Eine Woche Las Vegas liegt nun hinter mir. Nein, ich habe mein Glück nicht beim Black Jack gesucht – obwohl dieses Spiel interessanterweise das einzige ist, bei dem man am Spielende theoretisch einen Vorteil gegenüber der Bank haben kann. Stattdessen war ich wieder auf der Unleash, dem HR Tech Festival in Amerika, und als Juror bei deren Start-up-Competition eingeladen. Es war spannend zu sehen, welche Themen die Amerikaner und Amerikanerinnen beschäftigen und welche Fragen sie stellen – sowohl bei Investments als auch bei der Nutzung von HR-Tech-Start-ups.
Das dominierende Thema auf der Unleash America war – unumstritten und wahrscheinlich ebenso wenig überraschend – die Künstliche Intelligenz (KI). Hätte ich bei jedem Mal, wenn das Wort „KI” gefallen ist, einen Shot getrunken, wäre ich schon um 11 Uhr morgens betrunken gewesen.
Bei diesem umfassenden Einsatz von KI stellten sich drei Themen recht klar heraus:
1. Automatisierte Bewerberauswahl: KI-Systeme analysieren dabei effizient Lebensläufe und selektieren geeignete Kandidatinnen und Kandidaten vor. Das spart der Recruiting-Abteilung Arbeit, und zwar nicht wenig: Studien zeigen, dass KI die Einstellungszeit um bis zu 70 Prozent verkürzen kann.
2. Personalisierte Personalentwicklung: Start-ups nutzen KI, um maßgeschneiderte Lernpfade anzubieten, die die Mitarbeiterbindung und -entwicklung fördern. Laut einer Untersuchung von LinkedIn kann dies die Produktivität um bis zu 50 Prozent steigern.
3. Vorhersage von Fluktuation: Durch das Sammeln und Analysieren von Daten können KI-Modelle Trends erkennen und vorhersagen, welche Mitarbeitenden wahrscheinlich das Unternehmen verlassen werden. Eine Studie von Gartner zeigt, dass dies die Fluktuation um 20 Prozent reduzieren kann.
Wer stellt sicher, dass eine KI ethisch handelt?
Eine Debatte begleitete dabei die ganze Unleash America: die Ethik beim Einsatz von KI. Die zentrale Frage dabei lautete: Wer stellt sicher, dass die KI auch ethisch und nach der Vision und Werten einer Firma arbeitet – die sich ja, je nach Firma, durchaus radikal unterscheiden können?
Sind uns US-Start-ups meilenweit voraus?
Jein. Die Risikofreude und das Risikokapital sind nach wie vor spürbar – zum Vergleich: In den USA wurden 2021 rund 156 Milliarden US-Dollar in Start-ups investiert, während es in Deutschland etwa 17 Milliarden Euro waren. Die Offenheit für neue Technologien wie KI ist auch klarer zu spüren bei den Firmen, die Interesse haben, KI einzusetzen. Aber die Fragestellungen, wie ethisch KI arbeitet, sind nach meinen Empfindungen bereits viel intensiver in Deutschland.
Vielleicht ist das auch gerade eine Chance: die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung der EU) hat zum Beispiel bei vielen CHROs in Amerika einen sehr guten Ruf. Vielleicht können wir versuchen, unsere „Schwäche“ des teilweise fehlenden Mutes und der strengen Regularien in eine Stärke zu wandeln – durch den ethischen, sicheren Einsatz von KI.
Ich habe Lust darauf. Sie auch?
