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Round Table: Lernen unter erschwerten Bedingungen

Beim ersten Lockdown ging es den Universitäten und Business Schools wie vielen anderen Organisationen: Wer es bis dahin noch nicht getan hatte, musste schnell technisch aufrüsten und Online-Angebote schaffen. Während einige Einrichtungen in den hybriden Modus wechseln konnten, waren andere Campusse vorübergehend ganz geschlossen. Nicht nur die Kundinnen und Kunden, auch die Anbieter zahlten stellenweise Lehrgeld. Inhalte eins zu eins in die virtuelle Welt zu übertragen, das erwies sich meist als keine gute Lösung.

Mit neuen, spezifischen Online-Konzepten lief es dann besser. Manche sehen gar das Comeback des Flipped Classrooms gekommen, bei dem sich die Teilnehmenden die Grundlagen zu Hause erarbeiten, während der Stoff im gemeinsamen Präsenzunterricht angewendet und vertieft wird. In der Krise wurden zudem virtuelle Netzwerke belastbarer, die gegenseitige Unterstützung bei Dozierenden und Studierenden wuchs.

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Ersatzlösungen gesucht

Dennoch lässt sich nicht alles auffangen oder ins Internet verlegen. Auslandsaufenthalte etwa zählen bei vielen Business Schools zum Standard-Angebot. Aufgrund der Reiserestriktionen mussten sie aber oft auf unbestimmte Zeit verschoben oder abgesagt werden. Dass dafür hochkarätige internationale Referentinnen und Referenten für Online-Sessions verpflichtet werden konnten, war zwar ein guter, aber kein vollwertiger Ersatz.

Auch hier galt es, Lösungen zu finden. Viele Anbieter haben sich hinsichtlich der Kompensation für ein Voucher-System entschieden, mit dem Ausgefallenes innerhalb eines großzügigen Zeitrahmens nachgeholt werden kann. Dass das Studium abgebrochen wurde, ist auch vorgekommen, aber die Ausnahme geblieben. Warum auch? Gerade in der Pandemie haben viele Studierende die Zeit, sich weiterzubilden und ihre Chancen im Unternehmen oder auf dem Jobmarkt zu verbessern.

Alternative Prüfungsformen

Flexibilität ist in solchen Zeiten ein Muss. Bei Prüfungen etwa: Eine größere Gruppe in einem Raum, das ist derzeit kaum denkbar. So gibt es derzeit beispielsweise häufig die Möglichkeit, Prüfungsleistungen zu Hause innerhalb eines festen Zeitrahmens abzulegen. Betrugsversuche sind selten, zumal ein Gros der Anforderungen ohnehin über andere Formen wie etwa Präsentationen abgefordert wird. Flexibilität – dieses Credo gilt mitunter auch für die Inhalte. Sie wurden teilweise an die aktuelle Situation angepasst und vermittelten etwa Resilienz und den Umgang mit Krisen.

Apropos Krise: Jahrelang zogen sich die Brexit-Verhandlungen hin. Welche Regeln nach dem Austritt Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion gelten, war lange unklar. In der Praxis zeigt sich nun, dass vieles so bleibt, wie es war. Die bestehenden Programme werden fortgesetzt, die Abschlüsse weiterhin anerkannt. Es wird allerdings damit gerechnet, dass Business Schools und Universitäten auf der Insel künftig verstärkt Partner auf dem Festland suchen.

MBA verschafft Vorteile – nach wie vor

Unter dem Strich sind die Karriere-Aussichten mit einem MBA-Abschluss in der Tasche nach wie vor gut, sind sich die neun Expertinnen und Experten am Round Table weitgehend einig. Es gibt allerdings große Unterschiede, etwa hinsichtlich der Branche. In Geschäftsfeldern, die besonders stark von der Krise gebeutelt sind, dürften die Möglichkeiten naturgemäß für eine längere Zeit eingeschränkt bleiben. Man sollte sich also nicht zu stark festlegen. Auch der Standort spielt eine Rolle: In einigen großen Städten mit vielen internationalen Unternehmen wird oft weiter eingestellt, im Umland sieht es meist schon schwieriger aus. Der MBA könnte da zur Eintrittskarte für Positionen werden, für die man zuvor noch keinen solchen Titel gebraucht hat.

Einigkeit besteht darin, dass hybride Lehr- und Lernformen auf jeden Fall bestehen bleiben werden, wenn die Krise irgendwann überwunden ist. Zu groß sind die Vorteile und zu gut die Erfahrungen, die man damit gesammelt hat. Präsenzlehre wird aber nie ganz aufgegeben werden, der persönliche Austausch ist unersetzlich. Selbst Fernstudienanbieter hatten schon vor Corona in der Regel nicht ganz auf Präsenztage verzichtet, und das aus gutem Grund.

Bilderstrecke: Gestärkt durch die Krise

Die Corona-Krise hat auch die Business Schools zunächst kalt erwischt. Allerdings haben es die Verantwortlichen schnell geschafft, sich auf die schwierige Lage einzustellen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.