Impact of Diversity Award: Vorreiter für Chancengleichheit ausgezeichnet  

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Ein paar Unternehmen haben in den vergangenen Monaten ihre DEI-Ziele (Diversity, Equity & Inclusion) aufgegeben. Einige andere dürfen hingegen nun eine Auszeichnung für ihre DEI-Initiativen in die Luft halten. Beim Impact of Diversity Award in München wurden nämlich insgesamt zwölf Unternehmen und Initiativen prämiert. Der Preis wurde 2021 von Barbara Lutz, die mit dem Frauenkarriere-Index (FKi) das erste datenbasierte Diversity-Management-Tool für Unternehmen entwickelt hat, initiiert.

Mit veralteten Rollenbildern brechen

Einer der Preisträger ist Max Klemmer. Als geschäftsführender Gesellschafter der Miss Germany Studios wurde er in der Sonderkategorie „Building Bridges“ ausgezeichnet. Miss Germany hat sich radikal gewandelt – weg vom Schönheitsideal, hin zu einer Plattform für weibliche Persönlichkeiten, die unsere Zukunft mitgestalten“, sagt er. Während Frauen bei dem Wettbewerb früher nur nach ihrem Äußeren bewertet wurden, gehe es ihm heute darum, dass sie für das Mitgestalten von Wirtschaft und Gesellschaft anerkannt werden. 

 „Diversität beginnt für uns dort, wo Frauen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten gleichberechtigt mitsprechen, mitentscheiden und mitgestalten dürfen.“ Es sei eine Herausforderung gewesen, eine Marke mit einer fast hundertjährigen Geschichte glaubwürdig neu zu definieren. „Miss Germany war fest mit veralteten Rollenbildern verknüpft – und wir wussten, dass unser Kurswechsel nicht allen gefallen würde“, sagt Klemmer.

Entscheidend für den Wandel sei ein mutiges Team gewesen, das „bei Gegenwind nicht einknickt“. „Veränderung beginnt nicht im System, sondern bei denjenigen, die es hinterfragen“, sagt der Geschäftsführer. Und das sei gerade in Zeiten des aktuellen DEI-Backlash, den man an einigen Orten beobachtet, wichtiger denn je. Es braucht laut Klemmer aber auch ein DEI-Management, das frei von politischen Instrumentalisierungen ist. „DEI ist für uns kein politischer Kampfbegriff, sondern ein gesellschaftliches Versprechen: Jede Geschichte zählt. Jede Perspektive verdient Sichtbarkeit.“ Gleichzeitig brauche es aktuell aber auch Sensibilität. „In Zeiten großer Polemik brauchen wir Balance zum Schulterschluss – keine Grabenkämpfe, sondern den Fokus auf ein besseres Morgen“, sagt Klemmer.

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Umfassender Ansatz zur Gender-Vielfalt der Migros-Gruppe

Für ihren Beitrag zur Förderung der Gender-Vielfalt wurde auch die Migros-Gruppe ausgezeichnet. Als eines der größten Unternehmen der Schweiz hat der Handelskonzern eine umfassende Strategie zur Förderung der Geschlechtervielfalt implementiert, die sowohl auf struktureller als auch auf kultureller Ebene ansetzt. Dazu gehören etwa Programme zur Karriereförderung von Frauen, flexible Arbeitszeitmodelle sowie Schulungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen für Führungskräfte und Mitarbeitende. Regelmäßig werden dazugehörige Kennzahlen offengelegt.

„Auch wenn die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben bei der Migros eine lange Tradition und einen hohen Stellenwert hat, ist es noch immer eine Herausforderung, tief verwurzelte Denkmuster und Strukturen zu verändern“, sagt Isabelle Hauser, Diversity, Equity & Inclusion und Employee Engagement Manager. „Gender Inclusion erfordert nicht nur neue Prozesse und Programme, sondern auch ein Umdenken auf allen Ebenen der Organisation.“

Dieses Umdenken hat das DEI-Team von Migros laut Hauser insbesondere durch die Sensibilisierung der Führungskräfte und HR-Fachpersonen gefördert, da sie als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren eine Schlüsselrolle spielen. Es gab Schulungen und Informationsunterlagen, beispielsweise zu flexiblen Arbeitsmodellen, im Landes-Gesamtarbeitsvertrag wurde der Aspekt der Vereinbarkeit explizit verankert. Der Fortschritt bezüglich der DIE-Ziele werde regelmäßig gemessen, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen nachhaltig wirken. Aber: „Echte Veränderung braucht Zeit und Beharrlichkeit – jeder Schritt zählt“, sagt Hauser.

