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Warum sich Bonusstrukturen neu erfinden müssen

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Deutsche Unternehmen müssen ihre Vergütungsstrategien grundlegend überdenken. Denn: Neue Generationen von Mitarbeitenden fordern flexible Benefits statt starrer Gehaltsstrukturen, und ­hybride Arbeitsmodelle machen traditionelle ­Bonussysteme obsolet.

Deutsche Unternehmen stehen vor einer Zeitenwende in der Mitarbeitervergütung. Während traditionelle Gehaltsstrukturen und sporadische Jahresboni lange Zeit ausreichten, um Mitarbeitende zufriedenzustellen, zeigen aktuelle Studien nun etwas anderes: Die Erwartungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich fundamental gewandelt. 47 Prozent der wechselwilligen Mitarbeitenden geben laut der Stepstone-Studie „Attracting Talent 2024“ Corporate Benefits als entscheidenden Faktor für einen Arbeitsplatzwechsel an.

Gen Z stellt Arbeitgeber vor Herausforderungen

Auch die demografische Entwicklung zwingt deutsche Unternehmen zum Umdenken. Bis 2030 wird die Generation Z ein Drittel der Arbeitskräfte stellen (Manpower-Group-Studie 2025). Diese Generation bringt völlig andere Vergütungserwartungen mit: Das zeigt die Zenjob-Studie 2024, an der über 1000 deutsche Beschäftigte teilnahmen. Demnach gehen mehr als 60 Prozent der Gen Z davon aus, dass Künstliche Intelligenz (KI) die zukünftigen ­Arbeitsmöglichkeiten maßgeblich beeinflussen wird. Dementsprechend erwarten die Talente moderne, flexible Vergütungsmodelle.

Besonders deutlich wird der Wandel im DAK-Gesundheitsreport 2025 zur „Generation Z in der Arbeitswelt“: Anders als vorherige Generationen stellt die Gen Z ihre mentale Gesundheit in den Vordergrund. Dies bedeutet für Arbeitgeber: Reine Geldleistungen reichen nicht mehr aus. Gefordert sind ganzheitliche Benefits, die Work-Life-Balance und Wohlbefinden unterstützen.

Hybride Arbeitsmodelle verändern Vergütung

Die Owl-Labs-Studie „State of Hybrid Work 2024“ zeigt die Realität deutscher Unternehmen: 64 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten bereits hybrid – ein Anstieg um 13 Prozentpunkte seit 2023. Gleichzeitig verdeutlicht die Studie ein Problem: 23 Prozent würden sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen, wenn ihr Arbeitgeber keine Flexibilität beim Arbeitsort bietet.

Diese Entwicklung stellt traditionelle Bonusstrukturen vor grundlegende Herausforderungen. Gemeinsame Teamevents oder spontane Belohnungsaktionen funktionieren nicht mehr, wenn die Belegschaft dezentral arbeitet. 91 Prozent der Beschäftigten geben an, dass sie sich durchaus davon überzeugen ließen, ins Büro zu gehen, wenn dafür die richtigen Benefits und Anreize geboten würden – ein klarer Auftrag an Unternehmen sowie HR-Abteilungen, ihre Vergütungsstrategien und die Arbeitskultur zu überdenken.

Schlechte Noten bei Digitalisierungsgrad

Die DIHK-Digitalisierungsumfrage 2025 mit über 5000 deutschen Unternehmen offenbart ein ernüchterndes Bild: Die Betriebe bewerten ihren eigenen Digitalisierungsgrad im Durchschnitt nur als befriedigend. Gleichzeitig zeigt eine Bitkom-Studie 2024, dass 86 Prozent der Entscheider die Digitalisierung für wichtig halten, aber nur 63 Prozent der Nichtentscheider dieser Ansicht sind.

Diese Diskrepanz spiegelt sich auch in der Vergütungsadministration wider. Während moderne Compensation-Management-Systeme längst verfügbar sind, setzen viele deutsche Unternehmen noch auf manuelle Prozesse. Die Pauschalversteuerung nach § 37b Einkommensteuergesetz (EStG) bietet dabei einen idealen Einstieg in die Digitalisierung von Bonussystemen – sie ist rechtlich klar geregelt und lässt sich mit ­modernen HR-Systemen automatisieren.

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COMP & BEN

Dieser Beitrag ist zuerst im Vergütungsmagazin Comp & Ben erschienen. Das Onlinemagazin berichtet in sechs Ausgaben pro Jahr über aktuelle Themen rund um Compensation & Benefits und betriebliche Altersversorgung. Hier können Sie das Magazin kostenlos herunterladen – und hier können Sie den COMP-&-BENNewsletter abonnieren.

