„In unserem Betrieb geht es familiär zu“, „Wir kümmern uns im Team umeinander“ et cetera: Ob stolz geteilte Aussagen wie diese Realität sind, zeigt sich in Extremsituationen. Etwa wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin wegen eines Sterbefalls in der Familie trauert oder gar die ganze Belegschaft mit dem Tod eines Kollegen oder einer Kollegin umgehen muss. „Viele Arbeitgeber und Führungskräfte wissen nicht, wie sie in solchen Fällen reagieren sollen“, sagt Heinke Wedler. Sie ist Geschäftsführerin eines nach ihr benannten Ingenieurbüros für Arbeitssicherheit und Betriebliches Gesundheitsmanagement und berät Unternehmen auch im Umgang mit Trauer in der Belegschaft. „Viele Vorgesetzte ignorieren die Situation, weil sie ihnen zu intim ist und sie Angst haben, das Falsche zu sagen oder zu tun.“
Info
Dieser Artikel stammt aus unserer Ausgabe 3-2023 und wurde am 19. Februar 2026 online zur Verfügung gestellt.
Das Verschweigen kann Konsequenzen haben. Wedler erzählt von einem Unternehmen, das mit dem plötzlichen Tod eines Vertriebsleiters konfrontiert war, der, geschäftlich unterwegs, am Flughafen einem Herzinfarkt erlegen war. Der Arbeitgeber entschied sich, das tragische Ereignis nicht zu thematisieren und mit der Belegschaft „nach vorne zu schauen“. Und zwar sofort: Schon am nächsten Tag, so Wedler weiter, habe ein anderes Auto auf dem Parkplatz des Verstorbenen gestanden, ebenso wie ein neuer Name an seiner bisherigen Bürotür. Seine persönlichen Gegenstände wurden in eine Kiste gepackt. Dem Verstorbenen nahestehende Kollegen und Kolleginnen nahmen dieses Verhalten zum Anlass für ihre Kündigung. Offenbar vermissten sie die Wertschätzung des Verstorbenen, gleichzeitig sahen sie sich in ihrer Trauer nicht unterstützt.
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