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Learning: Weiterbildung nicht von der Liste streichen

Mann hält Glühbirne.
Wer an der Weiterbildung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spart, der riskiert die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens. Bild: Sergey Nivens / Adobe Stock

Die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie sind immens. Kurzarbeit, Beurlaubungen und im schlimmsten Fall Entlassungen werden bis 2021 andauern. Für viele Arbeitnehmenden bedeutet dies, dass sie ihre aktuellen Fähigkeiten verbessern und neue aufbauen müssen, um sich in diesem krisengeplagten Umfeld zu behaupten. Viele Unternehmen haben jedoch im Zuge des Krisenmanagements die Weiterbildung nicht auf dem Radar oder sehen die Möglichkeiten begrenzt, da sowohl Zeit als auch Geld knapp bemessen sind.

Im Rahmen der internationalen Studie “The State of Skills 2021: Endangered” hat Degreed die Auswirkungen der Pandemie auf die fachlichen Fähigkeiten und berufliche Weiterentwicklung von Fachkräften bewertet. Die Studie hat dabei die aktuelle Situation von sechs Branchen untersucht: Finanzdienstleistungen, Technologie und Telekommunikation (ITK), Consumer-Sparte und Einzelhandel, industrielle Fertigung, Business Services sowie Gesundheitswesen.

Bei den Arbeitnehmenden machen sich Nervosität, Stress und Zweifel breit

Fakt: Mehr als ein Drittel der Befragten weltweit (38 Prozent) fühlt sich im Vergleich zu der Zeit vor Corona weniger sicher, über die für ihre Arbeit erforderlichen Fähigkeiten zu verfügen. Fast die Hälfte (46 Prozent) gab an, sich aufgrund des erhöhten Anspruchs an neue Fähigkeiten in naher Zukunft “verletzlich” zu fühlen. Fast die Hälfte (46 Prozent) glaubt, dass ihre derzeitigen Kenntnisse in spätestens fünf Jahren veraltet sind. In Deutschland glauben dies sogar 56 Prozent. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden weltweit (55 Prozent) und 50 Prozent in Deutschland gaben an, dass das Stressniveau gestiegen ist, da das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen gesunken ist. Zudem gaben 41 Prozent (in Deutschland 40 Prozent) an, dass die Erledigung von Aufgaben länger dauert und 22 Prozent (in Deutschland 14 Prozent), dass die Arbeitsqualität leidet.

Transfer: Für Arbeitnehmende geht es hier um das zentrale Element des Vertrauens in der Beziehung zum Arbeitgeber. Wenn diese ein Entgegenkommen bei ihrer beruflichen Entwicklung sehen, werden sie das mit Loyalität und Einsatz zurückzahlen. Ist dies nicht der Fall, werden sie sich fragen, ob sie sich noch überdurchschnittlich engagieren sollten. Unternehmen riskieren, qualifizierte Talente in einer Zeit zu verlieren, in der diese am meisten gebraucht werden, um den Aufschwung voranzutreiben. Darüber hinaus sind die Folgekosten der Personalfluktuation, die durch die Suche, Einstellung und Schulung neuer Fachkräfte entstehen, zu berücksichtigen. Unternehmen sollten daher alles daransetzen, wertvolle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Krise zu halten und deren Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Arbeitnehmende sehen in der Krise klaren Bedarf für Weiterbildung

Fakt: Fast zwei Drittel (60 Prozent) der Befragten sind der Meinung, dass die Pandemie den Erwerb neuer Fähigkeiten erforderlich gemacht hat. Dabei gaben jedoch 46 Prozent (in Deutschland 41 Prozent) an, dass ihr Unternehmen die Investitionen in Learning & Development in den letzten sechs Monaten reduziert hat. Dabei möchten sich in Deutschland 68 Prozent der Beschäftigten weiterbilden, um ihre berufliche Karriere voranzutreiben. Bedarf sehen die Befragten vor allem in den Bereichen Führungskompetenz, fortgeschrittene Kommunikations- und Verhandlungskompetenz sowie weiterführende Computer- und Programmierkenntnisse. Um dieser Nachfrage nach bestimmten Fähigkeiten gerecht zu werden, müssen die Beschäftigten jetzt ihre Fähigkeiten optimieren oder neue erlernen.

Transfer: Viele Unternehmen haben ihre Investitionen in die Weiterqualifizierung ihrer Arbeitskräfte zurückgefahren. Hier gilt es nun gegenzusteuern. Unternehmen, die in die Weiterbildung investieren wollen, sehen sich jedoch mit der Herausforderung konfrontiert, wie sie ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen qualifizieren und trainieren können, wenn diese nicht vor Ort sind.

Digital Learning bietet hier effiziente Möglichkeiten, selbst wenn sich das Budget für Weiterbildung reduziert hat.

