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So bringen Sie mehr Gelassenheit in den Arbeitsalltag

HR-Werkstatt zu Achtsamkeit

Frage an die HR-Werkstatt: “Wie können Arbeitgeber ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, Achtsamkeit in den Berufsalltag zu integrieren?”

Es antwortet: Fabian Neuen, Leiter Operations bei Hansefit.

Arbeitnehmer müssen mit steigendem Druck umgehen

Die Arbeitswelt verändert sich kontinuierlich. Insbesondere die Digitalisierung und weitere neue Technologien sowie ein stetig wachsender Informationsfluss tragen dazu bei. Zahlreiche Kommunikations-Tools bringen im (Arbeits-)Alltag auf der einen Seite zwar Erleichterungen, führen aber andererseits auch dazu, dass das Tempo in der Berufswelt immer schneller wird. Die ständige Erreichbarkeit lässt viele Arbeitnehmer und auch Führungskräfte ein Gefühl von Überforderung verspüren. Ein Fünftel aller Fehltage von Arbeitnehmern sind mittlerweile auf psychische Erkrankungen zurückzuführen, seit 2011 haben Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wegen Stresses und psychischer Belastungen kontinuierlich zugenommen. Frauen sind hierbei mit etwa 60 Millionen Krankentagen stärker betroffen als Männer mit unter 40 Millionen.

Die Verbreitung des Corona-Virus und die damit einhergehenden Veränderungen stellen in vielen Haushalten eine zusätzliche Belastung dar: Homeoffice lässt die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen, Kinder werden nicht oder nur zeitweise in Kita oder Schule betreut, Sorge um die eigene Jobsituation schürt Ängste.

Achtsamkeit führt zu einem ausgeglichenem Lebensstil

Mit einem Mehr an Achtsamkeit kann man dem Hamsterrad aus Gewohnheiten und Mustern entfliehen. Dabei hat sich Achtsamkeit – auch Mindfulness – als bewährte Methode etabliert und ist wissenschaftlich anerkannt. Achtsamkeit hilft, einen bestimmten Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustand zu erreichen. Ziel ist es zum Beispiel mit Meditation, Yoga, Atemübungen oder auch einer ausgewogenen Ernährung die Aufmerksamkeit auf das zu legen, was man gerade denkt, tut und fühlt und sich selbst und die Umgebung genau zu beobachten. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Achtsamkeit die psychische Gesundheit und Stressresilienz fördert sowie die Konzentration und Geduld steigert.

Arbeitgeber müssen psychische und physische Leistungsfähigkeit im Blick haben

Für Arbeitgeber kann die Förderung von Achtsamkeit ein großer Gewinn sein. Denn neben körperlicher Fitness führt mentales Wohlbefinden zu einer rundum gesunden Lebensweise und somit auch zu produktiven Arbeitnehmern. Daher sollten Arbeitgeber auf die psychische und physische Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter achten. Die nachfolgenden fünf Tipps helfen dabei:

1. Achtsamkeit als Unternehmenswert etablieren

Unternehmenswerte helfen einerseits die Unternehmenskultur mitzugestalten und geben andererseits den Mitarbeitern intern eine Orientierung für das tägliche Handeln. Besonders in wirtschaftlich unruhigen Zeiten wie der Corona-Krise dienen sie als Leitlinie. Achtsamkeit hat sich als Methode in den vergangenen Jahren etabliert und ist einer breiten Öffentlichkeit ein Begriff. Jetzt ist die Zeit, Achtsamkeit auch als Unternehmenswert zu verankern, um sich Arbeitsgeber klar zu dieser Lebensweise zu positionieren: Kommen Sie mit Ihren Mitarbeitern zu dem Thema ins Gespräch. Setzen Sie sich mit dem Thema im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements auseinander. Und versuchen Sie, Schritt für Schritt, Übungen, die Achtsamkeit fördern, im Arbeitsalltag zu integrieren.

