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Beurteilungen aus Assessment Centern richtig deuten

In unserer neuen Serie zu guter Führung geben wir regelmäßig Tipps für verschiedene Situationen im Alltag von Führungskräften. In der dritten Folge wird gezeigt, wie man mit einem unerwarteten Ergebnis eines Assessment Centers umgeht.

Bild: © VanHope/Fotolia.de
Bild: © VanHope/Fotolia.de

Kennen Sie das?

“Nach der Teilnahme an einem Assessment-Center wurde ich auf meine vermeintlich mangelnde Emotionalität hingewiesen. Danach gefragt, wie diese Einschätzung zustande gekommen sei und was genau damit gemeint wäre, bekam ich lediglich zu hören: ‚Zeigen Sie mehr Gefühl!’ Wie soll ich mit diesem Hinweis umgehen?”

Das können Sie tun!

Betrachten Sie die Rückmeldung als das, was sie ist: eine subjektive Einschätzung. Setzen Sie sich trotzdem mit dem Hinweis auseinander und finden Sie dabei heraus, wie Sie selbst damit umgehen wollen.

Betrachten Sie das Feedback als persönliche Sicht eines Beobachters

Zweifelsohne nehmen die meisten Beobachter die Kandidaten eines Assessment-Centers (AC) nach bestem Wissen und Gewissen wahr. Gleichwohl kann es dabei vorkommen, dass zwischendurch die eigenen Gedanken unbemerkt abschweifen, zum Beispiel: Plötzlich muss ein Beobachter an seine erst kürzlich verstorbene “Mutter” denken und wundert sich über seine mangelnde Trauer. Oder ein anderer ist in Gedanken bei seinem Kind, das schulische Schwierigkeiten hat und keine emotionale Unterstützung durch die zuständigen Lehrer erfährt.
Solche gedanklichen Extratouren können das Urteil eines Beobachters unbeabsichtigt beeinflussen. Demzufolge sagt er bei der Einschätzung am Ende viel über sich selbst aus und vielleicht manches über die zu beobachtende Person. In der Konsequenz heißt das: Mit einem Feedback können Sie ähnlich verfahren wie mit einer Wettervorhersage: Sie können sich an ihr orientieren, aber es existiert keine Garantie für deren Richtigkeit.

Setzen Sie sich mit dem Feedback auseinander

Auch wenn die Rückmeldung vom eigenen Selbstbild abweicht, gehen Sie ihr trotzdem nach – es kann ja nicht schaden! Also: Wie steht es mit Ihrer Emotionalität im Berufsalltag? Wo würden Sie sich selbst auf einer Skala von O bis 10 einordnen, wenn O bedeutet “sehr wenig” und 10 bedeutet “sehr viel”. Sind Sie ein Mensch, der seine Gefühle, wie etwa Freude, Angst, Trauer oder Ärger gut wahrnehmen und darüber sprechen kann? Oder neigen Sie eher dazu, diese abzuwehren oder zu verschweigen?
Denken Sie an Ihre Begegnungen im betrieblichen Alltag: Fällt es Ihnen eher leicht oder eher schwer, einen Zugang zu Ihren Kollegen und Vorgesetzten zu finden? Können Sie sich in Situationen Anderer gut hineindenken und einfühlen oder gehen Sie in Momenten, in denen es emotional wird, eher auf Distanz? All diese und weitere Fragen, die Sie sich bezogen auf Ihre konkrete Situation am besten selbst überlegen, können Sie jeweils mithilfe der erwähnten Zehner-Skala beantworten.

Diese Skalierungen erfüllen zwei Funktionen: Zum einen dienen sie dazu, “weiche” Faktoren wie Gefühle, Eigenschaften oder Zustände einschätzbar oder “messbar” zu machen. Zum anderen können sie in Gesprächen dazu beitragen, Unterschiede sichtbar und besprechbar zu machen, zum Beispiel: Bitten Sie den oder die Beobachter des Assessment Centers im Nachhinein, Ihre Emotionalität auf einer Skala von 0 bis 10 einzustufen. Anschließend können Sie die Personen bitten, Ihnen Tipps zu geben, wie Sie in einem ersten Schritt von beispielsweise “4” auf “5” gelangen könnten. Vielleicht erfahren Sie durch dieses Vorgehen, wie die Einschätzung “mangelnde Emotionalität” zustande gekommen ist und was Sie konkret tun können. Mit der Methode der Skalierung lassen sich auch andere AC-Beurteilungen, die Sie nicht nachvollziehen können, hinterfragen und überprüfen.

Finden Sie heraus, wie Sie selbst mit dem Feedback umgehen wollen

Nur einmal angenommen, Sie erfahren in diesen Gesprächen, was Sie tun müssten, um beispielsweise von “4” auf “5” zu kommen. Fragen Sie sich selbst: “Würde ich diese Empfehlungen auch dann umsetzen, wenn sie keinen Rückenwind für die Karriere gäben?” Und wenn Ihre ehrliche Antwort lautet: “Nein, das würde ich nicht tun!”, dann dürfte es im Kern darum gehen, ob Sie nach den Erfahrungen im AC Ihr Karriereziel noch für erstrebenswert halten oder mittlerweile daran zweifeln. Egal, wie Sie sich letztlich entscheiden – beide Möglichkeiten beinhalten die Chance zum persönlichen Wachstum: entweder in der angestrebten Position oder um herauszufinden, welche Stelle Ihrem Potenzial besser entspricht.

+++ Dieser Beitrag ist der 3. Teil unser neuen › Serie “Tipps für gute Führung”. Alle 14 Tage gibt es eine neue Folge.+++

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