Equal Care Day: Unternehmen sollten Signale setzen

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Den „unsichtbaren“ 29. Februar gibt es nur in Schaltjahren. Daher wurde er für die Initiative „Equal Care Day“ vom gleichnamigen Bundesverband, der sich für die Wertschätzung von unsichtbarer Sorgearbeit einsetzt, als Aktionstag gewählt. Da es in diesem Jahr den 29. Februar nicht gibt, findet der Aktionstag am 1. März statt. Sorgearbeit umfasst alles, was mit dem Kümmern um beispielsweise Haushalt, Kinder oder zu pflegenden Angehörigen zu tun hat.

Diese betrifft vor allem Frauen: Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts leisten sie durchschnittlich 43 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer. Der Grund sind tief verankerte Rollenbilder in der Gesellschaft. So gelten Frauen beispielsweise als fürsorglicher. Wissenschaftlich ist es inzwischen aber hinreichend belegt, dass die dazu benötigten Fähigkeiten geschlechterunabhängig erlernt werden können.

Eltern- und Teilzeit vor allem bei Müttern

Diese Vorurteile beeinflussen auch die Arbeitswelt: Im Jahr 2024 war jede zweite berufstätige Frau in Teilzeit beschäftigt und nur jeder neunte berufstätige Mann. Im selben Jahr befanden sich nur rund zwei Prozent der Väter, deren jüngstes Kind unter sechs Jahren ist, in Elternzeit. Es sind also vor allem Frauen, die nach Gründung einer Familie beruflich zurücktreten und somit auch seltener die Chance bekommen, in höhere Unternehmensebenen aufzusteigen.

Almut Schnerring. Foto: Xenia Gromak
Almut Schnerring. Foto: Xenia Gromak

Almut Schnerring, Mitbegründerin der Initiative „Equal Care Day“, kritisiert, dass in Unternehmen flexible Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten oder Teilzeit auch heute noch viel zu oft als Sonderlösung gelten. „Stattdessen sollten sie selbstverständliche Optionen sein – auch für Führungskräfte“, sagt Schnerring. „Denn solange der Wunsch nach Flexibilität als Karrierebremse gilt, senden Unternehmen eine klare Botschaft: Wer sich kümmert, passt hier eigentlich nicht richtig zu uns.“ Dagegen sieht Schnerring hier verschenkte Kompetenzen: „Wer sich gekümmert hat, ist nicht zurückgefallen, sondern bringt zusätzliche Erfahrung mit.“

Starke Aussagen sind gefragt

Für Schnerring fehlt es unternehmensseitig an klaren Signalen, dass Care-Arbeit gesehen und mitgedacht wird. Dies hätte auch eine gesamtgesellschaftliche Auswirkung: „Wenn Väter oder pflegende Angehörige ausdrücklich ermutigt werden, Eltern- oder Pflegezeiten zu nehmen, verändern sich langfristig Rollenbilder und Erwartungen.“ Sie rät Unternehmen dazu, den Wiedereinstieg nach Care-Phasen besser zu gestalten, mit strukturierten Rückkehrgespräche, gezielter Weiterbildung oder Mentoring.

Ein weiterer Vorteil: Bieten Unternehmen diese Flexibilität und Unterstützung, können sie sich als attraktiver Arbeitgeber für Fachkräfte positionieren: Eine Analyse des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) ergab kürzlich, dass in arbeitslosen Frauen, die wegen zusätzlichen familiären Verpflichtungen bevorzugt Teilzeitstellen suchen, ein großes Rekrutierungspotenzial schlummert.

Info

Angela Heider-Willms verantwortet die Berichterstattung zu den Themen Transformation, Change Management und Leadership. Zudem beschäftigt sie sich mit dem Thema Diversity.