen häufig unter hohem Zeit- und Ergebnisdruck zunächst auf Zielbilder für Struktur, Kosten und Governance vorbereitet. HR wird oft dann eingebunden, wenn diese Leitplanken bereits definiert sind und eine schnelle Umsetzung erforderlich ist.“  

Dabei geht es um mehr als um Kostensenkung im Sprint. Restrukturierungen müssen laut Felicitas von Kyaw, Change-Beraterin und ehemalige CHRO, mit Respekt und Weitsicht gestaltet werden, um erfolgreich zu sein. Denn viele Unternehmen stehen unter Margendruck und leiden zugleich unter komplexen Strukturen, die Geschwindigkeit und Agilität hemmen. Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge empfinden über 60 Prozent der Unternehmen ihre Organisationsstrukturen als zu starr, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Dabei sollten weder Geschäftsführung, Führungskräfte und HR die Restrukturierung als eine Solo-Mission sehen, führt von Kyaw weiter aus, sondern als Teamaufgabe.  

HR muss Restrukturierungen strategisch mitgestalten 

Der Bundesverband der Personalmanager*innen (BPM) plädiert dafür, HR bei Restrukturierungen deutlich enger einzubinden. HR darf dabei nicht nur als operative Umsetzerin agieren, sondern muss als strategische Gestalterin der Transformation mitgestalten können, hebt der Verband in seinen HR-Thesen für 2026 hervor. Der BPM verweist darauf, dass die Krise längst nicht mehr einzelne Branchen betrifft, sondern in weiten Teilen der Volkswirtschaft „universell“ wirkt. Umso problematischer sei, dass sich die Personalfunktion vielerorts weiterhin als Verwalterin eines gut geplanten Wandels von A nach B verstehe. 

Aus Sicht des BPM greift dieses Selbstverständnis zu kurz: Veränderung sei keine Projektaufgabe, die man freundlich moderierend „begleitet“, sondern eine harte Währung und integraler Bestandteil von Führung. Wer echte Veränderungskompetenz und zukunftsorientierte Restrukturierung mit reiner Prozessmoderation und der Verhandlung von Sozialplänen verwechsle, laufe Gefahr, den eigenen Bedeutungsverlust gleich mitzuorganisieren. 

Schnellere Umsetzung bei früher Einbindung 

Dabei belegt auch die Studie der DGFP einen messbaren Zusammenhang zwischen der strategischen Einbindung von HR und dem finanziellen Erfolg als Ergebnis der Restrukturierung: Wo HR frühzeitig eingebunden ist, verlaufen Restrukturierungen schneller und reibungsloser. Die strategische Beteiligung von HR steigert die Umsetzungszufriedenheit um 16 Prozent. Kürzere Planungsphasen unter sechs Monaten führen zu 111 Prozent höherer Zufriedenheit, kürzere Umsetzungsphasen zu 48 Prozent mehr Zufriedenheit. Und Unternehmen mit hoher Umsetzungszufriedenheit erreichen ihre finanziellen Ziele um 193 Prozentpunkte häufiger. 

Unabhängig davon, ob HR in die Strategieentwicklung inkludiert wird oder nicht, erreichen durch eine Restrukturierung 85 Prozent der Unternehmen ihre finanziellen Ziele. Auffällig ist allerdings, dass in der Mehrzahl der Fälle die Unternehmenskultur nachhaltig leidet. Bei 20 Prozent hat sich die Stimmung auch nach längerer Zeit nicht erholt. Nur 57 Prozent der Unternehmen berichten von stabilen oder verbesserten Arbeitgebermarkenbewertungen. Ob sich das ändert, wenn HR strategischer eingebunden würde, scheint wahrscheinlich.

Justin Geschwill ist Volontär der Personalwirtschaft.