Studie warnt: Zu viele KI-Tools führen zu Burnout – HR besonders gefährdet

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Das Angebot an KI-Tools wächst stetig, genau wie die Einsatzmöglichkeiten. Auch am Arbeitsplatz. Eine neue Studie zeigt nun, dass im HR-Bereich 19,3 Prozent der Mitarbeitenden unter KI-induziertem „Brain Fry“ leiden, insbesondere wenn drei oder mehr KI-Tools parallel verwendet werden. „AI Brain Fry“ bezeichnet ein von Forschern der Boston Consulting Group untersuchtes Erschöpfungsphänomen. Die Symptome sind Kopfschmerzen, mentaler Nebel und langsamere Entscheidungsfindung. Für die Studie wurden branchenübergreifend 1.488 Vollzeitbeschäftigte aus großen US-Unternehmen befragt. Zentraler Befund: Ab drei parallel genutzten Tools sinkt laut den Autoren die Produktivität – gleichzeitig steigt das Risiko mentaler Überlastung.

HR besonders gefährdet

Von den 1.488 Befragten gaben insgesamt 14 Prozent an, dass sie „AI Brain Fry“ während der Arbeit erleben. Am stärksten betroffen, mit 25,9 Prozent, ist die Marketingbranche. Danach folgt das Personalwesen mit 19,3 Prozent. Operations liegt mit 18 Prozent auf Platz drei.

Die Forscher sehen in dieser Entwicklung erst den Anfang. Denn die Arbeitsweise vieler Menschen werde sich mit der steigenden Verwendung unterschiedlicher KI-Tools weiter verändern. Künftig wird die Arbeit vieler Menschen das Prüfen von Prompts beinhalten. Auch das Verifizieren von Ergebnissen werde immer relevanter. Auf den ersten Blick schafft die zunächst erhöhte Produktivität mehr Raum für weitere Aufgaben. Doch auch wenn die Aufgaben mithilfe der KI leichter zu bearbeiten sind, führt der immer größer werdende Aufgabenberg zu einer kognitiven Überladung.

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Wo Produktivität an ihre Grenzen kommt

Grundsätzlich können KI-Tools nachweislich die Produktivität von Mitarbeitenden steigern. Die aktuelle Studie liefert jedoch Anzeichen für ein mögliches Limit. Eine Haupterkenntnis der Studie ist, dass das parallele Verwenden von drei und mehr KI-Tools die kritische Grenze bildet, wo Produktivität nachlässt und das Risiko für Erschöpfung steigt. Matthew Kropp, einer der Hauptautoren und Managing Director and Senior Partner bei der Boston Consulting Group, teilte dem Business Insider mit, dass er die Studie als eine Art Frühwarnsystem sehe. In der Studie heißt es: „Unternehmen setzen Anreize für Mitarbeiter, komplexe Agententeams aufzubauen und zu leiten.“ Die Folgen davon seien jedoch konträr. „Entgegen dem Versprechen, mehr Zeit für sinnvolle Arbeit zu haben, können das Jonglieren und Multitasking zu prägenden Merkmalen der Arbeit mit KI werden.“

Demnach sollten Unternehmen Richtlinien etablieren, die die Mitarbeitenden bei dem Einsatz von KI vor digitaler Überlastung schützen. Denn der Druck, KI ähnlich umfangreich und professionell einzusetzen wie Agenten-Ingenieure, führe viele Beschäftigte an ihre kognitiven Grenzen. Die Autoren der Studie plädieren dafür, dass Aufgaben, Arbeitsprozesse und Werkzeuge ganzheitlich neugestaltet werden, um den verantwortungsvollen Umgang mit KI zu stärken. Daher empfehlen sie, klare Erwartungen an KI und Arbeitsbelastung zu definieren. Unternehmen sollten zudem Kompetenzen für den Umgang mit KI-Arbeitsbelastung entwickeln und menschliche Aufmerksamkeit strategisch als begrenzte Ressource einsetzen.

Tonia Schöler ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.