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Stallgeruch und Branchen-Know-how zählen immer noch am meisten

Reihe roter Gummibärchen, dazwischen ein gelbes
In den Führungsetagen der DAX-Unternehmen gibt es überwiegend Eigengewächse.
Foto: © tpzijl/StockAdobe

In den obersten Führungsetagen der DAX-Firmen dominieren heute noch die bisherigen Karrieremuster, auch wenn es inzwischen mehr Frauen und internationale Vorstandsmitglieder gibt.

Sechs von zehn Vorstandsmitgliedern werden intern rekrutiert

58 Prozent der aktuellen Vorstände der DAX-Unternehmen haben vor ihrer Berufung bereits mehr als die Hälfte ihrer Karriere im Unternehmen verbracht. Bei den Vorstandsvorsitzenden ist dieser Anteil noch höher; 80 Prozent der CEOs kommen aus dem eigenen Haus. In den letzten zehn Jahren ist der Anteil der sogenannten Eigengewächse kontinuierlich angestiegen, nachdem diese Quote in der Finanzkrise Ende der 2000er-Jahre vorübergehend unter die 50-Prozent-Marke gefallen war. Das zeigt der achte DAX-Vorstands-Report von Odgers Berndtson. Analysiert wurden die Lebensläufe aller Vorstandsmitglieder im DAX der Jahre 2005, 2009 sowie 2013 bis 2019 jeweils zur Jahresmitte.

Stallgeruch für das Vorstandsamt in einem DAX-Konzern ist danach offenbar auch heute noch wichtig. Quereinsteiger wie zum Beispiel Kasper Rorsted, der von Henkel zu Adidas gewechselt ist, seien auch heute noch die Ausnahme, kommentiert Klaus Hansen, Partner und Leiter der Board & Chair- sowie CEO-Practice bei Odgers Berndtson, die Ergebnisse.

Brancheninsider werden bevorzugt

Bei der Rekrutierung der obersten Führungsgremien bevorzugen die DAX-Unternehmen nicht nur interne Mitarbeiter, sondern legen auch weiterhin Wert darauf, dass die Vorstände der eigenen Branche zugehören. 80 Prozent der derzeit amtierenden Vorstandsmitglieder haben ihre berufliche Laufbahn zum größten Teil innerhalb derselben Branche verbracht; von den in diesem Jahr neu berufenen Vorständen sind sogar 89 Prozent Brancheninsider. Unter den 30 CEOs kommen 83 Prozent aus dem gleichen Sektor; hier gab es allerdings einen leichten Rückgang: In den vergangenen Jahren betrug die Quote noch über 90 Prozent.

Angesichts des zunehmend disruptiven Umfelds der Unternehmen verwundert dieser mangelnde Mut zum ‚Out-of-the-Box-Denken‘,

sagt Hansen angesichts des geringen Anteils an Quereinsteigern. Die Konvergenz der Branchen sei bereits mit bloßem Auge sichtbar und wir stünden hier erst am Anfang einer Revolution.

Frauen kommen seltener aus dem eigenen Haus

Ein Vergleich der Lebensläufe der männlichen und weiblichen Vorstandsmitglieder im DAX zeigt, dass Frauen öfter außerhalb des eigenen Unternehmens rekrutiert werden als Männer. Der Anteil der weiblichen Eigengewächse liegt bei lediglich 39 Prozent gegenüber 61 Prozent bei ihren männlichen Kollegen. Auch kommen “nur” rund zwei Drittel der Frauen (68 Prozent) der Frauen in den obersten Führungsgremien aus derselben Branche, während es bei den Männern 82 Prozent sind. Dass weibliche Vorstandsmitglieder damit mehr Erfahrungen und damit neue Perspektiven aus anderen Unternehmen mitbrächten, sei ein Schritt in die richtige Richtung, findet Hansen. Es sei allerdings zu wünschen, dass sich Diversität in den größten deutschen Unternehmen nicht nur auf das Geschlecht oder die Hautfarbe reduziere, sondern auch auf das, was in den Köpfen stecke.

Die vollständigen Ergebnisse des Reports stehen zum > Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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