Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Urlaubsgeld – wer es bekommt und wieviel

Sandstrand mit Liegestuhl und Muscheln sowie Holzbehälter mit Geldscheinen
Nicht jeder Arbeitnehmer hierzulande profitiert gleichermaßen vom Urlaubsgeld.
Foto: © Carmen 56/StockAdobe

Jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland erhält Urlaubsgeld. Ob Beschäftigte die Zusatzzahlung bekommen, hängt von mehreren Faktoren ab. Unternehmen mit Tarifvertrag zahlen fast doppelt so häufig Urlaubsgeld. Außerdem spielen Branche, Unternehmens- größe und die Region eine Rolle dafür, ob Beschäftigte in den Genuss der Urlaubsgratifikation kommen und in welcher Höhe sie gezahlt wird.

Von den Arbeitnehmern hierzulande, die in einem tarifgebundenen Unternehmen arbeiten, beziehen rund zwei Drittel (69 Prozent) Urlaubsgeld. Bei den Beschäftigten ohne Tarifvertrag ist es lediglich etwas mehr als ein Drittel (36 Prozent). Das geht aus einer aktuellen Online-Befragung des Internetportals www.lohnspiegel.de hervor, das vom Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Für die Analyse wurden die Angaben von mehr als 123 000 Beschäftigten aus dem Zeitraum von Anfang Januar 2018 bis Ende April 2019 ausgewertet. Beschäftigte in Unternehmen ohne Tarifbindung seien gleich doppelt im Nachteil, sagt Prof. Dr. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs, angesichts der Ergebnisse, zumal bei diesen Mitarbeitern schon die Grundgehälter unter dem entsprechenden Tarifniveau lägen.

Kleinbetriebe zahlen seltener Urlaubsgeld als große Unternehmen

In Kleinbetrieben mit weniger als 100 Mitarbeitern erhalten laut Befragung nur 37 Prozent Urlaubsgeld. In Unternehmen mit 100 bis 500 Beschäftigten liegt der Anteil bei 53 Prozent und in größeren Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern fällt er mit 61 Prozent am höchsten aus. Während in Westdeutschland fast jeder zweite Arbeitnehmer (49 Prozent) den Zuschuss bekommt, ist es in Ostdeutschland lediglich jeder dritte (35 Prozent). Das liegt laut Schulten an der geringen Tarifbindung im Osten und daran, dass dort weniger Großunternehmen angesiedelt sind.

Männer kommen öfter in den Genuss der Zusatzzahlung

Die Untersuchung zeigt auch, dass jeder zweite männliche Arbeitnehmer (50 Prozent) Urlaubsgeld erhält, aber nur 41 Prozent der weiblichen Beschäftigten. Hier wirke sich aus, dass in den Berufen mit einem hohen Männeranteil überdurchschnittlich häufig Urlaubsgeld gezahlt wird, so Schulten. Dazu gehören etwa Ingenieur- und andere technische Berufe. Am häufigsten mit 66 Prozent wird Urlaubsgeld in Chemie- und Metallberufen gezahlt. In Ingenieurberufen, in Logistik/Transport/Verkehr und im Handel bekommen jeweils 57 Prozent der Mitarbeiter den Zuschuss zur Urlaubskasse. Im Sozial- und Gesundheitsbereich bezieht lediglich jeder Dritte Urlaubsgeld, was laut WSI zum Teil damit zusammenhängt, dass sich die Arbeitsbedingungen dort am öffentlichen Dienst orientieren, wo seit einiger Zeit kein gesondertes Urlaubsgeld mehr gezahlt wird, sondern die Mitarbeiter am Jahresende nur noch eine Sonderzahlung erhalten. Auch im Bereich private Dienstleistungen, der einen hohen Frauenanteil aufweist, wird mit 32 Prozent seltener Urlaubsgeld gezahlt, ebenso im Bereich Medien/Gestaltung. Am Ende der Skala stehen Callcenter; dort bekommt nur jeder vierte Mitarbeiter (26 Prozent) Urlaubsgeld.

Die Höhe des Zuschusses variiert je nach Branche

Auch die Höhe des tarifvertraglich vereinbarten Urlaubsgeldes fällt je nach Branche und Region sehr unterschiedlich aus. Die Auswertung der mittleren Vergütungsgruppe zeigt, dass Mitarbeiter in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Westdeutschland mit 2450 Euro am meisten erhalten (Stand vom April dieses Jahres), gefolgt von Arbeitnehmern in der Papier verarbeitenden Industrie, der Metallindustrie, der Druckindustrie und dem Versicherungsgewerbe. Am wenigsten Urlaubsgeld bekommen Beschäftigte in der Süßwarenindustrie, im Hotel- und Gaststättengewerbe und in der Landwirtschaft: Beschäftigte in der Landwirtschaft in Ostdeutschland erhalten nur 155 Euro.

Gegenüber 2018 hat sich das tarifliche Urlaubsgeld in elf von 22 untersuchten Branchen erhöht. In der chemischen Industrie verdoppelte sich das Urlaubsgeld nahezu, ansonsten variierte die Steigerung zwischen einem und 8,7 Prozent.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

Ihre Meinung zählt!
An Nutzerbefragung teilnehmen & Prämie sichern
Jetzt mitmachen »
ihre meinung zählt!
An Nutzerbefragung teilnehmen & Prämie sichern
Jetzt mitmachen »