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Inklusionskrise: Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung steigt

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11,6 Prozent aller erwerbsfähigen Menschen mit Behinderung waren vergangenes Jahr arbeitslos. Das zeigen Zahlen des 13. Inklusionsbarometers Arbeit, das die Aktion Mensch jetzt veröffentlicht hat. In einer Pressemitteilung warnte Sprecherin Christina Marx vor dem Missstand: „Wir sehen uns mit einem drastischen Rückschlag für die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert.“ 

Neben der Zahl der Arbeitslosen werden beim Inklusionsbarometer weitere Aspekte untersucht und ein Indikator berechnet, der den aktuellen Grad der Inklusion von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt wiedergibt. Der Indikator wird über zehn Teilindikatoren basierend auf Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und der Integrationsämter berechnet und auf einer Skala zwischen 0 und 200 angegeben. Für den diesjährigen Barometer wurden jeweils die aktuellsten Daten verwendet, die zum Zeitpunkt der Erstellung vorlagen. Je nach Teilindikator sind es Statistiken aus 2023, 2024 oder 2025. 

In den zehn Teilbereichen gab es in manchen Punkten marginale Verbesserungen, beispielsweise bei der Dauer der Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen. Doch der Gesamtwert sank von 108,3 auf 107,6. Zur Einordnung: Liegt der Wert über 100, ist die aktuelle Lage besser als im Fünf-Jahres-Basiszeitraum 2006 bis 2010. Liegt der Wert unter 100, hat sich die Lage für Menschen mit Behinderung verschlechtert. 

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Häufiger und länger ohne Job 

1,6 Millionen Menschen mit Behinderung sind laut des Inklusionsbarometers nicht in den Arbeitsmarkt integriert. Im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung sind sie zudem im Schnitt 87 Tage länger auf Jobsuche und häufiger langzeitarbeitslos. Rund 44 Prozent aller arbeitslosen Menschen mit Behinderung fallen in diese Kategorie. Bei Menschen ohne Behinderung sind es nur rund 35 Prozent.  

Gemäß § 154 SGB IX müssen private und öffentliche Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen wenigstens 5 Prozent der Arbeitsplätze an Menschen mit Behinderung vergeben. Lediglich rund 39 Prozent aller Unternehmen kommen dieser Pflicht aktuell nach. Derzeit gibt es 47.000 Arbeitgeber, die gar keine Menschen mit Behinderung angestellt haben. Dafür müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen, die zuletzt erhöht wurde.

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Rekordhoch bei Arbeitslosigkeit 

Doch dies zeigte keine Wirkung, schreibt Sascha Decker, Mitglied der Geschäftsleitung von Aktion Mensch, im Vorwort des Reports. Die Einstellungsquote von Menschen mit Behinderung sei auf dem niedrigsten Stand seit Anfang der Erhebungen. Im Report selbst wird das Rekordtief mit der Verzögerung erklärt, mit der behinderte Menschen die Veränderungen am Arbeitsmarkt zu spüren bekommen, im positiven wie im negativen Sinne. So ist der allgemeine Abschwung der Konjunktur nun auch hier angekommen.  

Christina Marx zeigt sich in seinem Statement nicht überrascht: „Von Chancengleichheit sind wir meilenweit entfernt.“ Sie schreibt den Unternehmen einen regelrechten Widerstand zu, Menschen mit Behinderung einzustellen und appelliert and die gesellschaftliche Verantwortung: „Gerade in Zeiten, in denen nicht nur Werte wie Vielfalt, sondern auch grundlegende Menschenrechte wie Inklusion von Teilen unserer Gesellschaft offen in Frage gestellt werden.“ 

Stattdessen besorgt folgende Kennzahl: die Anzahl der Anträge auf Kündigung Schwerbehinderter bei den Integrationsämtern. Sie liegen mit 22.288 erneut höher als im Vorjahr (21.369); der Indikatorwert verschlechtert sich von 118,9 auf 115,4. 

Was können Unternehmen tun? 

Interessierte Unternehmen können sich bei der Aktion Mensch zum Thema Verbesserung der Inklusion am Arbeitsplatz beraten lassen. Die Sozialorganisation hat mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung gemeinsam eine Broschüre entwickelt, die hier heruntergeladen werden kann. Christina Marx weist zudem auf die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) hin, die es seit 2022 gibt. Listen mit regionalen Ansprechstellen finden sich im Netz, beispielsweise hier auf der Webseite des Landesverbands Rheinland.

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Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.