Weniger Menschen mit Behinderung sind arbeitslos

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Menschen mit Behinderung werden verstärkt Teil des deutschen Arbeitsmarktes. Das zeigt das Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Instituts. Arbeitslos waren 2022 demnach nur 11 Prozent von ihnen – ein Tiefstwert seit dem Bestehen des Barometers im Jahr 2013 und eine Verringerung um 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Von den besagten, behinderten Arbeitslosen gelten 46 Prozent von ihnen als langzeitarbeitslos. Im Vergleich zur generellen Arbeitslosenquote von aktuell rund 5 Prozent ist die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung dennoch hoch.

Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung unterlag in den vergangenen Monaten allerdings Schwankungen. Reduzierte sie sich 2022 im Vergleich zum Vorjahr noch um 5 Prozentpunkte auf 11 Prozent, ist sie im April 2023 schon wieder gestiegen und folgt seitdem diesem Trend. Den Grund dafür vermuten die Studienverfasserinnen und -verfasser im konjunkturellen Abschwung, in dem sich die deutsche Wirtschaft aktuell befindet.

Viele Unternehmen zahlen lieber Ausgleichsabgabe

Zurück zu den Ergebnissen für 2022: Obwohl die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderung gesunken ist, halten sich scheinbar immer weniger Unternehmen an die Fünf-Prozent-Regel zur Integration von Menschen mit Behinderung. Fast 175.000 von ungefähr 3 Millionen Unternehmen in Deutschland sind dazu verpflichtet, mindestens 5 Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung zu besetzen. Verpflichtet sind private und öffentliche Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen. Nur 39 Prozent kommen dieser Aufforderung nach – ein Rückgang von 0,5 Prozentpunkten. Der Rest zahlt stattdessen Ausgleichsabgaben. Zudem beschäftigte 2022 jedes vierte Unternehmen überhaupt keine Menschen mit Behinderung.

Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch, weist auf ein scheinbares Paradoxon hin: „Wie können Unternehmen es sich in Zeiten des immer brisanter werdenden Fachkräftemangels leisten, so leichtfertig auf die Potenziale von Inklusion zu verzichten?“ An der Qualifizierung der Arbeitskräfte kann es ihr zufolge nicht liegen: „Wir wissen aus unserer Studienarbeit, dass es unter Menschen mit Behinderung gut qualifizierte Fachkräfte gibt.“ Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IWD) konkretisieren die Qualifikation von Menschen mit Behinderung: 49 Prozent der arbeitslosen, schwerbehinderten Menschen haben eine betriebliche oder schulische Ausbildung – bei arbeitslosen Menschen ohne eine Behinderung sind es mit 34 Prozent etwas weniger. Das IWD schreibt: „Wenn es um Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung geht, wird in der Öffentlichkeit oft über Arbeitskräfte aus dem Ausland diskutiert. Um Inklusion geht es eher selten.”

Info

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.