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WSI: Plädoyer für verpflichtende Corona-Tests im Betrieb

Derzeit hat etwa jeder vierte Beschäftigte in Deutschland die Möglichkeit, im Betrieb einen Corona-Schnelltest zu machen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Das WSI ist der Ansicht, dass die Tests ausgeweitet werden sollten.

Corona-Schnelltest
Sollen Corona-Tests in Unternehmen zur Pflicht werden? Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Foto: © mpix-foto-stock.adobe.com

Die Corona-Testpflicht für Unternehmen ist offenbar beschlossene Sache, wie die ›Tagesschau und andere Medien berichten. Unternehmen müssen demnach bald allen Beschäftigten, die vor Ort arbeiten, mindestens einmal pro Woche einen kostenlosen Schnelltest anbieten. Zwar hatten die Bundesminister für Arbeit und für Wirtschaft und im Anschluss auch die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) in der Vergangenheit auf eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft hingewiesen, die auf freiwilliger Basis das Ziel erreichen sollte, das scheint aber bald überholt. Am 13. April soll bei einer Kabinettssitzung noch einmal über die Testpflicht diskutiert werden. Auch das WSI hält die bisherige Praxis der Betriebe für unzureichend.

Das Portal Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (> WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird, hat zwischen dem 15. März und dem 31. März dieses Jahres 2832 Datensätze des Portals Lohnspiegel.de ausgewertet. Danach gaben in der zweiten Märzhälfte dieses Jahres 23 Prozent der Arbeitnehmer an, dass ihr Unternehmen allen Präsenzbeschäftigten in ihrem Betrieb mindestens einmal pro Woche anbietet, einen Schnelltest auf das Corona-Virus durchzuführen. Sechs Prozent sagten, dass diese Tests zwar angeboten würden, allerdings nicht im vorgesehenen Umfang. Weitere 17 Prozent geben an, dass ihr Arbeitgeber die Einführung von Schnelltests angekündigt, aber noch nicht umgesetzt hat. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) gab zu Protokoll, dass in ihrer Firma keine Schelltests existierten oder angekündigt waren.

Der Start für wöchentliche Schnelltests laufe trotz eindringlicher Apelle aus der Politik, von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften viel zu schleppend an, kritisiert das WSI.

Corona-Schnelltests sind überall dort eine sinnvolle Ergänzung für den betrieblichen Gesundheitsschutz, wo Beschäftigte nicht von zu Hause arbeiten können,

sagt Dr. Elke Ahlers, WSI-Expertin für Arbeit und Gesundheit. Die Tests könnten helfen, Ausbrüche am Arbeitsplatz frühzeitig zu erkennen oder ganz zu unterbinden.

Verweis auf Fürsorgepflicht der Arbeitgeber

Nach Ansicht von Ahlers reichen Appelle auf Freiwilligkeit nicht aus, sie hält eine verbindliche Regulierung für notwendig; nur so könnten die Gesundheit der Mitarbeiter und lückenlose betriebliche Abläufe sichergestellt werden. Ahlers verweist in diesem Zusammenhang auch auf das deutsche Arbeitsschutzgesetz, aus dem sich eine allgemeine Fürsorgepflicht ergebe.

Bei der WSI-Auswertung wurden Arbeitnehmer, für die betriebliche Tests nicht relevant sind, weil sie im Homeoffice arbeiten, nicht berücksichtigt. Unter anderem deswegen kommt eine andere Analyse zu unterschiedlichen Ergebnissen und Folgerungen: Der Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) sieht keinerlei Anlass zu einer Testverpflichtung der Unternehmen, wir berichteten > hier darüber.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.