Unternehmen haben Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten reduziert

Fakt: Als Folge der globalen Gesundheits- und Wirtschaftskrise hat fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) angegeben, dass ihre Arbeitgeber aufgrund der Pandemie die Möglichkeiten zur Weiterbildung und Umschulung reduziert haben. Die Budgets für den Bereich Lernen und Weiterentwicklung sind die ersten, die von den Sparmaßnahmen betroffen sind. Es ist schwierig für Unternehmen, sich auf die Fortbildung ihrer Mitarbeitenden zu konzentrieren, wenn sie gleichzeitig versuchen, ihr Geschäft über Wasser zu halten. Die Gelegenheiten, neu erlerntes Wissen direkt anzuwenden, haben sich durch Covid-19 verringert. Jetzt müssen Führungskräfte nach anderen Möglichkeiten des Lernens suchen, zum Beispiel Freiwilligenarbeit oder Mentoring.

Transfer: Zu Beginn des globalen Lockdowns musste der Automobilhersteller Ford schnell auf eine Online-Lernstrategie umschwenken, da physische, von Ausbildern geleitete Schulungen nur begrenzt möglich waren. Innerhalb von zwei Wochen führte das Unternehmen eine Online-Lernplattform für seine Personalleiter, HR- und IT-Teams ein. Während anfangs virtuelles, asynchrones Lernen eher ein Konzept war, auf das das Team mittel- bis langfristig hinarbeitete, beschleunigte die Pandemie diese Notwendigkeit und lieferte einen klaren Business Case für den sofortigen Einsatz. Das erste Pilotprojekt hat dazu geführt, dass das Unternehmen sein neues virtuelles Lernprogramm in der gesamten Belegschaft einführte.

Covid-19 hat die Notwendigkeit, neue Fähigkeiten zu erwerben, beschleunigt

Fakt: Sechs von zehn (60 Prozent) Arbeitnehmern weltweit gaben an, dass die Pandemie die Notwendigkeit, neue Kenntnisse zu erwerben, beschleunigt hat. In Deutschland stimmten 41 Prozent der Befragten dieser Aussage zu. Dieser Trend ist nachvollziehbar, da Unternehmen sich zur Bewältigung der geschäftlichen Auswirkungen der Krise auf neue Arbeitsweisen einstellen mussten. Während dieser Trend in den Schwellenländern Indien (72 Prozent), Brasilien (62 Prozent) und Mexiko (56 Prozent) am stärksten ist, spürt auch ein erheblicher Teil der deutschen Arbeitskräfte (41 Prozent) die Dringlichkeit der Weiterqualifizierung. Eine hohe Nachfrage nach neuen Fähigkeiten im Technologieund Telekommunikationssektor war zu erwarten, doch die Studie machte auch einen signifikanten Anstieg der Nachfrage in den Bereichen Maschinenbau und Bauwesen deutlich.

Transfer: Die Unternehmen gehen zu einer stärker dezentralisierten Arbeitsumgebung über und müssen sich mit neuen Arbeitsweisen und der Unterstützung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in einer schwierigen Zeit auseinandersetzen. Führungskräfte und Personalverantwortliche können aus eigenen Daten, die sie mit Lernplattformen, HR-Systemen und Rekrutierungssystemen generieren, wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Sie können daraus ableiten, worauf sie in ihrer Branche die Weiterbildungsmaßnahmen konzentrieren sollten. Fähigkeiten, die gefragt, aber schwach ausgebildet sind, gilt es im Rahmen von HR- sowie Learning-and-Development-Programmen gezielt zu fördern.

Fazit: Die Arbeitnehmenden sind zwar unsicher, wo sie heute stehen, aber sie wissen genau, wo sie hinwollen und was nötig ist, um dorthin zu gelangen. Sie verlangen von ihren Arbeitgebern, sie auf diesem Weg zu unterstützen. Diese Forderungen seitens der Arbeitnehmenden erzeugt zugleich einen höheren Bedarf hinsichtlich der Führungsqualitäten, um in einem unsicheren und komplexen Umfeld die richtigen Maßnahmen voranzutreiben. Unternehmen müssen jetzt ihre Energie und Investitionen gezielt einsetzen. Zum einen geht es darum, die nach wie vor bestehende Krise zu meistern und zum anderen, das Unternehmen für die Zeit nach der Krise fit zu machen. Die Weiterbildung und Weiterentwicklung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nimmt hier eine zentrale Rolle ein.

Die Studie

Degreed hat im Rahmen der internationalen Studie “The State of Skills 2021: Endangered” die globalen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Qualifikation von Arbeitskräften untersucht. Hierzu hat die unabhängige Marktforschungsagentur Censuswide im Juli und August 2020 über 5000 Beschäftigte in den USA, Mexiko, Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Indien und Australien befragt. Die Studie kann unter https://pwgo.de/stateofskills21 kostenfrei heruntergeladen werden.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Februar-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen.