Fast ebenso viele Frauen wie Männer arbeiten – sie stellen rund 44 Prozent der Erwerbsbevölkerung. Die oberste Führungsebene in Unternehmen bildet das jedoch nicht ab – dort ist nicht einmal ein Drittel der Führungskräfte weiblich. Im Vergleich zu 2004 hat sich dieser Wert auch nur um drei Prozentpunkte verbessert. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die auf den Daten des IAB-Betriebspanels beruht, einer repräsentativen Befragung, an der jährlich gut 15.000 Betriebe teilnehmen.
Höherer Frauenanteil auf der zweiten Ebene
Auf der zweiten Führungsebene sieht die Geschlechterverteilung allerdings schon deutlich anders aus – dort sind Frauen mit 41 Prozent deutlich häufiger vertreten, dieser Anteil ist seit Jahren stabil. Die IAB-Wissenschaftlerin Iris Möller aus dem Forschungsbereich „Betriebe und Beschäftigung“ sieht verschiedene Gründe für das Stagnieren des Frauenanteils auf oberster Führungsebene: „Einer ist sicherlich, dass Frauen nach wie vor die Hauptlast bei der Betreuung von Kindern und der Pflege von Angehörigen schultern.“ Hinderlich seien auch nach wie vor existierende Stereotype, die Frauen bestimmte Verhaltensmuster zuweisen, zum Beispiel, dass sie nur eine geringe Karriereorientierung hätten. „Auch dass Frauen seltener Zugang zu den karriererelevanten Netzwerken haben, verringert ihre Chancen auf Toppositionen.“ Frauen arbeiteten in Deutschland sehr viel häufiger in Teilzeit als Männer, eben weil sie oft Kinder und Angehörige betreuen. Dies gelte nach wie vor als Hürde für eine Führungsposition, so Möller.
Große Unterschiede zwischen den Branchen
Deutliche Unterschiede hat die IAB-Studie zwischen Ost- und Westdeutschland gefunden – auf der zweiten Führungsebene sind demnach im Osten Frauen sogar leicht überrepräsentiert. Auch zwischen den verschiedenen Branchen sind die Unterschiede groß: So sind im Baugewerbe, im Bereich Verkehr und Lagerwirtschaft die Anteile von Frauen an Belegschaft und Führungspositionen zwar sehr gering – gemessen an der Beschäftigtenzahl sind Frauen jedoch auf der ersten Führungsebene überdurchschnittlich repräsentiert. Im Sektor Finanz- und Versicherungsdienstleistungen dagegen sind über die Hälfte der Beschäftigten Frauen. Ihr Anteil auf der ersten Führungsebene mit 16 Prozent und 32 Prozent auf der zweiten Führungsebene liegt über alle Branchen hinweg aber deutlich unter dem Durchschnitt.
Teilzeitanteil bei Führungskräften wächst
Knapp ein Viertel der privatwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ermöglichen es Führungskräften in Teilzeit zu arbeiten. Laut der IAB-Studie hat sich dieser Anteil seit 2014 um sieben Prozentpunkte erhöht. Während es damals häufiger Betriebe im Westen waren, die Führung in Teilzeit ermöglichten, lässt sich acht Jahre später kein Unterschied mehr zwischen West- und Ostdeutschland feststellen. Dieses Angebot werde durchaus genutzt, erklärt Susanne Kohaut, Ko-Autorin der IAB-Studie: „In deutlich über der Hälfte der Betriebe, die Führen in Teilzeit anbieten, wird von dem Angebot auch Gebrauch gemacht, im Westen etwas häufiger als im Osten. Wenn wir das auf alle Betriebe der Privatwirtschaft beziehen, bedeutet das, dass in 13 Prozent der Betriebe mindestens eine Vorgesetztenposition in Teilzeit ausgeübt wird.“ Dass die gesetzlichen Vorgaben zur Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte auch auf die Situation in kleinen und mittleren Betrieben abfärbt, erwarten die IAB-Wissenschaftlerinnen Kohaut und Möller nicht: „Da sind wir eher pessimistisch. Die Hoffnung, dass sich die gesetzlichen Vorgaben für große Unternehmen messbar auf die gesamte Privatwirtschaft auswirken, hat sich bislang nicht erfüllt.“
Christina Petrick-Löhr betreut das Magazinressort Talent & Learning sowie die Berichterstattung zur Aus- und Weiterbildung. Zudem ist sie verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft sowie den Deutschen Personalwirtschaftspreis.

