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Mitarbeiter-Benefits: Viel hilft viel, oder?

Welche Mitarbeiter-Benefits werden nach der Corona-Pandemie wichtig? (Foto: wladimir1804_Adobe Stock)
Welche Mitarbeiter-Benefits werden nach der Corona-Pandemie wichtig? (Foto: wladimir1804_Adobe Stock)

Firmenwagen, Obstkörbe oder Kicker in den Büros – all diese Benefits konnten während des Lockdowns und den damit verbundenen Homeoffice-Phasen nicht so intensiv von den Mitarbeitenden genutzt werden wie sonst. Solche Zusatz-Goodies haben daher wenig überraschend an Bedeutung verloren. Bleibt die Frage, welche Benefits die Mitarbeitenden zukünftig als wichtig erachten.

Zwar gibt es zahlreiche Studien, die versuchen, die Frage zu beantworten. Allerdings wies Shereen Alaa, Global Head of Total Rewards bei Henkel, im Rahmen des 5. Praxisforums Total Rewards darauf hin, dass die Antwort nicht gerade trivial ist.”Die Diversität der Mitarbeiterschaft muss auch bei den Benefits berücksichtigt werden”, sagte sie bei ihrem Vortrag. Denn die Bedürfnisse der Mitarbeitenden seien verschieden – auch weil sie sich in unterschiedlichen Lebensphasen befinden würden.

Differenziertes Angebot

Diese Ansicht vertreten auch Friedrich Villhauer und David Wambsganss. Die beiden sind Gründer vom Start-up Become1 (Eigenschreibweise become.1, d. Red.), einer App für Mitarbeiter-Benefits. Sie sind der Überzeugung, dass Arbeitgeber so viele Benefits wie möglich anbieten sollten und die Mitarbeitenden dann selbst aussuchen können, welche sie in Anspruch nehmen. “Das Benefits-System muss digital und flexibel sein sowie die individuellen Bedürfnisse aller Arbeitnehmer abdecken”, sagt Villhauer. Damit der Aufwand für HR nicht zu groß wird, könne mit unterstützender Software gearbeitet werden.

Gerade auch weil sich die Vorlieben der Mitarbeitenden entlang verschiedener Faktoren – Einkommen, Alter und Branche seien nur einige davon – unterscheiden. So würden sich Geringverdiener mehr über Bargeld sowie eine Beteiligung am Gewinn freuen und die junge Generation an Gastronomie-Rabatten sowie Fitness-Angeboten interessiert sein. Während im handwerklichen Bereich ebenfalls monetäre Benefits gut angenommen würden, lege der digitale Sektor Wert auf Bemühungen um eine gute Unternehmenskultur, hat David Wambsganss beobachtet.

Zwar lassen sich so Schwerpunkte und allgemeine Trends bei den Benefit-Vorlieben erkennen, teilweise befördert durch die Corona-Pandemie: “Aspekte rund um das Wohlbefinden der Mitarbeitenden haben an Wichtigkeit gewonnen”, sagt Emma Brennan, Director of International HR beim Recruiting-Software-Entwickler Bullhorn. Doch wie sich das Wohlbefinden steigern lässt, ist wiederum sehr individuell. Das Angebot von flexiblen Arbeitszeiten und -orten sowie unterschiedliche Gesundheitsmaßnahmen, wie Therapien und vom Unternehmen bezahlte Fitness-Angebote – und  natürlich  würden auch eine größere Palette an Weiterbildungen und mehr Sozialleistungen aus diesem Grund auf  große Beliebtheit stoßen, sagt Brennan.

Mit Lokalbezug

Dem schließt sich Startup-Gründer Villhauer an: “Es geht nun darum, Benefits anzubieten, die von den Mitarbeitenden wirklich gebraucht werden und die eine Art Grundlage für das eigene Arbeitsleben darstellen.” In diese Kategorie falle der Internetzuschuss, das Angebot flexibler Mobilitätslösungen oder der digitale Essenszuschuss. Nach der Corona-Pandemie sehen die App-Gründer auch einen Trend hin zu Kooperationen mit lokalen und regionalen Anbietern wie beispielsweise Gastronomen und Veranstaltern, um Mitarbeitenden Benefits bereitzustellen, die sie direkt in ihrem Umfeld einlösen können. Damit stellen Standort-individualisierte Angebote einen weiteren Zuschnitt auf den Mitarbeitenden vor Ort oder im Homeoffice dar.

Doch bei aller Liebe zum großen und diversen Angebot, sollte eines nicht vergessen werden: Eine zu große Auswahl kann die Mitarbeitenden überfordern. Christian Thomas, Leiter Compensation & Benefits bei der Deutschen Lufthansa, hat sich deshalb gemeinsam mit seinem Team gegen individuelle Goodies entschieden – wovon er beim Total Rewards Praxisforum erzählte. Eine zu große Differenzierung und Flexibilisierung könne schnell dysfunktional und zu komplex werden, da es zu viele Wahlmöglichkeiten gebe. “Wir wollen deshalb solide Benefits anbieten, bei denen die Mitarbeitenden darauf vertrauen können, dass das Unternehmen für eine verantwortungsvolle Versorgung sorgt”, sagt Thomas.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

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