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Knapp jeder zweite Arbeitnehmer bekommt Urlaubsgeld

In Deutschland bezieht im Schnitt fast zweite Beschäftigte in privatwirtschaftlichen Unternehmen Urlaubsgeld. Der Bezug dieser Gratifikation hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, der wichtigste ist die Tarifbindung des Betriebs.

Urlaubsgeld
Etwas weniger als die Hälfte der Deutschen bekommt vom Arbeitgeber eine Urlaubsgratifikation. Foto: © Alexander Raths-stock.adobe.com

Eine Online-Befragung des Internet-Portals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird, zeigt, dass 46 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande ein Urlaubsentgelt erhalten. In Unternehmen ohne Tarifvertrag kommt allerdings nur etwa jeder Dritte in den Genuss dieser Zusatzleistung.

Auch Unternehmensgröße spielt wichtige Rolle für das Urlaubsgeld

Für seine aktuelle Untersuchung zum Thema Urlaubsgeld hat Lohnspiegel.de von Mai 2020 bis Ende April dieses Jahres die Angaben von mehr als 57.000 Beschäftigten ausgewertet. Danach bekommen fast drei Viertel (73 Prozent) der Befragten aus Unternehmen mit Tarifbindung Urlaubsgeld, während von den Beschäftigten aus Betrieben ohne Tarifvertrag lediglich 35 Prozent von dieser Vergünstigung profitieren. Daneben spielen weitere Faktoren für die Zahlung dieses Zuschusses eine Rolle. Der zweitwichtigste Aspekt ist die Unternehmensgröße: In Firmen mit über 500 Mitarbeitern erhalten 62 Prozent die Gratifikation. In Unternehmen mit 100 mit 500 Beschäftigten sind es noch 52 Prozent und in Betrieben unter 100 Mitarbeitern erfreut sich nur gut ein Drittel (36 Prozent) dieser Zusatzleistung. Auch hier spielt die Tarifbindung eine Rolle, denn große Unternehmen sind häufiger tarifgebunden als mittlere und kleine.

Unterschiede zwischen Ost und West sowie Mann und Frau

Ein deutliches Gefälle zeigt außerdem der Vergleich zwischen den westlichen und östlichen Bundesländern; nach wie vor sind Mitarbeiter im Osten benachteiligt. So erhält im Westen fast jeder zweite Arbeitnehmer (49 Prozent) Urlaubsgeld, im Osten jedoch nur jeder Dritte (33 Prozent). Laut Lohnspiegel.de ist der Unterschied primär auf die wesentlich geringere Tarifbindung in den neuen Ländern zurückzuführen. Die Analyse stellt desweiteren geschlechtsspezifische Unterschiede fest: Von den Männern erhalten im Schnitt 49 Prozent die Sonderzahlung gegenüber 41 Prozent bei den Frauen.

Branche für die Höhe der Zusatzleistung maßgeblich

Was die Höhe des tarifvertraglich vereinbarten Urlaubsgeldes betrifft, hinkt Ostdeutschland in vielen Branchen ebenfalls noch dem Westen hinterher. Aber auch bundesweit zeigen sich im Branchenvergleich erhebliche Unterschiede. Die Spannbreite des tariflichen Urlaubsgeldes für Mitarbeiter in der mittleren Vergütungsgruppe reicht dieses Jahr von 155 Euro in der Landwirtschaft (Ostdeutschland) bis 2.558 Euro in der Holz und Kunstoff verarbeitenden Industrie (Westdeutschland). Zu den Spitzenreitern gehören außerdem die Papier verarbeitende sowie die Metall- und Druckindustrie, gefolgt vom Kfz- und Versicherungsgewerbe, dem Einzelhandel, dem Bauhauptgewerbe und der Chemischen Industrie. Ganz hinten rangieren neben der Landwirtschaft das Hotel- und Gaststättengewerbe und die Süßwarenindustrie.

Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist bekanntermaßen auch von der Corona-Krise in erheblichem Ausmaß betroffen. Unter den gegenwärtigen Bedingungen sei das Urlaubsgeld in diesem Jahr für viele Arbeitnehmer besonders wichtig, sagt Prof. Dr. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs:

Viele Beschäftigte hoffen, nach der langen Zeit des Lockdowns im Sommer wieder in den Urlaub fahren zu können. Aber nicht alle werden sich dies auch leisten können. Gerade im Niedriglohnsektor haben viele Beschäftigte in Kurzarbeit teilweise empfindliche Einkommenseinbußen hinnehmen müssen,

so Schulten. Wer jetzt Urlaubsgeld bekomme, könne sich glücklich schätzen.

Aktuelle Erhöhung des Urlaubsgelds in sieben Branchen

Aus der Auswertung geht hervor, dass sich das tarifliche Urlaubsgeld gegenüber dem Vorjahr in sieben von 22 untersuchten Branchen erhöht hat – insbesondere in denjenigen Branchen, in denen die Gratifikation als bestimmter Prozentsatz der Tarifentgelte festgelegt wird, wie zum Beispiel im Kfz-Gewerbe, in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie, im Einzelhandel und im Bauhauptgewerbe. Die Steigerung fiel zumeist zwischen 1,7 und drei Prozent aus und entsprach damit den allgemeinen Tariferhöhungen. Mit einem Plus von 5,9 Prozent verzeichnete das ostdeutsche Gebäudereinigerhandwerk den höchsten Zuwachs beim Urlaubsgeld. In diesem Fall wurde damit auch die Angleichung an das Westniveau erreicht.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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