Frau Daweke, Frau Erben …
Nina Daweke: Lass uns gerne Du sagen, wenn wir schon über unsere Unternehmenskultur und Employer Brand sprechen …

Gerne. Also: Nina, Sina, die Westenergie-Gruppe hat ihren Hauptsitz in Essen. Westnetz, das Tochterunternehmen, bei dem ihr beide arbeitet, sitzt in Dortmund. Welche Rolle spielt das Ruhrgebiet bei der Positionierung als Arbeitgeber?
Nina: Auch wenn unser Unternehmen in einer deutlich größeren Region als dem Ruhrgebiet aktiv ist – von Niedersachsen bis Rheinland-Pfalz, um genau zu sein – liegt einer unserer Schwerpunkte schon dort. Vor allem aber passt das Ruhrgebiet zu unserer Unternehmenskultur und unserer Arbeitgebermarke „Du. Mit uns.“.
Das musst du erklären!
Nina: Ein großer Bestandteil unserer Kultur ist es, die Menschen so zu nehmen, wie sie sind. Kommunikation auf Augenhöhe zu betreiben, zum Beispiel durch das Du. Eine gute, konstruktive und manchmal direkte Feedbackkultur zu betreiben – das trifft man bei uns an. Und das ist etwas, das typisch ist für das Ruhrgebiet.
Sina Erben: Dazu kommt, dass es uns wichtig ist, an allen Standorten vor Ort vernetzt zu sein. Denn wir müssen ja als Netzbetreiber zum Beispiel eng mit den Kommunen zusammenarbeiten. Das gilt allerdings nicht nur für das Ruhrgebiet, sondern überall.
Info
Nina Daweke und Sina Erben kümmern sich mit ihrem Team um das Personalmarketing und die Personalbindung bei Westnergie und Westnetz. Wie sie vorgehen, darüber sprechen sie auch auf der Schicht im Schacht. Die Recruitingkonferenz, bei der die Personalwirtschaft Medienpartner ist, findet am 3. Mai zum zweiten Mal im Landschaftspark Nord in Duisburg statt. Hier geht es zum Programm.
Schwerpunkte beim Personalmarketing legt ihr unter anderem auf den Profisport.
Sina: Genau. Als Sponsor etwa des Fußball-Bundesligisten SGS Essen sind wir bereits seit längerer Zeit aktiv. Zusätzlich haben wir gemerkt, dass Athletinnen und Athleten aus dem Leistungssport super zu uns passen und Kolleginnen und Kollegen sind, die sich gerne mit vollem Engagement bei uns einbringen. Auch, weil wir ihnen Benefits, zum Beispiel Blockteilzeit, anbieten können, die ihnen eine entsprechende Work-Life-Sport-Balance ermöglichen. Dadurch können wir bei ihnen punkten, und das machen wir gerne.
Auch im Gaming seid ihr aktiv.
Nina: Genau. Darüber erreichen wir vor allem die Zielgruppe der 18- bis 35-Jährigen. Also nicht nur potenzielle Azubis, wie manch einer vielleicht denkt. Auf jeden Fall sind es aber Kandidatinnen und Kandidaten mit dem passenden Mindset.
Was gehört zu diesem Mindset?
Nina: Die Dinge, die auch bei uns wichtig sind: zum Beispiel analytisches Denken, Teamfähigkeit – man spielt ja meist mit Verbündeten zusammen – und Problemlösungskompetenz.
Wie seid ihr beim Employer Branding mit dieser Zielgruppe vorgegangen?
Nina: Wir haben uns erst einmal intensiv mit der E- Sport- und Gamingszene auseinandergesetzt. Das war entscheidend. Bei uns hat sich eine Mitarbeiterin aus meinem Team ein ganzes Jahr mit dem Thema beschäftigt und eingedacht. Was ist in der Szene wichtig? Wie erreichen wir die Menschen dort? Und dann haben wir als Führungskräfte ihr und ihrer Expertise Vertrauen geschenkt und haben mit einer Aktion pilotiert.
Wie sah dieser Pilot aus?
Sina: Das war eine Video-Kooperation mit einem E-Sport-Team Eintracht Spandau. Uns war es wichtig, authentisch zu sein und nicht zu aufdringlich. Daher haben wir uns für Content Marketing entschieden. Auch, weil wir kein Produkt zum Anfassen präsentieren können.

Worum ging es euch dabei?
Sina: In erster Linie darum, in unserer Zielgruppe auf uns aufmerksam zu machen und zu zeigen, wie wir als Arbeitgeber ticken. Das wirkt sich dann nachgelagert auch auf das Erreichen unserer Recruitingziele aus.
Und haben diese Maßnahmen in der Gamingszene auch zu Neueinstellungen von Menschen geführt?
Nina: Wir sind mit der Kooperation im letzten Jahr gestartet. Grundsätzlich ist die Zielsetzung der Aktivitäten aber auch eher langfristig: Wir wollen uns in der Sport- und Gaming-Community authentisch präsentieren und der Zielgruppe nicht nur zeigen, dass wir sie ernst nehmen, sondern auch einen Mehrwert, zum Beispiel in Form von unterhaltsamem Content, liefern. Konkrete Stellen zu besetzen ist hier also gar nicht das primäre Ziel, sondern viel mehr die Imagebildung. Wenn dann in der Community das Thema Jobwechsel relevant wird, wollen wir schon mit einem positiven Image in den Köpfen der Menschen sein. Das ist sehr schwer messbar, vor allem nach so einer kurzen Zeit.
Gab es denn schon Feedback?
Sina: Wir bekommen im Rahmen von Einstellungsprozessen durchweg positive Resonanz zu dieser Kooperation gespiegelt. Und auch unsere Kolleginnen und Kollegen berichten, dass sie in ihren privaten Umfeldern auf die Kooperation angesprochen werden. Wir sehen auch einen Trend, dass wir insbesondere bei Bewerbungen von Azubis und für Praktika und Abschlussarbeiten in einem Vergleichszeitraum von einem Jahr mehr Bewerbungen generieren. Dies lässt sich aber nicht nur ausschließlich auf die Gamingaktivitäten zurückführen. Bei uns greifen sämtliche Employer-Branding- und Personalmarketingmaßnahmen ineinander und sind nicht trennscharf zu beurteilen.
Info
Nina Daweke und Sina Erben arbeiten für den Energienetzbetreiber Westnetz in Dortmund. Der ist Teil des Energiedienstleisters und Infrastrukturanbieters Westenergie in Essen, der wiederum zum Eon-Konzern gehört. Für Westnetz arbeiten rund 5.800 Beschäftigte, für Westnernergie etwa 10.000.
Matthias Schmidt-Stein war bis Oktober 2025 Redaktionsleiter Online der Personalwirtschaft und leitete gemeinsam mit Catrin Behlau die HR-Redaktionen bei F.A.Z. Business Media. Thematisch beschäftigte er sich insbesondere mit den Themen Recruiting und Employer Branding.

