Autobauer-Karriereseiten im GEO-Check: Verschenktes Potenzial

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Wie gut sind die Karriereseiten der großen Automobilkonzerne im Dax 40 für KI-Systeme aufbereitet? Wir haben den Test mit unserem GEO-Check gemacht. Die Ergebnisse sind ernüchternd – zumal Karriereseiten dieser Größenordnung oft Hunderttausende Euro in Produktion und Pflege verschlingen.  

Die Optik der Seiten stimmt. Doch sobald KI-Systeme wie ChatGPT oder Perplexity konkrete Fragen zu Kultur, Jobs oder Bewerbungsprozess beantworten sollen, scheitern die Karriereseiten meistens. Und das, obwohl alle Unternehmen den technischen Erreichbarkeitstest problemlos bestehen. 

Das zeigt sich quer durch alle Ergebnisse: Kein einziges Unternehmen hat strukturierte Metadaten hinterlegt, die KI-Systemen helfen würden, Inhalte korrekt einzuordnen. Selbst der „Testsieger“ Volkswagen lässt die technische Auszeichnung vollständig vermissen.  

Technisch sauber, inhaltlich unscharf 

In der Kategorie „Erreichbarkeit für KI“ holen fast alle Unternehmen die volle Punktzahl. KI-Crawler können die jeweiligen Seiten also grundsätzlich indexieren. Doch diese solide Ausgangslage täuscht. Sobald es um die eigentliche inhaltliche Verwertbarkeit geht, zeigen sich systematische Schwächen.  

Besonders auffällig: In der Kategorie „Technische Auszeichnung“, in der es um Einordnungshilfen für KI-Systeme geht, erreichen die meisten der untersuchten Unternehmen null von vier möglichen Punkten. Weder strukturierte Organisationsdaten noch explizite FAQ-Formate sind vorhanden – für KI-Systeme, die Inhalte aus verschiedenen Quellen zusammenführen und einordnen müssen, ein echtes Hindernis.

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VW vorne, Continental mit bester KI-Lesbarkeit 

Mit 28 von 38 Punkten erzielt Volkswagen das beste Ergebnis im Vergleich. Der maximal zu erreichende Wert von VW (38) unterscheidet sich übrigens von den anderen Unternehmen (36). Das liegt daran, dass der GEO-Check bei dem Wolfsburger Konzern im Prüffeld „Lesbarkeit für KI“ noch die Kriterien „Karriererelevante Verlinkung“ (Die Karriereseite verlinkt gezielt auf karriererelevante Unterseiten, etwa Benefits und Kultur) sowie „Firmenname im ersten Absatz“ gecheckt hat. Bei den anderen Karriereseiten konnte der GEO-Check hier nicht prüfen, da diese Infos durch das Tool nicht zu ermitteln waren und somit nicht gewertet wurden.

Die Volkswagen-Seite ist strukturiert, inhaltlich ausgewogen und kommt der KI-tauglichen Aufbereitung am nächsten – unter anderem mit sechs von acht Punkten bei den Textelementen und sieben von acht Punkten bei der Seitenstruktur. Doch auch hier fehlt die technische Auszeichnung vollständig (0/4).  

Continental erreicht 27 von 36 Punkten. Der Zulieferer punktet vor allem bei der Lesbarkeit: Elf von zwölf möglichen Punkten in dieser Kategorie sind der Bestwert im gesamten Feld. Die Seite ist informationsgetrieben statt markeninszeniert, das zahlt sich für die maschinelle Verarbeitbarkeit aus. Trotzdem erreicht das Unternehmen bei der technischen Auszeichnung ebenfalls null von vier Punkten.

BMW und Porsche im Mittelfeld 

Die Karriereseite der BMW Group kommt auf 25 von 36 Punkten. Stärken zeigt sie bei Erreichbarkeit (6/6) und Lesbarkeit (9/12). Ein konkretes Defizit: Direkt nach der Hauptüberschrift fehlt ein kompakter Einleitungstext mit den wichtigsten Informationen – genau jener Bereich, dem KI-Systeme besondere Aufmerksamkeit widmen. Der GEO-Check markiert dies als nicht erfüllt. 

Die Porsche SE erreicht wie Daimler Truck jeweils 24 von 36 Punkten. Porsche glänzt mit einer perfekten Seitenstruktur (8/8), hat aber bei Textelementen (3/6) und technischer Auszeichnung (0/4) Luft nach oben. Daimler Truck zeigt dagegen Schwächen bereits in der Seitenstruktur (4/8): H1-Überschrift und Überschriftenhierarchie sind verbesserungswürdig und das Impressum ist laut Check nicht auffindbar verlinkt.

Die zentrale Karriereseite der Mercedes-Benz Group ließ sich im GEO-Check nicht analysieren – das Tool wird dort geblockt.

Info

Karriereseiten der Autobauer: Gemeinsame Defizite 

Die Ergebnisse des GEO-Checks zeigen keinen Totalausfall. Die technischen Grundlagen sind vorhanden, viele Karriereseiten sind strukturiert aufgebaut und für KI-Systeme erreichbar. Auffällig ist jedoch, dass sich die Defizite über alle Unternehmen hinweg ähneln. Strukturierte Daten fehlen fast durchgehend, zentrale Inhalte sind oft nicht klar genug verdichtet und typische Antwortformate wie FAQ-Bereiche werden selten genutzt – obwohl diese längst vor dem Aufkommen von KI für die Google-Auffindbarkeit wichtig wurden.  

Das Gesamtbild ist damit weniger ein Ranking einzelner Gewinner und Verlierer als ein branchenweites Muster: Die Voraussetzungen für Sichtbarkeit in KI-Systemen sind vielfach vorhanden, werden aber nicht konsequent genutzt.

Sven Frost betreut das Thema HR-Tech, zu dem unter anderem die Bereiche Digitalisierung, HR-Software, Zeit und Zutritt, SAP und Outsourcing gehören. Zudem schreibt er über Recruiting und Employer Branding. Er verantwortet weiterhin die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.