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Gut aufgestellt

Mountainbiker auf Rad
Bild: mel-nik/istock

Gleich zum Einstieg stellt Ute Schäfer die Gretchenfrage: “Glauben Sie, dass Spitzensportler auch Spitzenverdiener sind?” Nein, tun wir nicht und rufen brav unser in täglicher Lektüre des Sportteils angehäuftes Halbwissen ab: Jenseits des Profifußballs kann man in den meisten Disziplinen als Topathlet froh sein, über die Runden zu kommen. “Gut, dann haben wir eine gemeinsame Basis”, lacht die ehemalige NRW-Sportministerin, die heute der Sportstiftung NRW vorsteht.

Diese fördert schwerpunktmäßig 16- bis 23-Jährige und setzt damit genau dort an, wo es für eine Spitzensportkarriere kritisch wird – weil der Jugendliche als solcher ein Freigeist ist und in einem sich entwickelnden Körper steckt. Auch finanziell wird es just an diesem Punkt oft eng. Schäfer: “Wir helfen, die Lücke zu schließen, die entsteht, wenn Athleten keinen Anspruch mehr auf Landesfördermittel haben, aber noch keinen passenden Kaderstatus für finanzielle Leistungen durch die Deutsche Sporthilfe oder ähnliche Institutionen erreicht haben.” Die Stiftung setzt aktuell jährlich rund 3,8 Millionen Euro in der Förderung ein.

Unterstützt werden derzeit über 30 olympische und paralympische Sportarten: junge Topleute, die man beim Übergang vom Landes- in den Bundeskader begleiten will. “Wir freuen uns ganz besonders, wenn die Athleten im Nationalmannschaftskader bis zu einem Drittel aus NRW kommen”, sagt Ute Schäfer. Erklärtes Ziel ist, dass die geförderten Athleten an olympischen und paralympischen Spielen sowie an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen.

Um bei der Vielzahl an infrage kommenden Sportarten echte Könner zu identifizieren, unterstützt die Sportstiftung NRW einerseits Trainer und Fachkräfte im Spitzensport und treibt die Professionalisierung von sportartenübergreifenden Strukturen an Leistungssportzentren voran. “An rund zehn Standorten in NRW wollen wir so gute Trainingsbedingungen schaffen, dass ein Talent dorthin wechseln will”, sagt Ute Schäfer. Parallel dazu werden einzelne Athleten unterstützt. Doch schon der erste Schritt zur Förderung ist schwer: Die Stiftung legt Wert darauf, dass Vereins-, Landes- und Bundestrainer gemeinsam eine Empfehlung aussprechen. Wenn zudem das Umfeld und die Ergebnisse stimmen, Körper und Gesundheit mitspielen und sowohl das Talent als auch die Eltern den Weg mitgehen wollen, kann eine Individualförderung starten.

Die Konsequenzen des aktiven Leistungssports sind immens. Oftmals ist er verbunden mit einem Umzug weg von der Heimat in ein Sportinternat, achtmal pro Woche wird trainiert.

Der Sport steht absolut im Vordergrund, aber die Förderung erfolgt individuell und ganzheitlich,

betont Schäfer. Dazu zählen leistungsdiagnostische und präventive Maßnahmen, psychologische und pädagogische Begleitung, gesundheitliche und soziale Unterstützung. Beim Geld geht es um eine Grundsicherung, die sehr individuell gestaltet werden muss. In der Regel benötigt ein Leistungssportler 1000 bis 1500 Euro im Monat. Die Stiftung versucht hier die verschiedenen Einkommensquellen zu bündeln, damit dieser Betrag zusammenkommt. Dabei spielen Wirtschaftsunternehmen, die bezahlte Praktika und flexible Teilzeitarbeit anbieten, zunehmend eine wichtige Rolle.

Mit der “Dualen Karriere” und insbesondere der “Zwillingskarriere” motiviert die Stiftung Sportler und Trainer, früh an der eigenen beruflichen Entwicklung jenseits des Sports zu arbeiten. Sie fasst Projekte zusammen, die der Karrieregestaltung dienen, stellt Verbindungen zu Unternehmen her, schafft Foren, in denen Wirtschaft und Leistungssport voneinander lernen. “Wenn ein Talent direkt nach der erfolgreichen Sportlaufbahn in einem guten Job landet, ist dies unser größter Erfolg”, findet Ute Schäfer. Dazu ermutigt sie Sportler, ihre Erfahrung – ob als Individual- oder Teamsportler – auch in Lebenslauf und Vorstellungsgespräch zu betonen. Denn wenn aus der vermeintlich langen Studiendauer und der verdächtigen Lücke im CV plötzlich eine erfolgreiche Spitzensportkarriere wird, horcht mancher Recruiter auf.

Autor: Cliff Lehnen


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