Die hohen Inflationsraten haben nicht nur die Budgets von Unternehmen für Gehaltserhöhungen, sondern auch die Erwartungen von Beschäftigten diesbezüglich nach oben getrieben. Auch beeinflussen die jüngsten Tarifabschlüsse und der anhaltende Fachkräftemangel in vielen Branchen weiterhin die Gehaltsplanungen von Unternehmen und treiben die Löhne nach oben. Das belegt die Studie „Trends in Vergütung und HR 2023/2024“ der Unternehmensberatung Lurse.
Das Beratungsunternehmen befragt jährlich Personalverantwortliche von etwa 230 deutschen Unternehmen verschiedener Wirtschaftszweige zur Einkommensentwicklung und zu ihrer Budgetplanung für das Folgejahr. Die meisten Befragten sind große Mittelständler oder Konzerne: 57 Prozent beschäftigen mehr als 1.500 Mitarbeitende, ebenso viele erwirtschaften einen Jahresumsatz von über 500 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) sind tarifgebunden.
2023: Gehaltssteigerungen höher als erwartet
Auch 2023 stiegen die Gehälter der Beschäftigten stärker an als erwartet. Das war auch 2022 der Fall gewesen, als die Folgen der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs die Lohnpolitik der Unternehmen stark geprägt hatten. Hatten die Unternehmen für das Jahr 2023 insgesamt mit einem durchschnittlichen Erhöhungsbudget von 3,9 Prozent über alle Mitarbeitergruppen hinweg gerechnet, lag die Erhöhung tatsächlich mit 4,4 Prozent deutlich darüber. Nur im Top-Management blieben die Erhöhungen mit 3,5 Prozent im erwarteten Rahmen. Die stärksten Zuwächse – im Schnitt 4,6 Prozent – verbuchten die Beschäftigten in der Automobilwirtschaft. Ein Blick auf die Unternehmensgröße zeigt, dass in Unternehmen mit weniger als 500 Millionen Euro Jahresumsatz die Gehälter am stärksten stiegen (durchschnittlich um 4,9 Prozent).
Als Ursachen für die starken Gehaltssteigerungen gaben die Unternehmensvertreterinnen und -vertreter vor allem die anhaltend hohe Inflationsrate (47 Prozent) an. Etwa jeder Fünfte (17 Prozent) nannte aber auch den Fachkräftemangel als Grund. Zudem möchten viele Unternehmen ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern und haben daher die Gehälter erhöht.
Prognose 2024: Gehälter bleiben auf hohem Niveau
Wird sich diese Entwicklung im kommenden Jahr fortsetzen? In den Unternehmen herrsche mit Blick auf die Gehaltserhöhungsrunde 2024 noch Unsicherheit, heißt es bei der Unternehmensberatung. Für das kommende Jahr rechnen die befragten Unternehmen mit einer leicht abflachenden Kurve in der Gehaltsentwicklung und einer Erhöhung des Budgets um durchschnittlich 3,9 Prozent über alle Mitarbeitergruppen.
Die tarifgebundenen Firmen gehen von etwas niedrigeren durchschnittlichen Steigerungen aus (3,7 Prozent), die nicht-tarifgebundenen jedoch von etwas höheren (4,2 Prozent). Branchenspezifisch planen die Unternehmen der Elektrotechnik-, der Elektronik- und der Halbleiterindustrie mit 4,1 Prozent das höchste Gesamterhöhungsbudget ein. Von den niedrigsten Zuwächsen (3,6 Prozent) gehen Pharma-, Chemie- und Mineralölunternehmen aus. Die Analyse nach Unternehmensgröße ergab dagegen keine wesentlichen Unterschiede.
Inflationsausgleich vor allem für Geringverdiener
Interessant ist auch: Neben einem höheren Gehalt zahlten die meisten Unternehmen ihren Beschäftigten 2023 auch eine Inflationsausgleichsprämie. Nur 8 Prozent der Studienteilnehmenden haben keine gewährt und planen dies auch nicht. Die Mehrheit zahlte im Jahr 2023 zumindest einen Teil dieser Ausgleichszahlung. Bei der Hälfte der Unternehmen erfolgten die Zahlungen einheitlich über alle Mitarbeitergruppen hinweg. Machten Unternehmen jedoch Unterschiede, so erhielten die Bezieherinnen und Bezieher kleinerer und mittlerer Einkommen eine höhere P
Kirstin Gründel beschäftigt sich mit den Themen Compensation & Benefits, Vergütung und betriebliche Altersvorsorge. Zudem kümmert sie sich als Redakteurin um das Magazin "Comp & Ben". Sie ist redaktionelle Ansprechpartnerin für das Praxisforum Total Rewards.

