Arbeitsmarktanspannung führt zu höheren Einstellungskosten

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Die Spannung auf dem Arbeitsmarkt ist in den vergangenen 12 Jahren deutlich gestiegen. Gab es 2010 im Schnitt noch 0,17 offene Stellen pro suchende Person, waren es Mitte 2022 0,56 freie Positionen pro suchende Arbeitskraft. Die Zahlen stammen vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das Folgen der zunehmenden Arbeitsmarktanspannung untersucht hat.

Eine davon sind höhere Einstellungskosten für Unternehmen. „Eine Verdoppelung der Arbeitsmarktanspannung steigert die betrieblichen Einstellungskosten um durchschnittlich 13,7 Prozent“, sagt Martin Popp, Mitarbeiter im IAB-Forschungsbereich „Arbeitsmarktprozesse und Institutionen“. Der Grund: Durch die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt erhalten Unternehmen weniger Bewerbungen, müssen länger nach geeigneten Talenten suchen und mehr Suchkanäle nutzen, um neue Mitarbeitende zu finden.

Talente finden dauert 13,6 Prozent länger

In Zahlen ausgedrückt, äußert sich dies folgendermaßen. Bei einer Verdopplung der Arbeitsmarktanspannung – also dem Verhältnis aus offenen Stellen und arbeitssuchenden Personen – erhalten Unternehmen im Schnitt 9,8 Prozent weniger Bewerbungen, die Suchdauer verlängert sich um 13,6 Prozent. Zudem müssen Arbeitgeber 6,8 Prozent mehr Suchkanäle verwenden. Wahrscheinlich sind die Zahlen sogar noch höher. Denn für die Kalkulation des IAB wurden nur erfolgreiche Recruitingprozesse mit einer Neueinstellung mit einberechnet.

Doch nicht nur die Einstellungskosten erhöhen sich, sondern auch das betriebliche Beschäftigungswachstum wird laut den Expertinnen und Experten des IAB gebremst. Simulationen würden nahelegen, dass die Beschäftigung in Deutschland um zusätzliche 1,8 Millionen Jobs hätte steigen können, wenn die Arbeitsmarktanspannung zwischen 2010 und 2022 nicht gestiegen und stattdessen konstant geblieben wäre.

Doch woran liegt die Anspannung? Laut dem IAB ist sie in erster Linie auf die stark gestiegene Zahl an offenen Stellen zurückzuführen. Zwischen 2010 und 2022 stieg sie um 139 Prozent auf rund 2 Millionen an. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Arbeitslosen um 28 Prozent auf 4 Millionen.

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.