Fachkräftemangel: Qualifizierung von Helfern als Schlüssel? 

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Die Ausgangssituation ist scheinbar paradox: Im vergangenen Jahr fehlten in Deutschland im Schnitt 630.000 qualifizierte Fachkräfte, etwa die Hälfte dieser Stellen erfordert eine abgeschlossene Berufsausbildung. Gleichzeitig gab es einen Arbeitslosenüberhang von mehr als einer Million überschüssigen An- und Ungelernten. Viele von ihnen, so zeigt eine aktuelle Analyse des Kompetenzzentrums Fachkräfteentwicklung (KOFA), suchen Helferjobs in Bereichen, in denen es gleichzeitig einen Fachkräftemangel gibt. 

Würden arbeitslose Helferinnen und Helfer in den Berufen, in denen sie nach Jobs suchen, gezielt zu Fachkräften qualifiziert, so könnte die Fachkräftelücke um etwa 83.000 reduziert werden, rechnen die KOFA-Experten und -Expertinnen. Dies sei knapp ein Viertel der Stellen, für die eine Berufsausbildung erforderlich ist, aber keine passenden Arbeitslosen vorhanden sind. 

Die Lücken schließen 

Zur Einordnung: In Deutschland gibt es mehr als 400 Berufe, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen. In 64 dieser Berufe gibt es zusätzlich Helferberufe, die die Fachkräfte bei ihren Tätigkeiten unterstützen. In 16 dieser Berufe wiederum könnte die Fachkräftelücke durch eine Qualifizierung von An- und Ungelernten (deutlich) reduziert werden. Dies betreffe insbesondere Berufe im Verkauf, in der Lagerwirtschaft sowie bei Köchinnen und Köchen. In der Metallbearbeitung sowie im Bereich Maler- und Lackierer würde laut KOFA-Analyse die Fachkräftelücke sogar vollständig geschlossen, selbst wenn nur 15 Prozent der arbeitslosen Helfer und Helferinnen für eine Tätigkeit als Fachkraft qualifiziert würden.   

Wenig Chancen in Pflegeberufen 

Anders sieht es dagegen in Berufen mit einem extremen Fachkräftemangel aus: In der Altenpflege sowie der Gesundheits- und Krankenpflege würde selbst eine Qualifizierung aller arbeitslosen Helferinnen und Helfer nicht ausreichen, um den Fachkräftebedarf zu decken. Das Gleiche gilt in der Maschinenbau- und Betriebstechnik. 

Das KOFA-Autorenteam Sabine Köhne-Finster, Dr. Susanne Seyda und Jurek Tiedemann rät zu differenzierten Qualifizierungsstrategien, je nachdem, wie die Beschäftigtenstruktur aussieht. Wo es verhältnismäßig viele jüngere Personen gibt, sollten reguläre oder assistierte Ausbildungen gewählt werden. Bei älteren Beschäftigten böten sich eher Teilqualifikationen an. Wo es viele Teilzeitbeschäftigte gebe, seien auch Ausbildungen in Teilzeit eine sinnvolle Alternative. Bei einem hohen Anteil an ausländischen Helferinnen und Helfern wiederum sollte geprüft werden, welche Möglichkeiten für die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen bestehen. 

Handlungsoptionen für Unternehmen 

Unternehmen, die aktuell oder perspektivisch Bedarf an qualifizierten Beschäftigten haben, raten die KOFA-Experten vorausschauend zu prüfen, inwieweit bereits im Unternehmen beschäftigte Helferinnen und Helfer durch Qualifizierung diesen Bedarf decken können. Geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für eine Aus- oder Weiterbildung sollten innerhalb des Unternehmens identifiziert und gezielt angesprochen werden. Für sie sollten dann passende Qualifizierungsmaßnahmen ausgewählt werden. Dies könnten aufgabenspezifische Schulungen oder Anpassungsqualifizierungen sein, durch die An- und Ungelernte die Ausübung spezieller Aufgaben erlernen. Auch berufsabschlussfähige Teilqualifikation sind eine Option, durch sie werden einzelne Teile oder Module einer Berufsausbildung erworben.  

Eine weitere Empfehlung ist der Einsatz digitaler Lernangebote für die Weiterbildung von Helferinnen und Helfern. Diese sollten in einem ersten Schritt auch die Selbstlernkompetenz, die An- und Ungelernte häufig nicht haben, aufbauen. 

Unterstützung anbieten 

Beschäftigte, die eine Qualifizierung beginnen möchten, könnten von den Betrieben in vielerlei Hinsicht unterstützt werden, schreiben die KOFA-Fachleute. Die Fortbildungskosten, die durch Lehrgangs- und Prüfungsgebühren anfallen, könnten vollständig oder teilweise übernommen werden. Auch die Freistellung für die Zeit der Fortbildungsmaßnahmen ist eine wichtige Hilfe. Zudem könne persönliche Unterstützung wichtig sein, „da es sich bei An- und Ungelernten häufig um lernentwöhnte Personen handelt und solche, die negative Lernerfahrungen gemacht haben“.  

Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Talent & Learning sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis.