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Round Table HR-Outsourcing: Die Zukunft des Unternehmens mitgestalten

Eine Hand hält mehrere Strichmännchen in der Hand
Der Mangel an Fachkräften spielt für die gut laufenden Geschäfte der HR-Outsourcer ebenso eine Rolle wie eine fortschreitende Prozessautomatisierung. Foto: © natali_mis / stock.adobe.com

Die Geschäfte von Unternehmen, die Dienstleistungen und Beratungen rund um das Thema HR-Outsourcing anbieten, blühen. Der Grund für den Boom ist weniger Corona, sondern eine ganze Reihe von Parametern. Der Mangel an Fachkräften spielt dabei ebenso eine Rolle wie eine fortschreitende Prozessautomatisierung, die Digitalisierung sowie die Notwendigkeit, flexibler auf den Wandel reagieren zu können.

Allerdings war die Pandemie für viele Unternehmen so etwas wie ein Weckruf, der ihnen ihre bisherigen digitalen Defizite vor Augen führte und gleichzeitig daran erinnert, dass die konstante Veränderungsdruck eine mächtige und dauerhafte Triebfeder für unternehmerisches Handeln sein muss. Wer in der digitalen Transformation schon etwas weiter war und ist, der konnte indessen entspannter mit der Pandemie umgehen.

Freiräume schaffen

Kostendruck und der zunehmende Wunsch, Prozesse an jeder möglichen Stelle zu optimieren, zeigen seit Längerem klar in Richtung Outsourcing. Vielen Unternehmen geht es dabei auch darum, sich von bestimmten Aufgaben, beispielsweise im Recruiting, in der Payroll und anderen HR-Bereichen von den schwerpunktmäßig eher administrativen Aktivitäten zu befreien. Selbst komplette HR-Leistungspakete werden heute mehr als früher an externe Dienstleister herausgegeben.

Lights-Out-Manufacturing

An dem speziell in Deutschland komplexen Thema Entgeltabrechnung, die seit Langem gerne an externe Dienstleister herausgegeben wird, lässt sich erkennen, wie viel Prozessautomatisierung grundsätzlich bereits umsetzbar ist und wie sich die Rolle des Mitarbeiters in diesen Prozessen verändert. Es wurde diskutiert, inwiefern es überhaupt möglich und auch wünschenswert ist, alle HR Prozesse im Unternehmen so weit zu automatisieren, dass der Mensch möglicherweise keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle nach der digitalen Transformation spielen wird. Das Fazit der Teilnehmer: es wird noch lange dauern, bis beispielsweise eine Entgeltabrechnung auf Knopfdruck fehlerfrei und ohne menschliche Kontrolle durchläuft.

Rollenwandel oder das Ende von HR?

Seit Jahren tauchen immer wieder Grundsatzdiskussionen um die Zukunft von HR auf. Einfach, weil andere Abteilungen Teilbereiche der HR-Aufgaben übernehmen und ebenfalls in der Lage sind, die People Agenda im Unternehmen mit Inhalten zu füllen und voranzutreiben. Dabei ist vor allem der Ruf nach Kulturwandel, der den Mitarbeiter vielmehr in den Mittelpunkt stellt und ihm mehr Eigenständigkeit, vor allem aber ein positiveres Erleben seiner Aufgaben im Unternehmen ermöglicht, unüberhörbar. In einigen Think Tanks und auch Unternehmen tauchen daher für das veränderte HR Aufgabenspektrum Begriffe wie Feelgood Manager oder auch Chief People Officer auf, die andeuten, wie sich die Prioritäten im Umgang mit HR und mit den Mitarbeitern verändern. Dennoch sollte bei der Diskussion um Veränderung und Kulturwandel auch dem Doing, der “Kerner-Arbeit”, die den Unternehmen die betriebswirtschaftlichen Basisdaten und Erkenntnisse liefert, die gleiche Priorität eingeräumt werden.

Cloud, KI & Co als Transformationsbasis

Selbstverständlich spielen neue Technologien für den Wandel und die digitale Transformation der Unternehmen eine tragende Rolle. Ohne Cloud, KI, Apps & Co wäre es überhaupt nicht möglich, die erforderlichen Veränderungen in Gang zu setzen und den Takt weiter zu erhöhen. Intelligente Add-Ons und Apps sind die neuen Schmierstoffe, die die Unternehmen in die Zukunft begleiten.

Je nach Outsourcing-Schwerpunkt, beispielsweise im RPO (Recruitment Process Outsourcing), fehlen indessen vereinzelt immer noch geeignete Tools, um die individuellen Anforderungen der Outsourcer zu bündeln. Basis für das Einläuten der Flexibilisierung und des digitalen Wandels ist eine Technologie, die lange Zeit in HR als absolutes “No-Go” galt: die Cloud in ihren unterschiedlichen Varianten. Heute ist sie für die allermeisten Personalabteilungen kein Tabu mehr. Sogar in einstigen On-premise-Festungen wie der Sozialwirtschaft bröckelt der Widerstand gegen die Cloud. Während das Thema Entgeltabrechnung in der Cloud hierzulande traditionell etwas schwieriger ist, haben sich Learning Management und Recruiting hier bereits stärker etablieren können. In international operierenden Unternehmen hat die Cloud im Personalwesen schon lange ihren festen Platz gefunden.

Fachkräftemangel spitzt sich zu

Ein Bereich macht allen, Unternehmenskunden wie Outsourcern, zunehmend zu schaffen: der Fachkräftemangel. Typischstes Beispiel sind die Entgeltabrechner, die oft aus Altersgründen ausscheiden. Nachfolger sind meist nicht in Sicht. Nicht zuletzt aus dieser Not heraus ist das ein wichtiges Geschäftsfeld für viele HR-Outsourcer. Zwar können die diesen speziellen Fachkräftebedarf bisher noch bedienen, doch der Mangel drängt auch in anderen Bereichen, beispielsweise im Sourcing, Training, Management Consulting und in allen nur denkbaren Bereichen im IT-Umfeld. Heißt: auch Outsourcer müssen sich stärker als bisher engagieren, die benötigten Fachkräfte zu rekrutieren. Auch bei ihnen kommen Personalberater immer häufiger für die Rekrutierung von Fachkräften zum Einsatz. Darüber hinaus steigt der Beratungsbedarf der Kunden, sodass Outsourcer gezwungen sind, ihre Mitarbeitenden weiterzubilden und deren Qualifikationsprofile anzupassen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Einstiegswissen der Mitarbeitenden in diesem Umfeld heute erheblich geringer ist als noch vor einigen Jahren.

+++ Dieser Beitrag ist zuerst in unserer November-Ausgabe erscheinen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen. +++

Bilderstrecke:

Outsourcing erlebt einen wahren Boom – und die Corona-Pandemie ist nur ein Grund dafür.

Ulli Pesch ist freier Journalist und schreibt regelmäßig über das Thema HR-Software in der Personalwirtschaft.