2. Achtsamkeit im Arbeitsalltag integriere und vorleben

Unternehmenswerte müssen allerdings auch (vor-)gelebt werden. Eine Übersetzung in den Arbeitsalltag ist daher notwendig: Herangehensweisen wie die “Fokus-Pause-Methode” oder die “Stillen Stunden” werden mittlerweile von großen Unternehmen eingesetzt – mit Erfolg. Daher sollten Sie sich als Arbeitgeber konkret mit dem Thema auseinandersetzen. Und das beginnt mit einfachen Fragestellungen: Haben Sie sich schon mal bewusst mit der Qualität der Pausen Ihrer Mitarbeiter auseinandergesetzt? Gibt es räumliche Gegebenheiten wie Ruhe- und Stillarbeitsräume? Wissen Sie, wann Ihre Mitarbeiter Stress verspüren? Stellen Sie sicher, dass der Wert auf allen Ebenen gelebt wird und gehen Sie auf Widersprüche aktiv ein. Die Haltung von Führungskräften kann dabei entscheidend sein.

3. Meditationssitzungen, Yoga-, Fitness- oder Ernährungskurse anbieten

Vor allem in diesen stressigen Zeiten tendiert der Mensch dazu, ausgleichende Aktivitäten zu vernachlässigen – also genau dann, wenn ein Erholungseffekt am dringendsten nötig wäre. Achtsamkeitsübungen, zum Beispiel in Form von Meditation, Yoga- oder Sportkursen sowie bewusster Ernährung, können einen Teil dieses nötigen Ausgleichs liefern. Klassischerweise handelt es sich dabei oftmals um ein Offline-Angebot. Doch der Trend geht auch hier zur digitalen Lösung – beschleunigt durch die Corona-Krise. Firmenfitness-Anbieter ermöglichen Unternehmen und ihren Angestellten die regelmäßige Teilnahme an gesundheitsfördernden Aktivitäten und bieten inzwischen auch spezielle digitale Achtsamkeitsangebote an. So können die Programme nicht nur außerhalb der Arbeitszeiten, sondern ebenso via App auch direkt am Arbeitsplatz oder im Homeoffice genutzt werden.

4. Flexibles Arbeiten fördern

Geben Sie Möglichkeiten für flexibles Arbeiten und gehen Sie auf Gewohnheiten ein. Achtsamkeitsübungen lassen sich hervorragend in den Alltag integrieren – ganz gleich, ob im Büro oder im Homeoffice. Bedenken von Führungskräften, dass die Arbeit im Homeoffice weniger gewissenhaft erledigt werden könnte, haben sich spätestens seit der Corona-Krise erübrigt. Denn seit der Ausnahmesituation arbeiten mehr Menschen als je zuvor von zu Hause aus und es wird deutlich: Es läuft trotzdem, Homeoffice funktioniert. Einen Tag Homeoffice pro Woche auch in Zukunft beizubehalten, bringt Mitarbeitern einen Tapetenwechsel und gibt Raum für neue Denkanstöße. Lerchen arbeiten lieber frühmorgens, Eulen eher auch mal später am Abend. Mit Ihrer Flexibilität reduzieren Sie mögliche Stressfaktoren.

5. Achtsamkeits-Experten einladen

Vorträge, Schulungen und Coachings von Experten helfen dabei, den Mitarbeitern die Bedeutung von Achtsamkeit zu vermitteln und sie für die Thematik zu sensibilisieren. Der professionelle Blick von außen verleiht dem Wert mehr Glaubwürdigkeit. Sie bringen der Belegschaft im Rahmen solcher Einheiten zahlreiche Möglichkeiten für Achtsamkeitsübungen näher, die sie anschließend ganz unkompliziert im Arbeitsalltag anwenden können. Auch hier kann die Anwesenheit des Managements vieles zur Haltung gegenüber Achtsamkeit beitragen.

Als letzten und vielleicht wichtigsten Tipp gilt zu beachten, Achtsamkeit nicht mit Zwang zu implementieren oder als Challenge auszurufen. Aktionen wie “Achtsamkeits-Wochen” üben mehr Druck aus, als dass sie nutzen. Achtsamkeit ist mit einer sehr individuellen Herangehensweise verbunden. Arbeitgeber können aber mit den genannten Tipps einen wertvollen Rahmen setzen und so dazu beitragen, dass ihre Mitarbeiter körperlich und geistig fit und somit ausgeglichen und leistungsstark sind.

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