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Lebensläufe in HR: „Der Mensch ist bequem und meidet den Schmerz“

Lebenslauf von Sebastian Lesch

Gibt es auf Ihrem beruflichen Weg einen Mentor? 

Im Rahmen meines ersten Praktikums zu Studienzeiten habe ich eine Beraterin kennen- und schätzen gelernt, mit der ich seitdem in Kontakt stehe. Der Austausch ist immer differenziert und sehr kreativ.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven umschreiben? 

Zielstrebig, mannigfaltig, konsequent

Sie haben auch klinische Psychologie studiert. Inwieweit hilft Ihnen das in Ihrer Arbeit? 

Mir hilft natürlich mein Wissen zu Depressionen oder auch Burn-out sehr im Bereich betriebliches Gesundheitsmanagement, betriebliches Eingliederungsmanagement oder auch im Umgang mit Extremfällen in der Führungskräfteentwicklung beziehungsweise im Coaching.

Welche zentralen Lehren aus Ausbildung und Studium haben Ihnen im Berufsleben wirklich weitergeholfen? 

Die Psychologie bietet sehr viele praxisorientierte Ansätze in der Organisations- und Personalentwicklung, auch wenn ich dafür häufiger skeptische Blicke erhalte. So lautet für mich ein wenn auch provokativer Leitsatz: Der Mensch ist bequem und meidet den Schmerz. Daraus lässt sich viel ableiten und für Gestaltung nutzen.

2011 haben Sie über die Irrungen und Wirrungen im Management geschrieben. Hat sich seitdem etwas getan? Welche Psychoblasen erkennen Sie im Jahre 2018 im Bereich HR?

Der Umgang mit Digitalisierung! Agiles oder digitales Führen sind beispielhafte Produkte, die daraus entstanden sind. Häufig erhalte ich auf Nachfrage fragwürdige Konzepte, die oft auch nur auf bekannten Konzepten beruhen. Agile oder offene Raumkonzepte sind eine weitere Blase für mich. Der Mensch ist ein soziales Wesen, auch in der digitalen Welt. Er sucht Vertrautheit, Nähe und Orientierung. Das Gute ist, dass einige Unternehmen daraus bereits gelernt haben und einen besseren Mix finden.

Was war Ihre prägendste Station und warum?

Der Wechsel vom Personalentwickler zum Unternehmensentwickler. Das hat mein Rollenverständnis am stärksten innerhalb kürzester Zeit verändert und meinen Gestaltungsspielraum ebenso. Perspektivwechsel und Analysefähigkeit sind wesentlich anspruchsvoller, aber auch spannender.

Dieser Wechsel fand bei der Siemens-Betriebskrankenkasse statt. Welchen Unterschied macht es in der täglichen Praxis, wenn beide Bereiche in einer Hand liegen?

Der Vorteil ist, dass man die Abhängigkeit von Menschen, Prozessen und Strukturen besser aufeinander abstimmen kann. Entscheidungsträger können dabei nicht nur dafür sensibilisiert, sondern auch zu einem bewussteren Umgang mit diesen Bereichen angeregt werden. Aktuelle Anforderungen an agile oder selbststeuernde Organisationen lassen sich so ebenfalls besser gestalten.

Gab es Irrwege oder Sackgassen, in die Sie geraten sind?

Richtige Sackgassen zum Glück nicht, aber nicht immer haben die Rahmenbedingungen gestimmt, sodass ich meine Konsequenzen daraus gezogen habe.

Welcher berufliche Wechsel war am bedeutsamsten für Ihre Karriere?

Der letzte Wechsel zu Apollo-Optik. Zum einen, weil ich dort eine größere Abteilung mit einer eigenen Führungsebene habe. Zum anderen aber auch weil es beweist, dass man sich sehr schnell auf eine neue Branche und deren Anforderungen einstellen kann. Zuletzt kann ich auf internationaler Ebene mit Kollegen zusammenarbeiten.

Welche Vision trägt Sie in Ihrer Arbeit – und persönlich?

Ergebnis- und Mitarbeiterorientierung sind kein Widerspruch. Ich habe viele Unternehmen kennenlernen dürfen, die mehr oder weniger aus einem der beiden Pole kommend sich auf den anderen Pol zubewegen wollen. Die Kunst ist es, diese Balance für eine neue Unternehmenskultur zu definieren und mit der gesamten Führungsmannschaft konsequent zu gestalten.