Wenn auf der Karriereseite nicht der Funke überspringt, verlieren potenzielle Bewerberinnen und Bewerber schnell das Interesse. Worauf kommt es hier an, um einen glaubwürdigen Eindruck zu hinterlassen und Bewerbungen zu generieren? Die Kölner Beratungsagentur Net Fed untersucht jährlich die Karriereseiten 50 deutscher Spitzenunternehmen hinsichtlich ihrer Karrierekommunikation und gibt Empfehlungen für die die Jobportale von Unternehmen. Es werden alle Dax-40-Unternehmen und zehn weitere nicht börsennotierte Unternehmen, die hinsichtlich des Umsatzes und der Mitarbeiterzahl zu den größten Konzernen in Deutschland zählen, untersucht.
Die Bewertung der Karriereseiten erfolgte in drei Kategorien. Kategorie A befasste sich mit dem „Einblick ins Unternehmen“ und untersucht, wie Werte, Haltung zu Vielfalt, Digitalisierung sowie die Darstellung von Mitarbeitenden und Unternehmensgeschichten kommuniziert werden.
Unter dem Titel „Dialogfähigkeit“ wurden in Kategorie B Angaben von Dialog- und Kontaktangeboten, genutzte Social-Media-Kanäle sowie zusätzliche Informationsangebote wie Events oder Messen bewertet. Kategorie C beschäftigte sich abschließend mit der „Bewerbung“. Hier wurden die Unterstützung bei der Jobsuche, digitale Features, angesprochene Zielgruppen sowie Barrierefreiheit und KI-Optimierung der Karrierewebsite bewertet. Die Analyse des diesjährigen HR Benchmark Berichts lag der Personalwirtschaft vorab vor.
Checkliste für gute Karriereseiten
2026 zeichnet sich eine gute Karrierewebsite laut NetFed vor allem durch folgende Kriterien aus:
- Substanz vor Selbstdarstellung – Botschaften systematisch mit Kennzahlen und Quellen unterlegen
- Candidate Experience vereinfachen – niedrigschwellige Bewerbungswege ausbauen statt abbauen
- Dialog ermöglichen – Ansprechpartner und Kontaktpunkte auf der Karriereseite stärken
- Gehaltstransparenz vorantreiben – frühzeitig handeln, bevor es regulatorische Pflicht wird
- KI-Readiness ganzheitlich denken – Inhalte so aufbereiten, dass sie nicht nur Menschen überzeugen, sondern auch in einem KI-geprägten Informationsumfeld bestehen
Belastbare Zahlen fehlen auf Karrierewebseiten
Generell ordnen die Expertinnen und Experten die Karriereseiten der 50 Unternehmen als so professionell ein, wie nie zuvor. Für Bewerberinnen und Bewerber wichtige Aspekte wie Diversity, Weiterbildung, Arbeitskultur, Work-Life-Balance, Benefits und transparente Informationen zum Bewerbungsprozess befinden sich auf den meisten Webseiten. Doch genau hierin liege auch ein Problem:
„Wenn ich heute die Karriereseiten der fünfzig größten deutschen Konzerne vergleiche, lese ich fünfzigmal ähnliche Aussagen“, sagt Christian Berens, Geschäftsführer von NetFed. „Nichts davon unterscheidet Unternehmen A von Unternehmen B. Die eigentliche Frage lautet: Woran erkennt ein Talent den Unterschied? Genau an dieser Stelle bleiben viele Karriereauftritte zu vage.“
Genauer werden könnten sie durch das Nennen von handfesten Nachweisen – etwa in Form von Zahlen, die genannt werden. Und genau hier haben Unternehmen laut der Analyse nachgelassen.
DEI-Zahlen werden immer seltener auf Karriereseiten genannt
So geben zwar alle 50 untersuchten Karriereseiten an, dass sich die Unternehmen mit Diversity befassen, doch nur 32 Prozent weisen den Frauenanteil im Unternehmen aus. Insbesondere die Kennzahlen zu Frauen in Führungspositionen, weisen einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr aus: 2025 lag der Anteil noch bei 52 Prozent, jetzt sind es nur noch 30 Prozent. Angaben zur Inklusionsquote liegen mit lediglich 10 Prozent noch weiter hinten und nur 8 Prozent der Unternehmen nennen überhaupt Quellen für ihre Angaben.
Dass mit Zahlen – gerade im Diversity-Bereich – vorsichtiger umgegangen wird, könnte aber auch am DEI-Backlash und den Nachwehen der Executive Orders von US-Präsident Donald Trump liegen. Aufgrund der Executive Orders haben sich einige Unternehmen dazu entschieden, keine Diversity-Zahlen mehr zu erheben oder sie öffentlich zu teilen.