Ein Pride-Netzwerk, das von der Europäischen Union unterstützt wird

Ebenfalls mit dem IOD-Award ausgezeichnet wurde Matthias Weber für das European Pride Business Network – und zwar in der Kategorie „Contribution to LGBTQIA+“. Matthias Weber setzt sich seit fast 20 Jahren für LGBTQIA+-Rechte in Unternehmen und Organisationen ein. Er war lange Zeit im Vorstand des Völklinger Kreises – dem ersten schwulen Berufsverband für Führungskräfte in Deutschland. Später gründete er das European Pride Business Network, welches in 19 Ländern vertreten ist und länderübergreifend Unternehmen, Initiativen und Führungspersönlichkeiten verbindet, um gemeinsam Diversität in der Wirtschaft zu fördern. Gefördert wird es von der Europäischen Union. Als Vorstandsmitglied eines großen Versicherungsunternehmens lebt er Repräsentanz auf Führungsebene vor.

Mit dem Netzwerk will Weber LGBTQIA+-Fach- und -Führungskräften dabei helfen, sicher und erfolgreich sein zu können. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, nicht nur Schutzräume zu schaffen, sondern echte Teilhabe zu ermöglichen – gerade auch dort, wo es unbequem wird“, sagt Weber. „Ich bin überzeugt: Unternehmen, die jetzt klar Haltung zeigen, werden langfristig die besseren Partner und Arbeitgeber sein.“

Ein Netzwerk zu etablieren, klingt für viele vielleicht einfacher, als es ist. Weber beschreibt es als herausfordernd, grenzüberschreitend zu arbeiten und den Anspruch zu erfüllen, gleichzeitig auf Freiwilligenarbeit basierend zu sein und strategisch, professionell und glaubwürdig zu agieren. „Das haben wir nur geschafft, weil viele engagierte Menschen in verschiedenen Ländern an die gleiche Idee geglaubt und gemeinsam an einem Strang gezogen haben“, sagt er. „Mein persönlicher Beitrag bestand vor allem darin, Strukturen zu schaffen, in denen dieses Engagement nachhaltig wirken kann – mit klarer Vision, aber auch mit viel Raum für Eigenverantwortung und Diversität in der Umsetzung“.

Er steht für Diversity, obwohl es nicht in seinem Aufgabefeld liegt

Auch Sergio Bucher, Konzernvorstand Brands und Retail der Otto Group, setzt sich unter anderem für die Rechte von LGBTQIA+-Menschen in der Arbeitswelt ein. Aber auch für Diversity generell. Dafür wurde er als Einzelperson in der Kategorie „Diversity Ambassador“ ausgezeichnet. DEI liegt eigentlich nicht im Aufgabenfeld des Konzernvorstands. Dennoch verbindet Bucher oftmals strategische Initiativen mit persönlichem Engagement. So legte er beim International Coming Out Day eigene Erfahrungen offen und etabliert „English as a common language“ zur Förderung internationaler Zusammenarbeit.

„Ich habe selbst in meinem Leben davon profitiert, dass andere Menschen für mich gekämpft haben“, sagt Bucher. „Ich bin jetzt in einer Position, in der ich anderen Menschen helfen kann, ihr Potenzial zu verwirklichen, unabhängig davon, woher sie kommen und wer sie sind.“ Bucher ist davon überzeugt, dass unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen entscheidend sind, um sowohl im Unternehmen als auch in der Gesellschaft zukunftsfähig und innovativ zu bleiben. Das sei auch ein Teil der Otto-Konzernphilosophie. „Unser Ziel ist es, für alle unsere Zielgruppen die bestmöglichen Services und Produkte anzubieten. Das kann nur gelingen, wenn wir auf allen Ebenen – nicht nur im Management – vielfältig aufgestellt sind. Besonders im Management haben wir die Verantwortung, unsere Unternehmenswerte aktiv vorzuleben und unsere Stimmen zu nutzen, um Themen wie DEI stärker in die Organisation zu tragen.“

Info

Lena Onderka ist redaktionell verantwortlich für den Bereich Employee Experience & Retention – wozu zum Beispiel auch die Themen BGM und Mitarbeiterbefragung gehören. Auch das Thema Diversity betreut sie. Zudem ist sie redaktionelle Ansprechpartnerin für den Deutschen Human Resources Summit und das HR Forum Banking.