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Reformierte Kirche Langenthal: Per Jobcast auf Spotify zum neuen Pfarrer

Die
Stellenausschreibung der Reformierten Kirche Langenthal klingt wie die eines
jungen Start-ups, das nach einem “Feel Good Manager” sucht. Mit einem
Augenzwinkern und einem Podcast auf Spotify hofft die Kirchengemeinde, einen
neuen Pfarrer oder neue Pfarrerin zu finden.

Pfarrer Stephan Bösiger während der Podcast-Aufnahme mit Radio-Moderator Marc Jäggi. (Foto: Reformierte Kirche Langenthal)
Pfarrer Stephan Bösiger während der Podcast-Aufnahme mit Radio-Moderator Marc Jäggi. (Foto: Reformierte Kirche Langenthal)

Sich abheben – im Marketing eine beliebte Strategie. Auch im
Personalmarketing ist damit oft schon einmal der erste Schritt geschafft: Aufmerksamkeit
generieren. Das dürfte bei der reformierten Kirche Langenthal aus der Schweiz funktioniert
haben. Denn sie geht für die Suche nach einem weiteren Pfarrer oder einer
Pfarrerin sehr viel modernere Wege, als man es von der Kirche gewohnt ist. Die Gemeinde
wirbt dafür auf Spotify mit einem Job-Podcast, kurz Jobcast. In dem “himmlisch
guten” Jobinserat – wie die Kirche es selbst bezeichnet – heißt es: “In
verschiedenen Medien haben wir mit kleinen Werbeinseraten für diese Stelle
talentierte ‚Community Manager’ und ‚Influencer/-innen’ angesprochen. Wir
können uns lebhaft vorstellen, dass dir dabei spontan: ‚geht‘s eigentlich noch?’
durch den Kopf gegangen ist, oder vielleicht sogar weniger Druckreifes.
Verstehen wir, wobei: So daneben sind die Berufsbezeichnungen nicht.” Wir haben
mit Pfarrer Stephan Bösiger, der die Idee umgesetzt hat, über die Aktion
gesprochen.

Personalwirtschaft: Herr Bösiger, wie
sind sie darauf gekommen, nicht nur per klassischer Stellenanzeige nach einem
neuen Pfarrer oder einer neuen Pfarrerin zu suchen, sondern auch mithilfe eines
Podcasts?

Stephan Bösiger: Eine Stellenanzeige muss sich abheben, um
nicht in der Masse unterzugehen. Darum haben wir uns für die Kombination von
etwas provokativen Online-Anzeigen und Podcast entschieden. Das Format eines
Podcasts erlaubt es zudem, ein umfassenderes Bild der Arbeitsstelle zu
zeichnen, ohne den großen Aufwand einer professionellen Videoproduktion stemmen
zu müssen. Der Podcast bietet hier ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis und weckt
die Neugierde. Eine Stellenanzeige muss außerdem das Zielpublikum im Auge
haben. Da wir jemanden mit Affinität zu den digitalen Medien suchen, war für
uns klar, dass es ein Widerspruch wäre, ein traditionelles Print-Inserat zu
schalten.

Sie wurden von einem
Personalexperten beraten, der sagt: “Ein Podcast kann recht einfach ohne Bilder
Bilder im Kopf der Stellensuchenden zaubern.” Warum wollten Sie sich für die
Stellensuche einen Experten von außen dazu holen?

Es war zunächst der Wille, als Kirchgemeinde im Aufbruch neue
Wege auszuprobieren. Da ist es hilfreich, mit einem engagierten Personalexperten
eine völlige Außenperspektive beizuziehen, um sich nicht in den ewiggleichen
Floskeln zu verlieren. Jörg Buckmann, Geschäftsführer einer Personalberatung in
Zürich, war dabei ein echter Glücksfall. Dass auch er sich auf das Experiment
eingelassen hat, war für uns eine große Motivation.

Haben Sie neben
Podcast-Plattformen wie Spotify weitere (Soziale) Medien eingesetzt?

Neben den berufsspezifischen Stellenplattformen und der
Homepage nutzen wir Instagram und Facebook, um die Stelle zu bewerben. Das große
Medienecho tut sein Übriges.

Welche Reaktionen
erhielten Sie bisher, zum Beispiel aus der Gemeinde?

Die Reaktionen sind durchs Band positiv überrascht.
Besonders das große Medienecho hat aber auch uns überrascht. Wir haben mit der
ungewöhnlichen Stellenausschreibung drei Stoßrichtungen: Zunächst wollen wir
natürlich die Stelle bestmöglich besetzen. Dann wollen wir auch ein
Aufbruchs-Signal in die Gemeinde und die Gesellschaft senden und letztlich
wollen wir den Geist des Aufbruchs auch unter den Mitarbeitenden weiter
stärken. Die letzten beiden Punkte haben sich sicher erfüllt. Wie wir die
Stelle besetzen können, wird sich in einem Monat zeigen.

Wie zeitaufwändig war
die Produktion des Jobcasts für Sie?

Wir haben im März mit der Planung der Ausschreibung begonnen
und brauchten einen Monat bis zur Publikation.

Sie beschreiben die Stelle
auch als “Community Manager” und “Influencer/-innen”. Wieso?

Die Begriffe sind mit einem Augenzwinkern zu verstehen, das
wird in der Stellenausschreibung auch aufgelöst. Aber im Ernst: Natürlich soll
die neue Pfarrerin als Influencerin – aber im besten Sinn des Wortes, nicht im
abgedroschenen Sinn – ihre persönliche Meinung einbringen und das Gemeindeleben
aktiv mitgestalten. Dazu muss sie so etwas wie ein Community Manager sein, sich
konstruktiv in der Gestaltung der Gemeinschaft engagieren.

Planen Sie den
Podcast weiterhin zur Personalsuche oder für andere Zwecke zu nutzen?

Ein Podcast ist ein hervorragendes Medium, um auch einen
sphärischen Eindruck einer Arbeitsstelle zu zeigen, aber auch um religiöse und
gesellschaftliche Themen zu bearbeiten. Mit dem Jobcast haben wir den Aufbruch
gewagt, aber wir sind noch lange nicht am Ziel.

Hören Sie selbst
Podcasts?

Ja, regelmäßig. Hauptsächlich ausgewählte Radiosendungen. Im
Auto, in der Bahn, eben mal zwischendurch oder vorhin beim Bügeln.

Hier geht’s zum Job-Podcast der reformierten Kirche
Langenthal – reinhören lohnt sich.