Benefits – entscheidender Differenzierungsfaktor

Die Mercer Benefits und Wellbeing Studie Deutschland 2024/25, an der mehr als 100 Unternehmen mit knapp einer Million Arbeitnehmenden teilnahmen, zeigt deutlich: Rund ein Viertel der befragten Unternehmen plant, die ­Benefitlandschaft anzupassen, 30 Prozent haben dies bereits getan. Besonders bemerkenswert dabei: 26 Prozent haben in den vergangenen zwei Jahren sogar neue Benefit- und Wellbeing-Angebote eingeführt.

Die Roland-Berger-Marktanalyse 2024 – die bislang umfassendste Studie zu Mitarbeiterbenefits in Deutschland mit über 1700 HR-Experten – bestätigt den Trend: Die wichtigsten Nebenleistungen für deutsche Unternehmen sind Benefits, die die Mitarbeitenden bei der Mobilität sowie in Gesundheits- und finanziellen Angelegenheiten unterstützen. Hier kommt § 37b EStG ins Spiel: Mit der Pauschal­versteuerung von 30 Prozent können Unternehmen bis zu 10 000 Euro pro Mitarbeitendem und Jahr steueroptimiert als Sach­zuwendungen gewähren.

Vom 50-Euro-Sachbezug bis zur Pauschalversteuerung

Deutsche Arbeitgeber haben bereits heute viel­fältige Möglichkeiten, ihre Vergütungsstrategien zu modernisieren. Die monatliche Sachbezugs­freigrenze von 50 Euro bleibt weiterhin der einfachste Einstieg. Sie kann für Mobilität, Gesundheit oder regionale Einkaufsgutscheine genutzt werden. Die Circula-YouGov-Studie 2025 mit 1000 deutschen Arbeitnehmenden zeigt: Am beliebtesten sind Benefits rund um Mobilität.

Für größere Anerkennungen bietet § 37b EStG erweiterte Möglichkeiten. Ein praktisches Beispiel: Hat ein Team erfolgreich ein wichtiges Projekt abgeschlossen, kann der Arbeitgeber jedem Teammitglied ein hochwertiges Tablet oder ein Smartphone im Wert von 800 Euro schenken. Die Pauschalsteuer von 30 Prozent – das entspricht 240 Euro – übernimmt das Unternehmen. Die Mitarbeitenden erhalten das Gerät steuerfrei und können es auch privat nutzen.

Digitalisierung erleichtert Compliance

Die komplexe deutsche Steuergesetzgebung schreckt viele Unternehmen von innovativen Vergütungsmodellen ab. Dabei zeigt die KPMG-Digitalisierungsstudie: 79 Prozent der Unternehmen sehen in der Digitalisierung eine Chance auf Optimierung von Prozessen und Arbeitsabläufen. Moderne HR-Systeme können automatisch prüfen, welche Freibeträge bereits ausgeschöpft sind, und alternative Belohnungsformen vorschlagen.

Die verschiedenen steuerlich begünstigten Benefits können parallel genutzt werden: der monatliche Sachbezug von 50 Euro, Essenszuschüsse bis 112,50 Euro monatlich sowie die Gesundheitsförderung bis 600 Euro jährlich und zusätzlich die Pauschalversteuerung nach § 37b EStG. Ein durchdachtes System kann so ein Jahrespaket von deutlich über 3000 Euro pro Mitarbeitenden ermöglichen.

Ausblick: die Zukunft der Mitarbeitervergütung

Der „Global Benefits Attitudes Survey 2024“ mit über 2000 befragten deutschen Arbeitnehmenden zeigt: Der Equity-Index liegt bei nur 58 Prozent, ein Zeichen dafür, dass deutsche Unternehmen bei fairer Vergütung und Wertschätzung noch Nachhol­bedarf haben. Gleichzeitig bietet diese Situation eine Chance: Unternehmen, die jetzt moderne Vergütungsstrukturen implementieren, verschaffen sich einen entscheidenden Vorteil im Kampf um Talente.

Bis 2026 werden sich drei Trends durchsetzen:

  • die Personalisierung von Benefits, basierend auf individuellen Lebensphasen, von der Kinder­betreuung bis hin zur Altersvorsorge,
  • die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten, da 18,4 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angesichts steigender Lebenshaltungskosten einen Jobwechsel erwägen,
  • die vollständige Digitalisierung der Benefitadministration, die aus der Verwaltungsbelastung einen strategischen Vorteil macht. § 37b EStG wird dabei eine zentrale Rolle spielen.

Die Pauschalversteuerung bietet die Flexibilität, die moderne Teams brauchen, und die steuerliche Effizienz, die deutsche Unternehmen fordern. Wer heute noch auf veraltete Vergütungsstrukturen setzt, verliert nicht nur im Kampf um die besten Talente, er verpasst auch die Chance, die Digitalisierung als Treiber für eine moderne, mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur zu nutzen.

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