Zu wenig konkrete Angaben gebe es auf den meisten Karrierewebseiten auch bezüglich Equal Pay, Gehaltsangaben und weiterführenden Informationen zu Fairness und Vergleichbarkeit. Wenn Unternehmen keine Nachweise für die gelebte Kultur erbringen, entsteht an dieser Stelle eine Glaubwürdigkeitslücke, heißt es vonseiten NetFed. Schließlich werden keine Informationen genannt, welche nachweisen, dass die Kultur auch wirklich so ist, wie auf den Karriereseiten beschrieben.
Wie GEO-optimiert sind die Karriereseiten?
Konkrete Angaben werden auch von der KI bevorzugt, wenn sie für User nach deren Prompts oder Sucheingaben nach geeigneten Job-Angeboten sucht.
„KI-Systeme vergleichen, gewichten und empfehlen. Sie bevorzugen nicht die schönste Aussage, sondern die belastbarste“, sagt Berens. „Wer Inhalte nicht belegt, verliert künftig nicht nur an Glaubwürdigkeit, sondern auch an Sichtbarkeit.“
Die meisten Unternehmen zeigen hier bereits technisches Geschick. So führen 78 Prozent aktuelle Stellenausschreibungen und 70 Prozent nutzen strukturierte Daten, die die KI-Sichtbarkeit erhöhen und Inhalte wie Stellenanzeigen, Ansprechpartner, Veranstaltungen oder häufige Fragen so auszeichnen, dass Suchmaschinen sie besser verstehen und gezielter ausspielen können.
Damit seien bereits wichtige Voraussetzungen erfüllt, um digitale Sichtbarkeit zu erreichen und Ausschreibungen maschinell lesbar zu machen. Eine vollständige GEO-Optimierung sei damit jedoch noch nicht geleistet. Denn KI orientiert sich bei der Auswertung auch an starken Vertrauenssignalen, die insbesondere durch Nachvollziehbarkeit, Quellenführung und belastbare Informationen gewährleistet werden können.
Um herauszufinden, wie GEO-optimiert die Karriereseiten von Unternehmen sind, hat die Personalwirtschaft ein kostenloses Tool entwickelt:
Zudem sind KI-bezogene Weiterbildungen nur bei 18 Prozent der Unternehmen sichtbar verankert. Auch hier gebe es noch Verbesserungsbedarf.
Karriereseiten: Noch keine durchgängig überzeugende Candidate Experience
Nicht vergessen werden sollte auch der European Accessibility Act (EAA). Dieser trat im Juni 2025 in Kraft. Die Regelung besagt, dass Unternehmen unter anderem ihre Karrierewebseiten barrierefrei gestalten müssen. Die Untersuchung von NetFed zeigt, dass hier oftmals die richtige Umsetzung fehlt. So sind die Karriereseiten weitestgehend bereits „deutlich strukturierter, verständlicher und umfassender erklärt als in früheren Erhebungen“, dennoch wären die Prozesse„nicht automatisch einfacher, zugänglicher oder nutzerfreundlicher“.
Viele Unternehmen haben in ihren Bewerbungsprozess bereits umfassende Erklärungen oder Bewerbungstipps integriert, doch in der tatsächlichen Anwendung sind sie oft noch komplizierter als nötig. So mangelt es beispielsweise an niedrigschwelligen Zugängen oder One-Click-Bewerbungen. Ziel sollte es hier zukünftig laut NetFed sein, die komplizierten Bewerbungsprozesse nicht nur zu erklären, sondern sie konsequent für Bewerberinnen und Bewerber zu vereinfachen.
Am ehsten haben die Karrierewebseiten folgender Unternehmen die genannten Kriterien erfüllt. Die Webseiten wurden hinsichtlich 131 Kriterien bewertet. Informationen mussten anhand der ersten 30 Sekunden nach Aufruf der Seite auffindbar sein. Insgesamt konnten 1.000 Punkte erreicht werden.
Das sind die Top-Ten-Unternehmen mit den besten Karriereseiten
| Platz | Unternehmen | Branche | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | RWE AG | Versorger | 659 |
| 2 | Deutsche Bahn AG | Logistik | 645 |
| 3 | Volkswagen Group | Automobilproduktion | 635 |
| 4 | Fresenius SE & Co. KGaA | Farma | 633 |
| 5 | Robert Bosch GmbH | Technologie | 624 |
| 6 | Otto GmbH & Co. KGaA | Handel | 616 |
| 7 | Allianz SE | Versicherung | 598 |
| 8 | REWE Group | Handel | 587 |
| 9 | Commerzbank AG | Banken | 579 |
| 10 | Vodafone GmbH | Telekommunikation | 578 |
Tonia Schöler ist Volontärin bei der Personalwirtschaft.

