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Corona-Krise bremst Trend zu mehr Personalvermittlung aus

Personaldienstleister
Vor zwei Jahren erfuhr die Personalvermittlung einen Aufschwung, der durch die Corona-Krise rückgängig gemacht wurde. Foto: © Coloures-Pic-stock.adobe.com

Nach Jahren des Booms ist der Anteil der Personalberatungen an den Neubesetzungen von Stellen im vergangenen Jahr erstmals wieder gesunken. Doch nach wie vor ist das Marktvolumen in der Branche größer als gedacht.

Für seine Studie zum “Marktvolumen für Personalvermittlung in Deutschland 2018 bis 2020” hat das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder in Zusammenarbeit mit Hays und der Job AG die Fluktuationsquote und den Anteil der Personalvermittlungen an allen Stellenwechseln von 2018 bis 2021 ermittelt. Dafür wurden im Juli dieses Jahres 5.229 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Deutschland repräsentativ befragt. Außerdem gaben im August 49 Unternehmen ihre üblichen Honorare für Personalvermittlung an.

Mehr Fluktuation bei Stellen in den letzten zwei Jahren

Im Jahr 2018 hatten durchschnittlich 7,7 Prozent der Berufstätigen hierzulande das Unternehmen gewechselt. 2019, als sich die konjunkturelle Lage bereits eingetrübt hatte, waren es bereits 12,5 Prozent. Im vergangenen Jahr schließlich stieg der Anteil noch einmal leicht: Von insgesamt 33,4 Millionen Beschäftigten nahmen 13,6 Prozent einen Job bei einem neuen Unternehmen an.

2020: Jeder dritte Wechsel via Personalvermittlungsunternehmen

Der Anteil der Jobwechsel, an deinen Personalberatungs- oder vermittlungsfirmen beteiligt waren, betrug 2018 gut ein Drittel (35 Prozent). Ein Jahr später erhöhte sich die Quote auf 38 Prozent. 2020 hingegen wurde dieser Trend gebrochen und der Anteil der Stellenbesetzungen, die unter Mitwirkung von Personaldienstleistungsunternehmen zustande kamen, ging auf knapp ein Viertel (24 Prozent) zurück. Diese Entwicklung ist laut Lünendonk auf die Unsicherheit zurückzuführen, die die Corona-Krise mit sich brachte. Im Letzten Jahr war der Personalbedarf der Unternehmen deutlich geringer, während sich das Angebot an Arbeitsuchenden vergrößerte.

Marktvolumen für Personalvermittlung durch Krise stark verringert

Entsprechend der Jobvermittlungen entwickelte sich in den letzten drei Jahren auch das Marktvolumen für Personalvermittlung in Deutschland. 2018 lag es bei 13,2 Milliarden Euro, 2019 stieg es deutlich auf 23,2 Milliarden Euro an, bevor es 2020 auf 15,1 Milliarden Euro absank. Der Markt ist damit krisenbedingt um knapp 35 Prozent geschrumpft. Einige Unternehmen, so die Studie, wollten kein Risiko hinsichtlich neuer Festanstellungen eingehen.

Das Marktvolumen ist mit mehr als 15 Milliarden Euro deutlich größer als bisher angenommen. Die Studie zeigt: Personalvermittlung agiert nicht in einer Nische, sondern trägt wesentlich dazu bei, dass Unternehmen Stellen mit dringend benötigten Qualifikationen schneller besetzen können,

ordnet Studienautor Thomas Ball die Studienergebnisse ein.

Das im Rahmen der Befragung ermittelte Marktvolumen weicht erheblich von den Angaben des Statistischen Bundesamtes (4,9 Milliarden Euro in 2019) und des Bundes der Unternehmensberater (BDU) mit 2,5 Milliarden Euro ab. Das liegt laut Studie daran, dass sich die Zahlen des BDU ausschließlich für die beratungsnahe Personalvermittlung beziehungsweise Executive Search beziehen und das Statistische Bundesamt nur jene Unternehmen berücksichtigt, die als wichtigstes oder zweitwichtigstes Betätigungsfeld Personal vermitteln, jedoch nicht die mehr als 10.000 Zeitarbeitsunternehmen.

Aus der Studie geht auch hervor, dass Unternehmen vor allem dann auf Personalvermittlungen setzen, wenn es um Jobs für junge bis mittelalte und gut qualifizierte Spezialisten mit höheren Gehältern geht. Fast immer – in 82Prozent der Fälle – wird die Personalvermittlung erfolgsabhängig vergütet. Das durchschnittliche Vermittlungshonorar liegt, um Ausreißerwerte bereinigt, bei 17.000 Euro, die gesamte Spannbreite bewegt sich zwischen 1.820 Euro und 1 Million Euro.

Ausgewählte Studienergebnisse stehen > hier kostenlos zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.