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Vodafone siegt in knappem Finale

Glückliche Gewinner: Das Team von Vodafone, eingerahmt von Herausgeber Jürgen Scholl (l.) und Chefredakteur Erwin Stickling (r.); alle Bilder: © Stefan Wernz
Glückliche Gewinner: Das Team von Vodafone, eingerahmt von Herausgeber Jürgen Scholl (l.) und Chefredakteur Erwin Stickling (r.); alle Bilder: © Stefan Wernz

Einen Sonderpreis erhielt das Projekt “Augenhöhe”.

Die Preisverleihung erfolgte beim abendlichen HR SKYdinner am zweiten Messetag der “Zukunft Personal 2015”. Auf der Veranstaltung im Köln Sky präsentierten die Gewinner ihre Konzepte in zehnminütigen Vorträgen, die sich in Form und Unterhaltungswert an die bekannten ›Ted Talks anlehnten. Anschließend wurde der Sieger des Deutschen Personalwirtschaftspreises erstmals per Publikumsentscheid gekürt. Die Jury hatte lediglich die Vorauswahl der drei Finalisten getroffen. Mit einem knappen Vorsprung von vier Stimmen sicherte Vodafone sich schließlich den ersten Platz.

Raus aus der Box

Das Düsseldorfer Unternehmen beeindruckte vor allem durch seinen Mut, sich bei der Veränderung der Führungskultur auf unkonventionelle Wege zu begeben. Um eingefahrene Muster aufzubrechen, nahmen rund 450 Führungskräfte an einer Leadership Journey teil, die jede Menge verstörende Momente bereit hielt. Zu Beginn der Workshops waren zum Beispiel keine Moderatoren anwesend. Lediglich eine Fahne mit dem Firmenlogo und mysteriöse rote Boxen befanden sich im Raum. Später stellte sich heraus, dass sich hinter einigen der Boxen echte Kunden versteckten. Nachdem die Führungskräfte nur miteinander über die Kundenbedürfnisse gesprochen hatten, wurden sie nach dem Umdrehen der Boxen auf einmal mit der Realität konfrontiert.

Durch die ungewöhnliche Herangehensweise wurde bald klar, worum es hier und generell im Unternehmen geht: Sich in einer komplexen, unsicheren Umgebung zu orientieren und gemeinsam ein neues Verständnis von Führung zum Leben zu erwecken. Das gelang dem Unternehmen zunächst auch. “Doch dann kam etwas dazwischen: der Markt”, wie Katrin Jacke, Head of Leadership, Talent & Engagement, in ihrer Präsentation die angespannte Situation in 2014 beschrieb. Durch die schwierige Marktlage sank auch die Motivation der Mitarbeiter. Doch statt in alte Top-down-Muster zurückzufallen, reagierte das Unternehmen wie schon bei der Erneuerung der Führungskultur mit dem Anstoßen eines partizipativen Prozesses. Seitdem können alle Mitarbeiter “Power Teams” bilden, die aktiv an der Gestaltung der Unternehmenskultur und -strategie mitwirken. Der Lohn der neuen Wege bei Vodafone: Die Zufriedenheitswerte in den Mitarbeiterbefragungen sind wieder deutlich gestiegen.

Die Deutsche Flugsicherung erreicht den zweiten Platz.
Die Deutsche Flugsicherung erreicht den zweiten Platz.

Eine sichere Landung

Mit 38 Stimmen landete die Deutsche Flugsicherung (DFS) im Finale des Deutschen Personalwirtschaftspreises auf Platz zwei. Christine Wüst, Leiterin Personalstrategie, nahm das Publikum in ihrem Vortrag mit auf eine Flugreise. Startpunkt war die Verfassung, in der Wüst das einst staatliche Unternehmen bei ihrem Dienstantritt vorfand: ein bürokratisches Gebilde, technokratisch und starr, die Instrumente der Personalarbeit allesamt strikt durchdekliniert. Eine Neuausrichtung der Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung war dringend gefragt.

Deshalb sorgte der HR-Bereich für etliche Turbulenzen: Viele Instrumente und Regeln wurden abgeschafft, es wurde (Luft-)Raum eröffnet für eine individualisierte, lebensphasenorientierte Personalentwicklung, die sich zugleich an der Unternehmensstrategie ausrichtet. Statt auf strikte Vorgaben und Regeln setzt das Unternehmen nunmehr auf eine Vertrauenskultur und lässt den Führungskräften viel Freiraum für Entscheidungen. Das Mitarbeitergespräch wurde völlig neu aufgesetzt. Ergebnis der Bemühungen um die Personalentwicklung: eine sichere Landung in der Gegenwart.

Die Concordia Versicherung ist der dritte Sieger.
Die Concordia Versicherung ist der dritte Sieger.

Der richtige Mix

Dritter Sieger ist die Concordia Versicherung aus Hannover, die mit 35 Stimmen nur knapp hinter der DFS landete. Michael Witzel, Leiter Geschäftsbereich Mitarbeiter und Prozesse, zog in seiner Präsentation Parallelen zwischen der HR-Arbeit und dem Job eines Disk Jockeys. Wie am Mischpult in der Disko ging es auch bei der Concordia darum, den richtigen Mix zu finden, um für eine gute Stimmung und den flüssigen Rhythmus im Unternehmen zu sorgen. Denn statt einfach nur das Konzept eines Unternehmensberaters zur Steigerung der Produktivität umzusetzen, entschied man sich, gleichzeitig die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern.

Das Programm “Attraktivität und Beschäftigungsfähigkeit” führte dazu, dass die Personalarbeit, insbesondere die Personalentwicklung, mit der strategischen Organisationsentwicklung verzahnt wurde. Aus den Komponenten Personalentwicklung, Führung und Organisation, Zusammenarbeit sowie Gesundheit entstand der Mix, der nun “unsere Melodie im Prozessmanagement ausmacht”, so Witzel. Eine angenehme Musik, wie das Publikum zum Schluss des Vortrages hören durfte.

Das Augenhöhe-Team mit Thomas Sattelberger und Erwin Stickling
Das Augenhöhe-Team mit Thomas Sattelberger und Erwin Stickling

Sonderpreis für Projekt “Augenhöhe”

Einen Sonderpreis erhielt das Film- und Dialogprojekt “Augenhöhe”. Die Initiatoren Sven Franke, Silke Luinstra und Daniel Trebien nahmen die Ehrung von Thomas Sattelberger, ehemaliger Personalvorstand der Telekom, entgegen. Das durch Crowdfounding finanzierte Projekt zeigt neue Formen der Zusammenarbeit in Unternehmen, die von Selbstbestimmung und Partizipation geprägt sind. Der Film war bereits an vielen Orten zu sehen und hat zahlreiche Diskussionen zu einer neuen Arbeitswelt provoziert. “Sie haben ein neues soziales Lab kreiert und eine Bewegung angestoßen”, lobte Sattelberger.

Der Deutsche Personalwirtschaftspreis wird gemeinsam von der “Personalwirtschaft” und dem Messeveranstalter Spring Messe Management verliehen. Ermöglicht wird die renommierte Auszeichnung für innovative und nachhaltige HR-Arbeit durch die Sponsoren ADP, EY, Mentus, Oracle und Towers Watson.

Eine ausführliche Beschreibung der Gewinnerkonzepte lesen Sie in der Novemberausgabe der “Personalwirtschaft”.

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