In schwierigen Zeiten sind auch mittelprächtige Nachrichten ein gern gesehener Lichtblick. Das gestern veröffentlichte Beschäftigungsbarometer des Ifo-Instituts könnte solch ein zarter Silberstreif sein. Denn offenbar sinkt die Zahl der Unternehmen in Deutschland, die Stellen abbauen wollen. Das Barometer stieg im Mai auf 95,2 Punkte, nach 94,0 Punkten im April. „Der Arbeitsmarkt zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung“, erklärt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. „Ob daraus eine echte Trendwende wird, hängt maßgeblich von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab.“
Frühindikator Zeitarbeit
Nicht gerade als Orakel, aber doch als Frühindikator für den Wirtschaftskurs gilt allgemein die Zeitarbeitsbranche. Klar ist: Zieht die Konjunktur an, steigt auch der Bedarf an Arbeitskräften zur Abarbeitung von Auftragsspitzen, was vielfach mit flexiblen Beschäftigungsmodellen aufgefangen wird. Wie also sieht man in der Zeitarbeit die aktuellen Ifo-Zahlen?
Bestenfalls verhalten optimistisch zeigt sich der Gesamtverband der Personaldienstleister (GVP). „Auch wenn sich der negative Trend jüngst leicht abgeschwächt hat, bleibt die Tendenz noch immer negativ“, sagt GVP-Sprecher Wolfram Linke. Die Zahl der bei Zeitarbeitsunternehmen angestellten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten habe sich von 558.400 im Januar 2025 auf 553.800 im Februar 2025 verringert, das ist ein Rückgang um 0,8 Prozent. Immerhin habe sich der saisonbereinigte Rückgang in den vergangenen vier Monaten kontinuierlich abgeschwächt, so Linke.
Rüstungsindustrie stellt ein
Offenbar spielt neben der konjunkturellen Entwicklung zunehmend auch die politische Großwetterlage eine wichtige Rolle – wie die Nachfrage nach Zeitarbeitspersonal aus dem Bereich Militär zeigt. „Im April 2025 wurden hier mehr als 12.000 Stellen neu gemeldet, während im Vormonat als auch im Vorjahresmonat noch nahezu keine Stellenmeldungen vorlagen“, so Linke.
Insgesamt jedoch sei die Geschäftslage von Personaldienstleistern im Mai 2025 von einem bereits niedrigen Niveau nochmals leicht gesunken. Der auf den Ifo-Konjunkturumfragen basierende Geschäftslageindikator der Branche fiel von minus 38,8 Punkten im April 2025 auf minus 40,4 Punkte im Mai 2025. „Die Erwartungen von Personaldienstleistern liegen zwar weiterhin im negativen Bereich, haben sich jedoch zuletzt erkennbar verbessert“, heißt es beim Verband. Die Beschäftigtenerwartungen, so erläutert der GVP-Sprecher, näherten sich dem neutralen Bereich, in dem Personaldienstleister keine weiteren Rückgänge, sondern eine Stagnation der Beschäftigtenzahlen erwarteten. Auch bei den Umsatzerwartungen zeigte sich im Mai eine Verbesserung, obwohl der Pessimismus weiterhin überwiegt: Der Indikator verbesserte sich von minus 37,9 auf minus 15,3 Punkte.
Die Politik spielt nicht nur für die Beschäftigungslage in der Rüstungswirtschaft eine wichtige Rolle. Durch eine „förderliche Wirtschaftspolitik zur Stärkung inländischer Investitionen“, so Linke, könne auch die Nachfrage nach Zeitarbeitskräften spürbar zunehmen. Besondere Hoffnung setzt er in die geplanten Infrastrukturinvestitionen der neuen Bundesregierung. Diese hätten das Potenzial, die Binnennachfrage in Deutschland zu stärken und die deutsche Wirtschaft wieder auf den Wachstumspfad zu bringen.
Dienstleister stellen ein
Und wie sieht es jenseits der Zeitarbeit aus? Positive Zahlen verzeichnet laut dem Ifo-Beschäftigungsbarometer schon jetzt der Dienstleistungssektor. Insbesondere in der Finanz- und Versicherungswirtschaft, im Grundstücks- und Wohnungswesen sowie bei „Vermietern beweglicher Sachen“, also zum Beispiel Autos, wird wieder eingestellt.
In der Industrie ist das Barometer zwar zum fünften Mal in Folge gestiegen. Trotzdem bauen die Unternehmen weiterhin mehrheitlich Stellen ab. Besonders stark im negativen Bereich zeigte sich dabei das verarbeitende Gewerbe – gerade Hersteller von Textilien und Bekleidung sowie Möbelbauer reduzieren nach wie vor ihren Personalbestand erheblich. Das Gleiche gilt für Unternehmen der Metallerzeugung und -bearbeitung.
Unschöner Fakt ist auch: In den Kernbranchen der deutschen Industrie, der Automobilbranche und dem Maschinenbau, wird nach wie vor Personal verringert. Der Personalabbau schwächt sich zwar ab, die Gesamtbilanz ist jedoch nach wie vor negativ. Auch im Handel sowie der Baubranche überwiegt weiterhin der Abbau von Stellen.
Info
Das Ifo-Institut
Das Ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (die Abkürzung ifo steht für Information und Forschung) ist eine volkswirtschaftliche Forschungseinrichtung. Sie ist mit der Ludwig-Maximilians-Universität München verbunden. Bekannt ist das Institut für die monatliche Ermittlung des Ifo-Geschäftsklimaindex, eines Frühindikators für die deutsche Wirtschaft und für seine Konjunkturprognosen. Weitere Forschungsbereiche beschäftigen sich mit Themen wie etwa Bildungsökonomik, Außenwirtschaft, Energie, Klima und Ressourcen und sozialer Marktwirtschaft. Das Institut wird von Präsident Clemens Fuest geleitet.
Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Forschung & Lehre sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis.

