In der Probezeit haben Unternehmen und neue Mitarbeitende die Gelegenheit herausfinden, ob sie zueinander passen. Etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten hierzulande (53 Prozent) ist auch der Ansicht, dass diese Phase beiden Seiten nutzt. Mehr als jeder Dritte (38 Prozent) sieht darin allerdings mehr Vorteile für die Arbeitgeber und nur sieben Prozent denken, dass die Mitarbeitenden stärker von der Probezeit profitieren. Insgesamt machen die Deutschen unterschiedliche Aussagen zur Probezeit: Während viele lieber darauf verzichten würden, nutzen sie andere vermehrt zur beruflichen Orientierung. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage im Auftrag der Jobseite Indeed, an der im Februar dieses Jahres 1.000 Personen zwischen 18 und 65 Jahren teilgenommen haben.
Probezeit als Ausschlusskriterium
Die Probezeit darf in Deutschland bis zu sechs Monate dauern. Mit 42 Prozent sprechen sich die meisten Beschäftigten allerdings für eine Dauer von drei Monaten aus. Lediglich rund ein Fünftel (22 Prozent) hält ein halbes Jahr für sinnvoll. Weitere 22 Prozent finden bereits einen Monat oder zwei Monate ausreichend. Jeder Zweite gibt sogar an, dass eine zu lange Probezeit ein Ausschlusskriterium darstellt, einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. 52 Prozent würden sich nach eigener Aussage eher auf eine Stelle bewerben, wenn sie ohne Probezeit ausgeschrieben wäre.
Frauen und Jüngere in der Bewährungsfrist gestresst
Dass fast die Hälfte der Deutschen am liebsten auf die Probezeit verzichten würde, liegt vermutlich daran, dass diese Bewährungsfrist für fast ebenso viele (49 Prozent) mit Stress verbunden ist, weil sie sich in dieser Zeit verstärkt unter Beobachtung fühlen. Von den Frauen geben dies sogar 55 Prozent an und auch das Alter spielt eine Rolle: In der jungen Generation Z verbinden 51 Prozent die Probezeit mit Stress, während der Anteil bei den 45- bis 65-Jährigen mit 46 Prozent niedriger ausfällt. Insgesamt sagt weniger als ein Drittel (31 Prozent), sich in dieser Phase nicht beobachtet zu fühlen. Außerdem gibt jeder Fünfte (21 Prozent) an, während einer erlebten Probezeit klare Erwartungen und Ziele seitens des Arbeitgebers vermisst zu haben. Immerhin gut die Hälfte (53 Prozent) war jedoch darüber informiert.
Steigende Tendenz zur Kündigung in der Probezeit bei Beschäftigten
Gefragt danach, ob sie in der Probezeit auch Vorteile für Beschäftigte sehen, zum Beispiel kürzere Kündigungsfristen oder Flexibilität, antworteten zwei Drittel (65 Prozent) mit „ja“ oder „eher ja“. Ein Fünftel (20 Prozent) sieht das neutral und nur 13 Prozent verneinen dies. Ein Drittel der Deutschen (34 Prozent) hat auch schon einmal während der Probezeit den Job gekündigt. Mit 33 Prozent haben die meisten von ihnen innerhalb der letzten drei Jahre die Kündigung eingereicht, bei 31 Prozent war das in den sechs vergangenen Jahren der Fall und bei 27 Prozent in den letzten zehn Jahren. Die Tendenz zeigt also zu einer gestiegenen Bereitschaft, das Unternehmen schon während der Probezeit zu verlassen.
Laut Indeed könnte die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt diesen Trend bestärken. Insgesamt beurteilen 41 Prozent die allgemeine Arbeitsmarktlage in ihrem beruflichen Umfeld als positiv, 31 Prozent als neutral und 24 Prozent als negativ. Etwa jedem Zweiten (52 Prozent) derjenigen, die die Arbeitsmarktlage als positiv bewerten, würde aktuell die Entscheidung leichter fallen, in der Probezeit zu kündigen. Nur In Fünftel (20 Prozent) stimmt nicht zu und rund ein Viertel (26 Prozent) sieht das neutral. Nach Ansicht von Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed in der DACH-Region, nutzen viele Beschäftigte vermehrt die Flexibilität der Probezeit, um sich neu zu orientieren, wenn ihnen der Job und das Arbeitsumfeld nicht zusagen.
Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

