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Vorbilder für LGBT*IQ- Akzeptanz in Arbeitswelt ausgezeichnet

Immer noch nur eine Minderheit der LGBT*IQ-Community outet sich auf der Arbeit. (Foto: cunaplus_Adobe Stock)
Immer noch nur eine Minderheit der LGBT*IQ-Community outet sich auf der Arbeit. (Foto: cunaplus_Adobe Stock)

Sie sorgen dafür, dass queere Menschen auf der Arbeit mehr akzeptiert werden: Mitglieder und Förderer von LGBT*IQ-Communities (lesbisch, schwul, bi-, trans- und intersexuell sowie queer) in der Arbeitswelt sind von der Stiftung Prout at Work für ihr besonderes Engagement und ihre Vorbildfunktion als “Prout Performers 2021” ausgezeichnet worden.

Personalerinnen und Personaler wurden vor allem in der Kategorie “Executive Allies”, einflussreiche Verbündete der LGBT*IQ-Community, für ihren Einsatz für queere Mitarbeitenden geehrt. Den ersten Platz in dieser Sparte erhielt Andrea Euenheim, Chief Human Recources Officer und Arbeitsdirektorin bei der Metro AG. Euenheim ist Sponsorin des unternehmensinternen Mitarbeiternetzwerks “Metro Pride”. Zudem bezieht die CHRO intern und extern zu für queere Menschen relevanten Themen Stellung und ist Schirmherrin für interne Events für die Community. Ihr Ziel ist es auch, den Metro-Pride-Ansatz global auszurollen. Den zweiten Rang in der Kategorie “Executive Allies” hat Martin Seiler, CHRO der Deutschen Bahn inne. Sein Ziel: verschiedene Gruppen zusammenzubringen, damit sich diese gegenseitig inspirieren. Für ihn stehe immer der Mensch im Zentrum – alles andere sei zweitrangig.

Als Allies der LGBT*IQ-Communities wurden auch Immanuel Hermreck, Vorstand Personal Bertelsmann, und Filiz Albrecht, Geschäftsführerin und Arbeitsdirektorin bei Robert Bosch, ausgezeichnet. Hermreck setzte Diversity, Equity und Inclusion  erstmals auf die Konzernagenda bei Bertelsmann und ist Sponsor des LGBT*IQ-Netzwerks “be.queer”. In diesem Rahmen tausche er sich auch regelmäßig mit Netzwerk-Mitgliedern aus, um Anregungen für eine queer-sensible Weiterentwicklung der Personalarbeit zu erhalten. Filiz Albrecht ist bei Bosch Schirmherrin für das interne LGBT*IQ-Netzwerks und setzt sich für eine diverse und wertschätzende unternehmensinterne Arbeitskultur über die Ländergrenzen hinweg ein.

LGBT*IQ-Menschen Sichtbarkeit zu geben

In den anderen Kategorien vertritt nur ein Personaler HR: Nikita Baranov ist Executive Assistant von Allies-Preisträgerin Andrea Euenheim. Er tritt offen als schwul auf und ist Co-Sprecher von Metro Pride. Baranov engagiert sich dafür, Arbeitsplätze weltweit diskriminierungsfrei zu gestalten und wurde deshalb von der Jury als die zweiwichtigste Prout Voice 2021 ausgezeichnet. Platz eins ging in dieser Kategorie an Angela Andresen von Compliance bei der Commerzbank ergattert. Die lesbische Frau hat nach eigenen Angaben vor mehr als 15  Jahren angefangen bei der Commerzbank zu arbeiten, weil es dort das LGBT*IQ-Netzwerk Acro gibt. Heute ist sie selbst Sprecherin des Netzwerks, veranstaltet eine Ladies Lunch Reihe für Frauen-liebende Frauen und ist Teil des Organisationsteams für die netzwerkübergreifende Linkedin-Gruppe LGBT*IQ Business Ladies.

Als “Prout Executive 2021” wurde die Trans-Frau Sabine Bolz, Geschäftsführerin bei G+H Isolierung geehrt. Sie hat laut der Jury einen großen Vorbild-Charakter für die gesamte queere Community und helfe somit dabei, bestehende Hemmschwellen und Ängste von LGBT*IQ-Menschen hinsichtlich eines Outings zu verringern – gerade auch Führungskräften. In der Welt der kleinen und mittelständigen Unternehmen kämpft laut der Prout-Performer-Jury vor allem Kathrin Mahler Walther, Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied des unabhängigen Beratungs- und Forschungsinstituts für Diversity & Inclusion (EAF Berlin), für die Akzeptanz von queeren Menschen. Auch ausgezeichnet wurden der Leiter der Tagesthemen Helge Fuhst, der als schwuler Mann ein Vorbild für Diversität in den Medien ist, und Leutnant Sven Bäring, der als queerer und schwuler Mensch und Vorsitzender von QueerBw, dem queeren Netzwerk der Bundeswehr, sicherstellt, dass eine 24-Stunden-Hotline für queere Angestellte der Bundeswehr besteht. Ebenfalls geehrt wurde der Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg (FDP), der sich dafür einsetzt, dass queere Themen und Ansichten in den politischen Debatten mitberücksichtigt werden.

Nur wenige outen sich auf der Arbeit

“Die Prout Performer zeigen, dass eine Karriere im Unternehmen unabhängig von der sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität oder dem geschlechtlichen Ausdruck möglich ist”, sagt Albert Kehrer, der gemeinsam mit Jean-Luc Vey 2013 die Initiative Prout at Work gründete und Coach für Diversity-Management ist. Diese Sichtbarkeit sei nötig. Denn eine Studie von Dominic Frohn aus dem Jahr 2017 zeige, dass sich gerade einmal rund 30 Prozent der LGBT*IQ-Mitarbeitenden im Beruf outen. 79 Prozent von ihnen erlebten tagtäglich Diskriminierung am Arbeitsplatz. Die Jury für die “Prout Performers” bestand aus Mitgliedern der Initiative und Personen aus der deutschen Arbeitswelt, die sich in ihrem Alltag mit dem Thema Diversität beschäftigen.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.